Alles im Griff

Nord Stage 88Passend zur morgen anlaufenden Musikmesse in Frankfurt will ich ein paar Worte über mein Primärinstrument verlieren: Ich besitze seit 4 Monaten eines der ersten Clavia Nord Stage 88, die in Deutschland ausgeliefert wurden. Nahezu jedes Fachmagazin hat das Board umfangreich getestet. Darum will ich nur eine ganz fundamentale Eigenschaft ansprechen: Das unglaublich konsequente und einfache Bedienkonzept des Keyboards.
Nord Stage 88Das Herzstück der allermeisten Keyboards in jedem Preissegment ist ein möglichst großes und buntes Display. Mit bunten Farben und den zumeist seitlich angebrachten Multifunktions-Knöpfen (man kennt das von Handy und Geldautomat) darf man sich dann durch Menüs und Submenüs, Modi und Submodi, Einstellungen und Untereinstellungen durchblättern. Das braucht Zeit, in aller Regel zwei Hände und man muss wissen wo welche Einstellung versteckt ist. 2 Takte vor dem Solo ist das ziemlich ungünstig. Da nützt auch die vollanimierte Darstellung im Display nichts mehr.
Nord Stage 88Clavia setzt darum schon immer auf ein fundamental anderes Konzept: Jede Funktion bekommt eine Taste und jeder Parameter einen Drehknopf. Das schaut auf den ersten Blick recht lustig aus. Das Nord Stage hat 83 Knöpfe und 29 Drehregler. Die LEDs hab ich erst gar nicht gezählt. Man kann darum zu jeder Zeit alles direkt manipulieren. Immer mit einer Hand, immer ganz intuitiv über einen Drehregler. Das ermöglicht ein unglaublich dynamisches Spiel. Bei anderen Boards ist man zuerst Sounddesigner. Dann speichert man den Sound als Preset ab und spielt ihn dann - ohne die Möglichkeit, ihn beim Spielen verändern zu können. Beim Nord Stage gibt es natürlich auch Presets. Mit einem kleinen Drehgriff hat der Sound aber mehr Hall oder weniger Delay, mehr Attack oder einen längeren Decay.
Ich finde dieses Konzept die einzig gangbare Art, um komplexe Dinge einfach zu halten. Software- und Produktdesigner sollten sich davon mal eine Scheibe abschneiden. Wenn man nicht vermeiden kann, dass es tausend Features gibt, dann muss man konsequent den Vollzugriff auf jedes Feature erlauben. Sonst überfordert man sowohl die Einsteiger als auch die Profis.

Alle Bilder gibt es unter:
http://clavia.se/products/nordstage/pictures.htm

3 Antworten auf “Alles im Griff”

  1. Thomas meint:

    Wolltest du mir dein neues Stück nicht mal zeigen wenn es da ist? Würd da gerne mal nen Blick drauf werfen.

  2. Markus meint:

    Kein Thema. Ab Mitte nächster Woche sind meine Klausuren rum und ich hab alle Zeit der Welt.

  3. d135-1r43 » Blog Archive » Nordische Cembali meint:

    [...] das Instrument alles kann, hab ich schon einmal beschrieben. Und was vor drei Jahren noch grottenschlecht war: Die Piano-Samples. Doch dort hat sich einiges [...]

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M. Herhoffer