[Trigami-Review]
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Jakobsweg, Sternenweg, Taizé: Es scheint mir, als würde das Pilgern in der heutigen Zeit fast schon zur Mode werden. Das angestaubte Image der katholischen Kaffeefahrt, die unter Pilgern einen Halt am Souvenirshop versteht, hat sich mit der Vielzahl an Büchern und Erfahrungsberichten der letzten Zeit aber “gott”seidank überholt. Und darum will auch ich einen kurzen Überblick geben, wie man (fast) vor seiner deutschen Haustüre noch einiges erpilgern kann.
Zusammen mit einem Freund war ich im Schwarzwald auf dem Kapellenweg — besser: den Wegen, denn es gibt mehrere Routen — unterwegs. Stationiert waren wir in Schönwald im Südschwarzwald, in einem schönen (als Euphenismus für “kischigen”), einwandfreien Hotel. Und gleich vorneweg: Der Südschwarzwald ist für einen städtischen Studenten atemberaubend und landschaftlich extrem abwechslungsreich.
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Organisatorisch war alles recht leicht. Mein Navigationssinn ist nicht der beste, darum wollten die Etappen gut geplant sein. Die Routen sind geschickt und praktisch in einem frei erhältlichen Wanderführer “Kapellenweg” veröffentlicht, den man sich auch gleich noch gratis herunterladen kann. Für günstige 3 Euro gibt es das redaktionell super aufgemachte Heft auch auf totem Baum zu erwerben. Zusammen mit einer Wanderkarte, einem Edding zum Einzeichnen der Route (Obacht: Die Farbcodes der Wanderwege sollte man dabei nicht übermalen) und OffMaps fürs iPad ging es dann also auf die erste Etappe.

Am ersten Tag entschieden wir uns für die rund 16 Kilometer lange erste Route, ein Rundweg um Triberg. Nach einem überraschend steilen Beginn wird es auf Höhenwegen dann doch recht angenehm und abwechslungsreich. Die Route war Ende September kaum von Wanderern belebt, sodass man von einem echten Geheimtipp sprechen kann. Nach etwa 5 Kilometern erreicht man die Hohen-Kapelle. Die Kapelle ist offen und eignet sich somit auch hervorragend für eine Kurzandacht, wenn man mit einer Pilger- oder Jugendgruppe unterwegs ist. Zwei weitere Kapellen folgen kurz darauf: Die Kreuzbauernhof-Kapelle sowie die Hofbauer-Kapelle. Beides sind Hofkapellen, an denen man zwar rasten kann, die jedoch geschlossen waren.

Für mich als Landeskirchler war das eh eine recht interessante Erkenntnis: Die meisten Kapellen befinden sich in Privatbesitz und gehören zu einem Schwarzwaldhof. Darum werden sie auch privat finanziert und in Schuss gehalten.
Lang ist Route 1 zwar nicht, die Höhenkilometer sind ohne Aufwärmen dann aber doch recht beachtlich. Aber genau das hat die Tour interessant gemacht. Zudem ist sie gut an einem halben Tag zu schaffen. Wer mit einer Jugendgruppe unterwegs ist, sollte sich die Gelegenheiten nicht entgehen lassen: Offene Kapelle für eine Andacht und ein Anstieg, der selbst die nervigsten Teilnehmer müde macht…

Am zweiten Tag entschieden wir uns für Route 3. Die ist erstens so lang, dass sie sich gut auf den Tag verteilt und zweitens sieht man so auch noch Furtwangen, das Ende der Etappe. Auf dem Weg liegen drei Kapellen, der legendäre Günther-Felsen an dem jede Black-Metal-Band mindestens einmal ein Bandfoto schießen sollte, sowie diverse Einkehrmöglichkeiten. Die Höhenmeter sind mit 550m gut zu schaffen und wenig anspruchsvoll. Es gibt nur zwei etwas steilere Anstiege.

Das erste Etappenziel, die Piuskapelle, liegt umsäumt von Viehweiden auf einer Anhöhe. Neben einer Kapelle eine Kuhherde zu sehen, die zudem noch mit Kuhglocken und ohne Zaun daherweidet, ist schon ein recht überraschender Anblick. Architektonisch die Kapelle interessant und schön, dafür aber leider geschlossen.
Nächstes Etappenziel ist die Donauquelle. Beziehungsweise eine der Quellen, die behauptet die Donauquelle zu sein, denn entspringen tut dort der Bach Breg, der zusammen mit der Brigach allgemein als Donauwegbereiter gilt. Interessanter als die versteckte, recht unzugängliche und versiegte Quelle ist aber die Kapelle daneben. Die Martinskapelle ist offen und mit einem Altar mit reichlichem Schnitzwerk für Freunde der religiösen Volkskunst sehr interessant. Und zur vollen Stunde sollte man sich nicht erschrecken lassen. Auch eine kleine Kapelle schlägt…
Dann geht es laut Wanderroute weiter auf den Berg Brend. Für uns allerdings eher auf Umwegen, denn die eine oder andere schlecht beschilderte und nicht farblich markierte Kreuzung war dann doch etwas unübersichtlich. Positiv betrachtet: Schöne Wege zweimal zu Laufen hat auch einen gewissen Reiz. Nachdem ein Bauer mit antikem Traktor und originellem Dialekt uns aber auf den richtigen Waldweg geschickt hat, war der Brend im Nu erklommen. Der weitere Weg war ausgebaut und umsäumt von Gaststätten und Höfen. Damit es ein wenig interessanter wird, verließen wir die Hauptstraße und liefen einen parallel verlaufenden, nicht ausgebauten Wanderweg im Wald.

Überraschend steht man dann irgendwann vor Furtwangen, auf der Anhöhe vor dem Städchen steht die Fatimakapelle mit hervorragender Aussicht. Von Furtwangen fährt dann mehr oder minder regelmäßig ein Bus zurück nach Schönwald. Vorausgesetz, man findet die richtige Bushaltestelle. Nach 16 Kilometern geplant und 6 Kilometern “freiwilliger” Umweg schläft man dann auch recht gut.
Was ich hier schon aus Schwaben kenne findet man auch im Schwarzwald: Katholische Wegkreuze. Deshalb katholisch, weil mit Korpus. Die üblichen Kreuze auf Bergspitzen haben in der Regel keine Christusfigur. Handwerklich sind diese zwar nicht gerade große Kunst, passen aber stilistisch perfekt. Und sie bieten einen sinnvollen Grund, mal eine Pause vom Wandern einzulegen.
Summa summerum: Gefallen hat es mir sehr gut, ich würde jederzeit wieder hingehen. Vielleicht sogar mit einer Jugendgruppe als organisierte Freizeit. Wer wert auf Wandern legt, Aspekte des Pilgerns noch auf seinen Weg mitnehmen will und Interesse am Katholizismus des Schwarzwaldes hegt landet mit der Tour einen Volltreffer.
Da ich wie immer viel zu viele Fotos gemacht habe und ich keinen Eindruck unterschlagen will, gibt es die komplette Übersicht in meiner MobileMe-Gallery. Sogar als ZIP-Datei zum komplett herunterladen.

Und die paar wenigen Fotos, die künstlerisch halbwegs ansprechend sind, gibt es bald auch auf der Facebookseite meiner Band Opus Irae zu bestaunen. Denn nichts passt besser zu Black Metal als der Black Forest?
Wer jetzt ebenfalls gleich lospilgern will, kann auf den Infoseiten von Ferienland alles pauschal und einfach buchen. Angebot zum Kappellenweg.