Soundbrei, Gedränge und Schnitzel für 15€
Ich war auf der Musikmesse in Frankfurt. Wegen den verlockenden 11€ Eintritt für Studenten leider heute am Samstag, wie zigtausend andere auch. Wahnsinnig große Sensationen gibt es keine - ein paar Highlights blieben aber schon.

Moog bringt einen neuen Synthesizer auf den Markt. Little Phatty™ heißt das gute Stück und ist komplett analog. Wirklich neu ist das wahrlich nicht - aber zum ersten Mal ist mit rund 1000€ ein Synthie mit einem “Moog”-Aufkleber drauf zumindest halbwegs erschwinglich. Komplett analog heißt, dass der Klang nach alter Schule durch Manipulation des Stromflusses erzeugt wird. Dadurch ist der Klang deutlich lebendiger und
Hammond hat sich wohl komplett von der Rock- und Popwelt verabschiedet. Die viel zu teuren neuen Clonewheels richten sich dem Messestand zu urteilen eher an jene wohlbetuchten Leute, die sich so ein Teil als Zierde ins Wohnzimmer stellen oder darauf irgendwelche Happy-Style-Mucke spielen. Kein bisschen Overdrive, kein typisches Jon-Lord-Fauchen war den Orgeln zu entlocken - trotz Röhrenamp. Da sind inzwischen die zahlreichen Kopien besser als das Original geworden.
Clavia hat das Nord Stage auch in einer Version mit 76 Tasten herausgebracht. Alles ist gleich wie beim 88er. Der Preis ist nur unwesentlich günstiger. Das Board lohnt sich also nur zum Platz sparen. Ansonsten ist das 88er die bessere Wahl. Der Preis liegt zwischen 900 und 1300$.

Die chinesische Duchstarter-Firma CME bringt unter der Modellbezeichnung VX gleich eine ganze Reihe von neuen Masterkeyboards/Controllern auf den Markt. Es gibt Versionen mit 49, 61, 76 und 88 Tasten - für jeden Bedarf das richtige. Das Board selbst kann keine Töne erzeugen - die kommen vom Rack oder vom PC. Damit das aber klappt, ist die Kiste gleichzeitig auch noch ein MIDI-Interface, eine Audio-Karte und ein USB-Hub. Man stöpselt also das Board per USB an den Rechner und kann loslegen. Es gibt Knöpfe zum Steuern des Sequenzers, Drehregler für die Effekte - und das Beste: motorisierte Fader! Die Fader-Regler laufen also “in echt” an der Hardware mit der Automation im Sequenzer mit. Durch seinen Aluminium-Korpus ist das Board auch auf der Bühne gut zu gebrauchen. Der Anschlag ist bei den kleinen Versionen mit einer Waterfall-Tastatur vergleichbar, der 88er hat eine ungewichtete Hammertastatur.
Positiv überrascht war ich von den Flügeln der italienischen Marke FAZIOLI. Die Preise liegen im Bereich eines Oberklassewagens, was die Flügel für Privatpersonen unbezahlbar macht. Trotzdem oder gerade deshalb hat mich die Qualität sehr überrascht. Normalerweise gilt Steinway als Non-Plus-Ultra, doch die nur 10 Jahre alte Manufaktur FAZIOLI muss den Vergleich nicht scheuen. Meiner Meinung nach sind die Italiener sogar besser: Die Bässe sind deutlich satter und sind stets noch in ihrer Tonhöhe gut wahrnehmbar. Dasselbe gilt für die Höhen. Der Anschlag war angenehm gewöhnlich - so, als hätte man noch nie ein anderes Klavier gespielt. Den Namen FAZIOLI muss man sich auf jeden Fall merken!


20. April 2006 um 20:14
Hallo,
vielen Dank für Deinen kurzen aber informativen “Newsbericht” von der Frankfurter Musikmesse 2006.
29. März 2007 um 14:53
[...] Ich war wieder auf der Frankfurter Musikmesse. Dieses Mal wegen anderen Terminen nicht am studentenfreundlichen Samstag, sondern am 38 Euro teuren Fachbesuchertag. Gleich mal ein Tipp am Anfang: Die Dame an der Kasse ist angehalten, von jedem „Fachbesucher“ Name und Adresse samt Firma und Tätigkeitsbereich zu erfassen. Ein freundliches. aber bestimmtes „Ich wünsche nach der AGB der ‚Musikmesse‘ kein personalisiertes Ticket“ wird die Dame von jeglichen weiteren Fragen abhalten und beschleunigt als Nebeneffekt die Abfertigung ungemein. So musste ich nicht einmal meine Bestätigung vorzeigen, dass ich offiziell als Kirchenmusiker unterwegs bin. Als zweiter Tipp: Im Vorverkauf (der heißt so, weil er deutlich vor der Messe stattfindet) über das Internet kostet ein Ticket nur 22 Euro. Da an einem Fachbesuchertag die ganzen Kinder fehlen (die ohnehin in magischer Weise von den Ständen Marshall und ESP angezogen werden), waren die Gänge im Verhältnis recht leer. So konnte man sich relativ entspannt den Höhepunkten widmen: [...]