Quo Vadis 2010?
am 6. Januar 2010 über MusikRückblickend: Was gab es 2009 an neuen Technologien, die im Consumerbereich dominierend waren? Sicherlich hat das iPhone samt annektierten Inhalten aus dem iTunes Store seine Marktanteile weiter ausgebaut — während das erste Google Phone G1 nach ein paar Tagen Hype wieder in der Versenkung verschwand. Schaut man in die Prospekte von Media Markt und Co., dann erkennt man, dass auch die Netbooks mit kleinem Gewicht, kompakter Größe und nur mit SSD-Platte recht erfolgreich waren. Aber was passiert 2010? Der Versuch einer Prognose
Konkurrenz fürs iPhone
Das neue Google Nexus One hat gezeigt, dass es doch eine Möglichkeit gibt, dem Platzhirsch paroli zu bieten. Und Google hat gleich erkannt, dass es nicht nur auf die Technik, sondern auch auf die Infrastruktur ankommt. Mit Google Checkout wurde gleich ein (mobiler) Bezahldienst geschaffen, eine Plattform für Android Apps gibt es auch bereits. Nur ein komplett durchdachtes System kann dem perfekt(?) durchdachten iTunes/iPhone das Wasser reichen und Google ist auf dem besten Weg dazu. Ich sehe die Anteile vom Nexus eher im Bereich der Bastler, Linuxuser und iPhone-Jailbreaker. Android ist frei und unabhängig, man muss sich nicht an einen Hersteller binden und kann auf den “Luxus” eines zentralistischen Systems verzichten. Es wird also Bewegung in den Multitouch-Phone-Bereich kommen.
Alles im Netz
Welche Anwendungen es auf dem Google Nexus dominant geben wird, steht schon fest: Mobile Derivate von Google Mail, Google Calender, Google Docs und Google Wave. Hier hat Google mit seinen seit Jahren gepflegten Webapps klar die Nase vorn und ist Trendsetter. Sobald auch der unversierte Nutzer verschiedene mobile und stationäre Rechner hat, wird der Bedarf an einer komfortablen Synchronisation steigen. Apple setzt mit MobileMe und (bald) iworks.com auf eine reine Synchronisationsschnittstelle. Google geht einen Schritt weiter und verlagert die Anwendung komplett ins Netz bzw. in den (mit Google Gears erweiterten) Browser.
Meine Meinung: Der netzbasierte Ansatz wird sich durchsetzen. Apple ist momentan mit OS X und iPhone OS an eine Plattform gebunden, die unabhängigen Webapps von Mobile-Me sind eher ein nettes Zusatzangebot als denn der zentrale Kern der Anwendung. Sobald die Benutzer Webapps als Quasi-Standard auf ihren neu gekauften Systemen vorfinden, werden sie sich der Vorteile gewahr werden. Webapps, selbst ganze Betriebssysteme á la Google Chrome, werden zumindest den mobilen Bereich dominieren.
Öffnung der Provider
Google wird sein Handy auch ohne Vertragsbindung verkaufen. Das wird für die verwöhnten deutschen Provider sicher ein Problem werden. Sie sind bis dato gewohnt, in der Schaltzentrale zu sitzen. Ihre Machtposition bröckelt aber: Das Datennetz ist (besonders in den USA) alles andere als stabil, die vertraglichen Angebote sind vor allem im mobilen Internet unattraktiv und nicht an den Bedürfnissen der Nutzer ausgerichtet. Sobald dann noch Angebote virtueller Provider ins Spiel kommen, ist der Markt spätestens dann aufgebrochen wenn es sowohl freie iPhones (was es derzeit nur über Umwege gibt) als auch freie Nexus’ geben wird. Freuen wir uns also schon einmal auf echte Datenflatrates zu vernünftigen Preisen.
Tablets
Amazon geht derzeit mit seinem Kindle in internationale Kampfformation, auch Sony hat neue Geräte am Start. Und Gerüchte über ein iSlate sind momentan fast schon hieb- uns stichfeste Ankündigungen. 2010 wird es sehr viele Geräte geben, die ich allgemein mal als “Betrachter” bezeichnen möchte. Die Idee, Zeitungen, Magazine, Bücher, Filme und Live-TV auf einem kleinen handgerechten Gerät zu betrachten, ist alt. Aber es gab bisher weder Geräte noch Angebot. Betrachtet man aber die neuesten Entwicklungen im Printmarkt, wird sich da einiges tun. Axel Springer macht es mit einem iPhone-Abo für Bild und Welt vor, vor allem im technischen Bereich sind PDF-Bücher schon sehr verbreitet.
Die Crux befindet sich meiner Meinung nach gerade noch in der Darstellung der Angebote. Freilich gibt es jede Tageszeitung mehr oder minder kostenlos im Netz, das Layout ist aber nahezu unlesbar, da die Webseiten nicht mehr als eine lieblose CMS-Anbindung an die Artikeldatenbank sind. Sobald die Verleger erkannt haben, dass man die Inhalte für die elektronische Betrachtung aufarbeiten muss und dafür auch Geld verlangen kann, kommen die “Betrachter” in Form von Tablets oder anderen Geräten ins Spiel. Dem iTunes-Store traue ich am ehesten zu, dass er diese Entwicklung vorantreibt.


