Audio User Interface
Ich frage mich ständig, warum jegliche Information die ein Computer für mitteilungswürdig hält immer grafischer Natur sein muss. Bei Windoze poppen nervige gelbe Blasen aus der Statusleiste auf und bei MacOSX hüpft das ICQ-Logo fast über den ganzen Bildschirm. Besonders aber Analyseprogramme und -monitore haben aber eine ganz besondere Vorliebe für überladene Grafikausgaben. Der Mensch kann aber sinnigerweise mehr als nur sehen - nämlich vor allem hören. Viele Informationen werden ganz intuitiv über das Gehör gewonnen. Jahrtausende lang lief nahezu jegliche Kommunikation über Klang (nämlich in Form von Sprache). Warum müssen dann heutige leistungsstarke Systeme dem Benutzer kryptische Grafiken zumuten?
Das äußerste das dem User zugemutet wird ist die Information, dass ein Ereignis eingetroffen ist. Für verschiedene Ereignisse gibt es verschiedene Klänge: Eine neue eMail, eine neue Nachricht in ICQ und der erfolgreiche Start des OS. Klang ist aber vieldimensional. Es gibt mehr Zustände als nur “da” oder “nicht da”. Lautstärke, Tonhöhe und Klangfarbe können Informationen tragen, die viel intuitiver als grafische Abstraktionen sind.
Als ich mein WLAN eingerichtet habe tat ich das fast ausschließlich über die Audioausgabe von NetStumbler. Einzige Information die mich interessiert ist die Signalstärke an dem Ort an dem ich mich gerade befinde. NetStumbler kann diese Information als MIDI-Signal ausgeben. Tiefer Ton bedeutet schlechtes Signal, hoher Ton bedeutet gutes Signal. Mit zugeklapptem Notebook kann man dann völlig intuitiv die Reichweite des WLANs erwandern, ohne dabei tausend Statusbalken im Blick zu haben.
An diesem Ansatz arbeitet auch das Projekt iSic, kurz für “information music”. ISic wandelt Informationen aus einem komplexem System wie Firmen-Netzwerk oder Rechenzentrum in Musik um. Der verwendete Algorithmus generiert Klang, den man genremäßig wohl unter Easy Listening führen würde. Trotzdem trägt die Musik komplexe Information: Der Traffic ist die Geschwindigkeit des Beats, das Instrument gibt die Paketart an, Lautstärke und Dynamik sind weitere Parameter. Die Klangbeispiele sind viel versprechend - selbst ein Laie kann daraus die wichtigsten Informationen nachvollziehen. Und das Beste ist: Während man mehr oder weniger unterbewusst auf das AUI hört hat man umso mehr Zeit, sich über schlechte GUIs aufzuregen.


16. Februar 2006 um 21:36
“MacOSX” schreibt sich Mac OS X und das ICQ-Icon hüpft je nach Dock-Größe
Ich persönlich habe alle
max. 128 Pixel in vertikaler Richtung
akustischen Systemmeldungen deaktiviert, da ich lautlose Arbeitsumgebungen
bevorzuge, nix laute “Musik” und auch nix nervende ICQ “Ahoh” Geräusche.