Mathematiker sind des Teufels!
Der Kirchenvater, Theologe und Philosoph
Quapropter bono christiano, sive mathematici, sive quilibet impie divinantium, maxime dicentes vera, cavendi sunt, ne consortio daemoniorum animam deceptam, pacto quodam societatis irretiant.
Mit meinem Restwissen an Latein übersetze ich das mal mit:
Darum soll sich der gute Christ vor den Mathematikern hüten, als gleich auch vor all jenen, die Prophezeiungen machen - wie wahr sie auch sprechen mögen - damit diese nicht, die im Packt mit dem Teufel stehen, die irrenden Seelen zur Hölle hinabschicken.
Was soll aber an Mathematikern so böse sein? Ein Blick in den
mathematicus mathematisch; Subst. mathematicus, i, m. Mathematiker; Astrologe


23. Januar 2006 um 11:40
Ich hab’s doch gewusst, die Mathematiker sind des Teufels, deshalb lern ich auch kein Mathe mehr um nicht auch in den teuflischen Bann gezogen zu werden
14. April 2009 um 1:14
Das war keineswegs auf Astrologen im heutigen Sinne bezogen, sondern ganz bestimmt auf Mathematiker und Astrologen im antiken Verständnis, als die Astronomie noch nicht abgegrenzt war und Mathematik noch von einer aus heutiger Sicht abgedrehten pythagoreischen Sekte vereinnahmt wurde. Dass das Christentum ein massives Problem mit der Mathematik hatte, wird vor allem historisch dadurch deutlich, dass sie im Mittelalter fast ganz verbannt wurde und nur für höfische Unterhaltung geduldet war.
Erst die mechanische (unchristliche) Weltauffassung der Neuzeit hat die Mathematik als Werkzeugkasten für Physiker und Ökonomen reetabliert und die christlichen Vorstellungen nach und nach aufgelöst, sprich uns von Augustinus befreit.
Augustinus ist also durchaus ernst zu nehmen und damit umgekehrt heute auch nicht mehr wirklich ernst zu nehmen, denn es zeigt sich wie lächerlich die Position der christlichen Kirchenväter heute anmutet. Es gibt ganz sicher, ich weiß es, weil ich mir viele sozialwissenschaftlich auftretende Phänomene heute mit dem Mist gar nicht erklären kann, zeitgenössisch treffendere Überlegungen als das Christentum. Also Augustinus beim Wort nehmen, Christentum als geschichtliches Phänomen betrachten und versuchen wirklich etwas über heute zu lernen. Das hat mir zumindest wirklich viel gebracht.
Gruß,
hirngespinst