Amazon SES

am 25. Januar 2011 über Internet, Software, Webdesign

Eine Faustregel im Internet: Wenn Amazon in einen Wirtschaftszweig eindringt, dann können die Konkurrenten dicht machen.

Seit heute verschickt Amazon mit Amazon SES Emails im großen Stil. Emails in großen Mengen gut skaliert zu verschicken ist eine nur schwer in den Griff zu kriegende Sache. Bisher ließen sich Anbieter wie SendGrid das in ungünstigen Staffelpreisen bezahlen. Für eine kleine Webapp fielen da schnell mal 199$ pro Monat allein für das Tagesgeschäft mit Bestätigungsmails und Newslettern an.

Amazon geht gleich eine ganze 10er Potenz günstiger rein. 10 Dollercent kosten 1000 Mails. Dazu der übliche Amazon-Cloud-Preis für den Traffic.

Demnach: Goodbye SendGrid! Der Umzug zu Amazon steht an. 90$ Gewinn pro Monat ist die Arbeit allemal wert…

Suspend bei Exceptions in JUnit

am 14. Oktober 2010 über Informatk, Software

Wenn ein Java-Programm im Debug-Modus von Eclipse eine Exception wirft, dann hält (suspend) Eclipse das Programm auf magische Weise an; also so, als hätte man genau an der richtigen Stelle einen Breakpoint gesetzt. Dieses Verhalten gibt es aber nicht, wenn man mit JUnit arbeitet. Es scheint so, als würde JUnit die Exceptions selbst in irgendeiner Weise abfangen oder behandeln — jedenfalls rasselt man beim Ausführen darüber hinweg.

Eine Möglichkeit, das explizit für alle Fälle zu ändern habe ich nicht gefunden. Man kann aber einzelne Exceptions angeben, an denen der Degubber Halt machen soll.

Das geht versteckt über das “J!”-Icon im “Breakpoint”-View, der standardmäßig in der Debug-Perspektive zu Hause ist. Und weil man das so schnell nicht findet, hier ein erklärender Screenshot:

Pilgern im Südschwarzwald

am 8. Oktober 2010 über Kritik, erlebt

[Trigami-Review]

Jakobsweg, Sternenweg, Taizé: Es scheint mir, als würde das Pilgern in der heutigen Zeit fast schon zur Mode werden. Das angestaubte Image der katholischen Kaffeefahrt, die unter Pilgern einen Halt am Souvenirshop versteht, hat sich mit der Vielzahl an Büchern und Erfahrungsberichten der letzten Zeit aber “gott”seidank überholt. Und darum will auch ich einen kurzen Überblick geben, wie man (fast) vor seiner deutschen Haustüre noch einiges erpilgern kann.

Zusammen mit einem Freund war ich im Schwarzwald auf dem Kapellenweg — besser: den Wegen, denn es gibt mehrere Routen — unterwegs. Stationiert waren wir in Schönwald im Südschwarzwald, in einem schönen (als Euphenismus für “kischigen”), einwandfreien Hotel. Und gleich vorneweg: Der Südschwarzwald ist für einen städtischen Studenten atemberaubend und landschaftlich extrem abwechslungsreich.


Größere Kartenansicht

Organisatorisch war alles recht leicht. Mein Navigationssinn ist nicht der beste, darum wollten die Etappen gut geplant sein. Die Routen sind geschickt und praktisch in einem frei erhältlichen Wanderführer “Kapellenweg” veröffentlicht, den man sich auch gleich noch gratis herunterladen kann. Für günstige 3 Euro gibt es das redaktionell super aufgemachte Heft auch auf totem Baum zu erwerben. Zusammen mit einer Wanderkarte, einem Edding zum Einzeichnen der Route (Obacht: Die Farbcodes der Wanderwege sollte man dabei nicht übermalen) und OffMaps fürs iPad ging es dann also auf die erste Etappe.

Am ersten Tag entschieden wir uns für die rund 16 Kilometer lange erste Route, ein Rundweg um Triberg. Nach einem überraschend steilen Beginn wird es auf Höhenwegen dann doch recht angenehm und abwechslungsreich. Die Route war Ende September kaum von Wanderern belebt, sodass man von einem echten Geheimtipp sprechen kann. Nach etwa 5 Kilometern erreicht man die Hohen-Kapelle. Die Kapelle ist offen und eignet sich somit auch hervorragend für eine Kurzandacht, wenn man mit einer Pilger- oder Jugendgruppe unterwegs ist. Zwei weitere Kapellen folgen kurz darauf: Die Kreuzbauernhof-Kapelle sowie die Hofbauer-Kapelle. Beides sind Hofkapellen, an denen man zwar rasten kann, die jedoch geschlossen waren.

Für mich als Landeskirchler war das eh eine recht interessante Erkenntnis: Die meisten Kapellen befinden sich in Privatbesitz und gehören zu einem Schwarzwaldhof. Darum werden sie auch privat finanziert und in Schuss gehalten.

Lang ist Route 1 zwar nicht, die Höhenkilometer sind ohne Aufwärmen dann aber doch recht beachtlich. Aber genau das hat die Tour interessant gemacht. Zudem ist sie gut an einem halben Tag zu schaffen. Wer mit einer Jugendgruppe unterwegs ist, sollte sich die Gelegenheiten nicht entgehen lassen: Offene Kapelle für eine Andacht und ein Anstieg, der selbst die nervigsten Teilnehmer müde macht…

Am zweiten Tag entschieden wir uns für Route 3. Die ist erstens so lang, dass sie sich gut auf den Tag verteilt und zweitens sieht man so auch noch Furtwangen, das Ende der Etappe. Auf dem Weg liegen drei Kapellen, der legendäre Günther-Felsen an dem jede Black-Metal-Band mindestens einmal ein Bandfoto schießen sollte, sowie diverse Einkehrmöglichkeiten. Die Höhenmeter sind mit 550m gut zu schaffen und wenig anspruchsvoll. Es gibt nur zwei etwas steilere Anstiege.

Das erste Etappenziel, die Piuskapelle, liegt umsäumt von Viehweiden auf einer Anhöhe. Neben einer Kapelle eine Kuhherde zu sehen, die zudem noch mit Kuhglocken und ohne Zaun daherweidet, ist schon ein recht überraschender Anblick. Architektonisch die Kapelle interessant und schön, dafür aber leider geschlossen.

Nächstes Etappenziel ist die Donauquelle. Beziehungsweise eine der Quellen, die behauptet die Donauquelle zu sein, denn entspringen tut dort der Bach Breg, der zusammen mit der Brigach allgemein als Donauwegbereiter gilt. Interessanter als die versteckte, recht unzugängliche und versiegte Quelle ist aber die Kapelle daneben. Die Martinskapelle ist offen und mit einem Altar mit reichlichem Schnitzwerk für Freunde der religiösen Volkskunst sehr interessant. Und zur vollen Stunde sollte man sich nicht erschrecken lassen. Auch eine kleine Kapelle schlägt…

Dann geht es laut Wanderroute weiter auf den Berg Brend. Für uns allerdings eher auf Umwegen, denn die eine oder andere schlecht beschilderte und nicht farblich markierte Kreuzung war dann doch etwas unübersichtlich. Positiv betrachtet: Schöne Wege zweimal zu Laufen hat auch einen gewissen Reiz. Nachdem ein Bauer mit antikem Traktor und originellem Dialekt uns aber auf den richtigen Waldweg geschickt hat, war der Brend im Nu erklommen. Der weitere Weg war ausgebaut und umsäumt von Gaststätten und Höfen. Damit es ein wenig interessanter wird, verließen wir die Hauptstraße und liefen einen parallel verlaufenden, nicht ausgebauten Wanderweg im Wald.

Überraschend steht man dann irgendwann vor Furtwangen, auf der Anhöhe vor dem Städchen steht die Fatimakapelle mit hervorragender Aussicht. Von Furtwangen fährt dann mehr oder minder regelmäßig ein Bus zurück nach Schönwald. Vorausgesetz, man findet die richtige Bushaltestelle. Nach 16 Kilometern geplant und 6 Kilometern “freiwilliger” Umweg schläft man dann auch recht gut.

Was ich hier schon aus Schwaben kenne findet man auch im Schwarzwald: Katholische Wegkreuze. Deshalb katholisch, weil mit Korpus. Die üblichen Kreuze auf Bergspitzen haben in der Regel keine Christusfigur. Handwerklich sind diese zwar nicht gerade große Kunst, passen aber stilistisch perfekt. Und sie bieten einen sinnvollen Grund, mal eine Pause vom Wandern einzulegen.

Summa summerum: Gefallen hat es mir sehr gut, ich würde jederzeit wieder hingehen. Vielleicht sogar mit einer Jugendgruppe als organisierte Freizeit. Wer wert auf Wandern legt, Aspekte des Pilgerns noch auf seinen Weg mitnehmen will und Interesse am Katholizismus des Schwarzwaldes hegt landet mit der Tour einen Volltreffer.

Da ich wie immer viel zu viele Fotos gemacht habe und ich keinen Eindruck unterschlagen will, gibt es die komplette Übersicht in meiner MobileMe-Gallery. Sogar als ZIP-Datei zum komplett herunterladen.

Und die paar wenigen Fotos, die künstlerisch halbwegs ansprechend sind, gibt es bald auch auf der Facebookseite meiner Band Opus Irae zu bestaunen. Denn nichts passt besser zu Black Metal als der Black Forest?

Wer jetzt ebenfalls gleich lospilgern will, kann auf den Infoseiten von Ferienland alles pauschal und einfach buchen. Angebot zum Kappellenweg.

Papierbox basteln

am 8. Oktober 2010 über Kultur

Der Lüfter meiner Endstufe hatte auf einmal angefangen lauter zu kratzen als Ton aus den Lautsprechern kam. Und weil der gebürtige Schwabe allgemein geizig ist, habe ich den Lüfter selbst ausgetauscht. Das größte Problem dabei ist: Wohin mit den rund 30 unterschiedlichen Schrauben? Wo bekommt man schnell 5 kleine Schachteln für 5 unterschiedliche Schraubentypen her?

Ganz einfach: Selbst basteln. Aus einem DinA4-Blatt lässt sich eine bestens geeignete, kleine Box basteln. Eine ältere Dame auf YouTube erklärt auch ganz toll, wie das geht:

Aufladbare Taschenlampe für Profis und “Normalos”

am 28. September 2010 über Kritik, Review

[Trigami-Review]


Bei einigen Dingen sollte man keine Kompromisse in der Qualität machen. Taschenlampen gehören für mich da dazu: Sie müssen im Ernstfall sofort verfügbar sein, müssen einiges aushalten können und sollten in der Leuchtkraft zuverlässig und konstant sein. Vor allem mit der Leuchtkraft ist es so eine Sache, wenn plötzlich die Batterien schlapp machen. Und genau deshalb war ich sehr gespannt auf die neue LedLenser M7R. Denn sie verspricht nicht nur die von LedLenser übliche hervorragende Leuchtkraft dank Smart Light Technologie, sondern auch ein neues, flexibles Aufladesystem.

Die M7R im mitgelieferten Koffer

Die M7R im mitgelieferten Koffer

Taschenlampe zum Aufladen

Die M7R hat eine doppelt so lange Leuchtdauer wie die M7, braucht aber keine Wechselbatterien. Der mitgelieferte Akku lässt sich immer und überall wieder aufladen. “Und was, wenn man keine Steckdose hat?” war das erste, was mir durch den Kopf ging. Die M7R bietet aber ein extrem praktisches und pragmatisches System, das bis ins letzte Detail durchdacht ist. Am Ende des Stromkabels ist ein USB-Stecker. Den kann man sowohl in das mitgelieferte Netzteil stecken als auch in alles andere, was den etablierten Standardanschluss bietet. Also nicht nur das Notebook, der USB-Hub am Schreibtisch und der PC, sondern auch über einen Standard Auto-Adapter, den man in jeden Zigarattenanzünder stecken kann.

Die M7R beim Laden im Auto

Für meinen Einsatzbereich also optimal: Als Musiker kann ich die Lampe bequem über die USB-Anschlüsse meines Equipments aufladen. Damit ist die Lampe ideal für alle Tontechniker und Stagehands. Vor der Nachwanderung beim Jugendcamp steckt man die M7R einfach eine Stunde in den Zigarettenanzünder und kann dann auch fernab jeder Infrastruktur den Akku laden. Für zuhause ist ein Wandhalter mitgeliefert, in dem man die Lampe bequem aufbewahren und laden kann.

Die M7R beim Laden an meinem Receptor

Der Anschluss an das Ladekabel ist dabei sehr intelligent über Magnetkontakte gelöst. Abbrechende Stecker oder Wackelkontakte wird es so nicht geben. Eine LED zeigt an, wann der Akku geladen ist.

Funktionen

Die M7R bietet wie man es von LedLenser gewohnt ist gleich ein ganzes Arsenal an unterschiedlichen Funktionen, die man bequem über das Antippen des Schalters erreichen kann. Insbesondere das Einstellen der Leuchtkraft gefällt mir sehr: Durch langes Antippen dimmt sich die Lampe stufenlos zwischen 15% und 100% Leuchtkraft. So findet man für jeden Einsatzzweck die passende Leuchtstufe. Dieser Modus (Easy Mode) erschlägt schonmal fast alle Anwendungsfälle. Wenn man die Taschenlampe zur Selbstverteidigung einsetzen möchte, kann man im “Tactical Defense Mode” mit einem Tipp in den Stroboskop-Modus schalten. Damit ist es im Gegensatz zu anderen Lampen innerhalb einer halben Sekunde im Einsatz. Der “Defense Mode” eignet sich meiner Meinung nach aber nicht nur hervorragend zum Abschrecken von Angreifern, sondern auch zum Signalgeben zwischen Bühne und FOH für Tontechniker oder zur lautlosen Kommunikation in der Nacht. Im “Professional Mode” hat man Zugriff auf alle Funktionen der Lampe: das Dimmen, das schnelle und langsame Stroboskop, sowie ein kontinuierliches SOS-Signal, das man hoffentlich nie brauchen wird.

Neben den umfangreichen Funktionen gibt es noch einige sehr durchdachte Features. Dazu gehört etwa das Akku-Signal. Geht der Akku zu Neige, blinkt die M7R automatisch alle 10 Sekunden. Andere Taschenlampen gehen in so eine Situation plötzlich aus. Bei der M7R bekommt man jedoch rechtzeitig den Hinweis zum Aufladen. Zudem ist wie bei jeder LedLenser das Fokussystem ausgezeichnet, man hat praktisch keinen Verlust durch diffuses Licht. Und was mir besonders gefällt: Alle Funktionen sind auf einem scheckkartengroßen Spickzettel sehr verständlich erklärt, sodass man auch wenig genutzte Features immer parat hat und einstellen kann.

Die Verarbeitung ist ausgezeichnet. Ich traue der Lampe durchaus zu, dass sie starke Stürze überlebt und kann garantieren, dass zumindest meine P7, der kleine Bruder der M7R, auch einen unfreiwilligen Aufenthalt im Grillfeuer überlebt hat.

Summa summarum: Jeder, der eine zuverlässige Taschenlampe braucht, sie professionell einsetzen will und sich Ärger ersparen will oder muss, sollte sich die M7R genauer anschauen. Allein schon die Tatsache, dass man nie mit leerem Akku und ohne Licht dasteht, ist meiner Meinung nach die Anschaffung der M7R wert.

Wer sich noch mehr optische Eindrücke verschaffen mag, findet in der Ledlenser-Gallery genug Bilder. Zudem sind die Lampen auch auf Facebook und Twitter vertreten.

Jetzt zum Produkt

Das iPad produktiv

am 2. September 2010 über Kritik, Review

Ganz bewusst habe ich nicht sofort einen Artikel zu meinem iPad geschrieben. Denn eines hat mir bei der Recherche vor dem Kauf gefehlt: Einen Artikel, der persönliche produktive Anwendungsfälle beschreibt. Dass das iPad schick ist, toll ausschaut und viel kann ist bekannt. Bleibt die Frage: Wofür verwendet man es.

Zeitung lesen

Als jahrelanger Zeitungs- und Bücherleser bin ich es nach wie vor nicht gewohnt, am Bildschirm längere Texte zu lesen. Die Ablenkung ist zu groß, man tendiert immer und überall dazu, Texte mit mehr als einer Bildschirmseite zu überfliegen oder erst gar nicht anzulesen. In einer gedruckten taz oder Zeit ist es es selbstverständlich, auch mal einen längeren Artikel zu lesen. Und auf dem iPad geht das auch! Ich habe die digitale taz abonniert und lese sie im GoodReader, einer kleinen PDF-App, die vom Download bis zum Lesen und Archivieren alles super verwaltet. Die digitale taz kostet 10 Euro im Monat, ist die Vollausgabe und schon am Vorabend ab ca. 23:00 herunterzuladen, ohne DRM und als PDF. Die Aufbereitung im Zeitungsformat jenseits der Klick-Orgien auf Spiegel.de ist der Preis wert. Und: Es ist Qualitätsjournalismus.

Newsfeeds

Newsfeeds lesen und Newsfeeds überfliegen sind verschiedene Dinge. Die Tendenz auf dem iPad geht wieder zum ausführlichen Lesen. Meine RSS-Abos sind, seit ich das iPad habe, deutlich umfangreicher geworden, auch Blogger mit längeren Artikeln lese ich nun. Also auch hier: Das iPad fördert das ausführliche Befassen mit digitalen Texten. Ich verwende Reeder mit Google Reader als Backend.

Video-Podcasts

Die Videopodcasts, insbesondere die Casts zu Rails und Vorträge diverser JUGs, gammelten ziemlich lange ungesehen auf meinem Rechner rum. Mit dem iPad ist es möglich, diese komfortabel immer und überall anzuschauen, insbesondere unterwegs im Zug. Podcasts schauen auf dem iPad macht Spaß und iTunes synchronisiert alles ohne Konfigurieren.

Referenz neben dem Rechner

Aptana oder Eclipse auf dem Rechner, die API auf dem iPad. Dieses Doppelgespann hat sich bei mir beim Programmieren etabliert. Man verliert den Fokus in der IDE nicht, kann nebenher auf der kostenlosen weil nicht als Buch gekauften Referenz nachschauen und schmökern wie man möchte.

Zusammengefasst: Das iPad ist, produktiv eingesetzt, in erster Linie ein ausgelagerter, mobiler Betrachter für digitale Inhalte — und nebenbei gibt es noch ein paar hübsche Apps zum Entspannen.

Quo Vadis 2010?

am 6. Januar 2010 über Musik

Rückblickend: Was gab es 2009 an neuen Technologien, die im Consumerbereich dominierend waren? Sicherlich hat das iPhone samt annektierten Inhalten aus dem iTunes Store seine Marktanteile weiter ausgebaut — während das erste Google Phone G1 nach ein paar Tagen Hype wieder in der Versenkung verschwand. Schaut man in die Prospekte von Media Markt und Co., dann erkennt man, dass auch die Netbooks mit kleinem Gewicht, kompakter Größe und nur mit SSD-Platte recht erfolgreich waren. Aber was passiert 2010? Der Versuch einer Prognose

Konkurrenz fürs iPhone

Das neue Google Nexus One hat gezeigt, dass es doch eine Möglichkeit gibt, dem Platzhirsch paroli zu bieten. Und Google hat gleich erkannt, dass es nicht nur auf die Technik, sondern auch auf die Infrastruktur ankommt. Mit Google Checkout wurde gleich ein (mobiler) Bezahldienst geschaffen, eine Plattform für Android Apps gibt es auch bereits. Nur ein komplett durchdachtes System kann dem perfekt(?) durchdachten iTunes/iPhone das Wasser reichen und Google ist auf dem besten Weg dazu. Ich sehe die Anteile vom Nexus eher im Bereich der Bastler, Linuxuser und iPhone-Jailbreaker. Android ist frei und unabhängig, man muss sich nicht an einen Hersteller binden und kann auf den “Luxus” eines zentralistischen Systems verzichten. Es wird also Bewegung in den Multitouch-Phone-Bereich kommen.

Alles im Netz

Welche Anwendungen es auf dem Google Nexus dominant geben wird, steht schon fest: Mobile Derivate von Google Mail, Google Calender, Google Docs und Google Wave. Hier hat Google mit seinen seit Jahren gepflegten Webapps klar die Nase vorn und ist Trendsetter. Sobald auch der unversierte Nutzer verschiedene mobile und stationäre Rechner hat, wird der Bedarf an einer komfortablen Synchronisation steigen. Apple setzt mit MobileMe und (bald) iworks.com auf eine reine Synchronisationsschnittstelle. Google geht einen Schritt weiter und verlagert die Anwendung komplett ins Netz bzw. in den (mit Google Gears erweiterten) Browser.

Meine Meinung: Der netzbasierte Ansatz wird sich durchsetzen. Apple ist momentan mit OS X und iPhone OS an eine Plattform gebunden, die unabhängigen Webapps von Mobile-Me sind eher ein nettes Zusatzangebot als denn der zentrale Kern der Anwendung. Sobald die Benutzer Webapps als Quasi-Standard auf ihren neu gekauften Systemen vorfinden, werden sie sich der Vorteile gewahr werden. Webapps, selbst ganze Betriebssysteme á la Google Chrome, werden zumindest den mobilen Bereich dominieren.

Öffnung der Provider

Google wird sein Handy auch ohne Vertragsbindung verkaufen. Das wird für die verwöhnten deutschen Provider sicher ein Problem werden. Sie sind bis dato gewohnt, in der Schaltzentrale zu sitzen. Ihre Machtposition bröckelt aber: Das Datennetz ist (besonders in den USA) alles andere als stabil, die vertraglichen Angebote sind vor allem im mobilen Internet unattraktiv und nicht an den Bedürfnissen der Nutzer ausgerichtet. Sobald dann noch Angebote virtueller Provider ins Spiel kommen, ist der Markt spätestens dann aufgebrochen wenn es sowohl freie iPhones (was es derzeit nur über Umwege gibt) als auch freie Nexus’ geben wird. Freuen wir uns also schon einmal auf echte Datenflatrates zu vernünftigen Preisen.

Tablets

Amazon geht derzeit mit seinem Kindle in internationale Kampfformation, auch Sony hat neue Geräte am Start. Und Gerüchte über ein iSlate sind momentan fast schon hieb- uns stichfeste Ankündigungen. 2010 wird es sehr viele Geräte geben, die ich allgemein mal als “Betrachter” bezeichnen möchte. Die Idee, Zeitungen, Magazine, Bücher, Filme und Live-TV auf einem kleinen handgerechten Gerät zu betrachten, ist alt. Aber es gab bisher weder Geräte noch Angebot. Betrachtet man aber die neuesten Entwicklungen im Printmarkt, wird sich da einiges tun. Axel Springer macht es mit einem iPhone-Abo für Bild und Welt vor, vor allem im technischen Bereich sind PDF-Bücher schon sehr verbreitet.

Die Crux befindet sich meiner Meinung nach gerade noch in der Darstellung der Angebote. Freilich gibt es jede Tageszeitung mehr oder minder kostenlos im Netz, das Layout ist aber nahezu unlesbar, da die Webseiten nicht mehr als eine lieblose CMS-Anbindung an die Artikeldatenbank sind. Sobald die Verleger erkannt haben, dass man die Inhalte für die elektronische Betrachtung aufarbeiten muss und dafür auch Geld verlangen kann, kommen die “Betrachter” in Form von Tablets oder anderen Geräten ins Spiel. Dem iTunes-Store traue ich am ehesten zu, dass er diese Entwicklung vorantreibt.


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M. Herhoffer