Wahlwerbung im Fernsehen ist eigentlich immer eine lustige Sache. Die PARTEI betreibt Schleichwerbung für HLX, die APPD hat einen Spot, der genauso nix aussagt wie ihr ganzes Dasein und selbst die großen Parteien geben sich mit hölzernen Slogans und pseudo-professionellen Imagekampagnen der Lächerlichkeit preis. Nur die NPD spielt mal wieder nicht mit und provoziert auf gekonnt dumme Art und Weise.
Im Werbespot Sonnenmädchen flattert pathetisch ein Adler herum, ein durch und durch arisches Mädel hüpft auf einer Wiese herum - und wird von böser Multi-Kulti-Musik bedroht. Danach folgt die erste Strophe der Nationalhymne, ein paar selten dumme Parolen und ein wackeliges NPD-Logo. Das wäre für den Musikfan alles nicht so schlimm - würde die NPD das bedrohte Deutschland nicht mit Musik von Richard Wagner untermalen. Was kann bitteschön ein toter Komponist für die Dummheit der NPDler?
Wagner war zweifelsohne ein Antisemit im Zeichen seiner Zeit, (zumindest lange Zeit) ein Freund von Friedrich Nietzsche und zweifelsohne ein Deutscher. Er war aber ein völlig unpolitischer Komponist. Reicht es, ein paar Opern über deutsche Sagengestalten zu schreiben, um ewig den Ruf eines Nationalisten zu haben? In Tel Aviv (Israel) wurde die Aufführung von “Tristan und Isolde” unter dem Dirigenten Daniel Barenboim 2001 nach heftigen Protesten abgebrochen. Auch hier wird die unpolitische Musik politisiert - dieses Mal aus anderer Richtung, als es die NPD tat.
Anstelle falscher Mutmaßungen sollte man die richtigen Dinge in politischen Kontext stellen. Die Werke Schostakowitsch‘ zum Beispiel. Unter dem Deckmantel scheinbarer Propagandamusik versteckte er spottende Kritik am Regime Stalins in seinen Werken.
Oder aus neuerer Zeit: George Crumb hat in seinem Werk Black Angels (für elektr. Streichquartett) auf beängstigende, verstörende Weise Eindrücke aus dem Vietnamkrieg vertont - als Protest gegen die Feldzüge seiner Regierung. Sowohl die Notenausgabe (ich habe noch nie solche Notationen gesehen) als auch die Aufnahme vom Cronos-Quartett lohnen sich.
Dieser Eintrag wurde am Sonntag, 11. September 2005 um 20:17 erstellt und ist unter Musik, Politik abgelegt.
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11. September 2005 um 21:25
Der NPD Wahlwerbespot ist wirklich lustig zumal die da auch noch
jede menge Mist erzählen. Zitat “Für jeden von der NDP der in den
Bundestag reinkommt fliegt einer von den anderen raus” Das ist ziemlicher
Käse wenn man daran denkt das die NPD wohl Bundesweit keine 5% bekommt.
Dh. für den Fall der Wahl eines Direktmandates hat die NPD einen Sitz
mehr als ihr eigentlich nach nach der Verhältniswahl zustehen würden (0).
Der Kandidat ist also ein “Überhangmandat” und wie der Name schon sagt
ist dieser Sitz zustätzlich und es “fliegt” natürlich kein er von den
“anderen” raus. Aber deren Wähler dürfte das ohnehin nicht interessieren.
MfG S.