Archiv für April 2006

Abschlusskonzert der LAC

am 30. April 2006 über Linux-Audio, Musik

Am gestrigen Samstag ging mit einigen musikalischen Darbietungen die LAC im ZKM Karlsruhe zu Ende. Da mich das Elektro-Gejamme nicht die Bohne interessiert, hab ich mich zum Abschlusskonzert “Open Source Sounds” im legendären Kubus eingefunden. Das Programm sagt einem (bis auf ein paar bekannte Namen) erst mal wenig:

Panayiotis Kokoras: Response
Florian Zwissler: Doppelbrunn
Victor Lazzarini: Time-Lines Ia
Orm Finnendahl: Fälschung

Break

Ludger Bruemmer: Repetitions
MTG/Barcelona: reacTable

Erwähnenswert finde ich aber nur zwei Stücke. Nämlich die, die ich zumindest annäherungsweise kapiert habe.

Panayiotis Kokoras: Response; für Tonband

“Für Tonband” bedeutet nicht, dass da irgendwelche analogen Bänder abgespielt werden. Es bedeutet nur, dass das Stück nicht live vorgetragen sondern fertig abgespielt wird. Die Bezeichnung hat sich einfach seit den Anfängen der elektronischen Musik so gehalten.
Interessant war an dem Stück, dass alle verarbeiteten Klänge von einem Piano aufgenommen wurden. Die experimentelle Präparation des Instrumentes, wie sie schon seit 60 Jahren betrieben wird, bekommt durch die digitale Verarbeitung und den Raumklang gleich mehrere Dimensionen dazu. Als Klavierspieler hört man das Stück immer mit der Frage, wie und mit welcher Technik ein bestimmter Klang dieser impulsiven Zusammenstellung ursprünglich auf dem Piano erzeugt wurde. Gewöhnliche Klänge gibt es nicht. Das Zupfen und Anschlagen lässt sich hinter den digitalen Effekten und dem Raumklang teils nur noch erahnen. Mir hat das Stück recht gut gefallen (wohl weil es auch nicht zu lange war). Es lädt regelrecht dazu ein, selbst mal ein wenig mit dem Pianoklang herumzuspielen. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass der Komponist sich stellenweise auch eher von seinem Spieltrieb leiten ließ.
Besonders interessant finde ich, wie sich der Charakter des Klangs verändert, wenn man nur die ersten Bruchteile einer Sekunde davon wegnimmt. Ohne den Peak klingt es fast wie eine ausklingende Orgel. Wer würde dies noch als Piano erkennen?
[OGG] Manipulierter Piano-Klang
[OGG] Piano-Klang Original

Bildschirmfoto von Audacity
In der manipulierten Aufnahme wurde nur der markierte Bereich entfernt. (Um ein Klicken zu vermeiden gab’s noch eine kleine Einblendung)

Orm Finnendahl: Fälschung; für Streichquartett, Laptop, Tonband und Live-Elektronik

Interessant fand ich hier vor allem den unglaublichen Kontrast zwischen Konserve und Live, Elektronik und Mechanik, Ernst und Spaß sowie Westliche und Östliche Musik, den dieses Stück regelrecht vorführt. Ich will gar nicht den Versuch einer Beschreibung andeuten. Mir und auch dem lange applaudierendem Publikum hat es gefallen. Nicht zuletzt, weil man nicht nur erahnen konnte, was der Komponist wollte, sondern es nachvollziehen kann. Ein aktuelles Stück zu einer aktuellen Thematik. Einfach mal anhören!

Midi aus der Konsole

am 22. April 2006 über Linux-Audio

Midi-VerbindungenDie MIDI-Technologie ist sehr alt. Noch bevor man überhaupt daran dachte mit normalen PCs Musik zu machen lief die digitale Kommunikation zwischen den Elementen eines Tonstudios über den MIDI-Standard. Die wichtigste Eigenschaft von MIDI: Es werden nur ausschließlich Steuer- und Interpretationsinformationen verarbeitet. Darunter befindet sich nicht ein einziges Bit “Klang” im herkömmlichen Sinne. Zur Klangerzeugung braucht man immer noch herkömmliche Geräte. Wie steuert man die aber mit der guten alten Shell?
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Soundbrei, Gedränge und Schnitzel für 15€

am 1. April 2006 über Musik

Ich war auf der Musikmesse in Frankfurt. Wegen den verlockenden 11€ Eintritt für Studenten leider heute am Samstag, wie zigtausend andere auch. Wahnsinnig große Sensationen gibt es keine - ein paar Highlights blieben aber schon.

Mogg Little Phatty
Moog bringt einen neuen Synthesizer auf den Markt. Little Phatty™ heißt das gute Stück und ist komplett analog. Wirklich neu ist das wahrlich nicht - aber zum ersten Mal ist mit rund 1000€ ein Synthie mit einem “Moog”-Aufkleber drauf zumindest halbwegs erschwinglich. Komplett analog heißt, dass der Klang nach alter Schule durch Manipulation des Stromflusses erzeugt wird. Dadurch ist der Klang deutlich lebendiger und indeterministischer als bei den digitalen Kisten.

Hammond hat sich wohl komplett von der Rock- und Popwelt verabschiedet. Die viel zu teuren neuen Clonewheels richten sich dem Messestand zu urteilen eher an jene wohlbetuchten Leute, die sich so ein Teil als Zierde ins Wohnzimmer stellen oder darauf irgendwelche Happy-Style-Mucke spielen. Kein bisschen Overdrive, kein typisches Jon-Lord-Fauchen war den Orgeln zu entlocken - trotz Röhrenamp. Da sind inzwischen die zahlreichen Kopien besser als das Original geworden.

Clavia hat das Nord Stage auch in einer Version mit 76 Tasten herausgebracht. Alles ist gleich wie beim 88er. Der Preis ist nur unwesentlich günstiger. Das Board lohnt sich also nur zum Platz sparen. Ansonsten ist das 88er die bessere Wahl. Der Preis liegt zwischen 900 und 1300$.

CME VX
Die chinesische Duchstarter-Firma CME bringt unter der Modellbezeichnung VX gleich eine ganze Reihe von neuen Masterkeyboards/Controllern auf den Markt. Es gibt Versionen mit 49, 61, 76 und 88 Tasten - für jeden Bedarf das richtige. Das Board selbst kann keine Töne erzeugen - die kommen vom Rack oder vom PC. Damit das aber klappt, ist die Kiste gleichzeitig auch noch ein MIDI-Interface, eine Audio-Karte und ein USB-Hub. Man stöpselt also das Board per USB an den Rechner und kann loslegen. Es gibt Knöpfe zum Steuern des Sequenzers, Drehregler für die Effekte - und das Beste: motorisierte Fader! Die Fader-Regler laufen also “in echt” an der Hardware mit der Automation im Sequenzer mit. Durch seinen Aluminium-Korpus ist das Board auch auf der Bühne gut zu gebrauchen. Der Anschlag ist bei den kleinen Versionen mit einer Waterfall-Tastatur vergleichbar, der 88er hat eine ungewichtete Hammertastatur.

Positiv überrascht war ich von den Flügeln der italienischen Marke FAZIOLI. Die Preise liegen im Bereich eines Oberklassewagens, was die Flügel für Privatpersonen unbezahlbar macht. Trotzdem oder gerade deshalb hat mich die Qualität sehr überrascht. Normalerweise gilt Steinway als Non-Plus-Ultra, doch die nur 10 Jahre alte Manufaktur FAZIOLI muss den Vergleich nicht scheuen. Meiner Meinung nach sind die Italiener sogar besser: Die Bässe sind deutlich satter und sind stets noch in ihrer Tonhöhe gut wahrnehmbar. Dasselbe gilt für die Höhen. Der Anschlag war angenehm gewöhnlich - so, als hätte man noch nie ein anderes Klavier gespielt. Den Namen FAZIOLI muss man sich auf jeden Fall merken!


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M. Herhoffer