Abschlusskonzert der LAC

Am gestrigen Samstag ging mit einigen musikalischen Darbietungen die LAC im ZKM Karlsruhe zu Ende. Da mich das Elektro-Gejamme nicht die Bohne interessiert, hab ich mich zum Abschlusskonzert “Open Source Sounds” im legendären Kubus eingefunden. Das Programm sagt einem (bis auf ein paar bekannte Namen) erst mal wenig:

Panayiotis Kokoras: Response
Florian Zwissler: Doppelbrunn
Victor Lazzarini: Time-Lines Ia
Orm Finnendahl: Fälschung

Break

Ludger Bruemmer: Repetitions
MTG/Barcelona: reacTable

Erwähnenswert finde ich aber nur zwei Stücke. Nämlich die, die ich zumindest annäherungsweise kapiert habe.

Panayiotis Kokoras: Response; für Tonband

“Für Tonband” bedeutet nicht, dass da irgendwelche analogen Bänder abgespielt werden. Es bedeutet nur, dass das Stück nicht live vorgetragen sondern fertig abgespielt wird. Die Bezeichnung hat sich einfach seit den Anfängen der elektronischen Musik so gehalten.
Interessant war an dem Stück, dass alle verarbeiteten Klänge von einem Piano aufgenommen wurden. Die experimentelle Präparation des Instrumentes, wie sie schon seit 60 Jahren betrieben wird, bekommt durch die digitale Verarbeitung und den Raumklang gleich mehrere Dimensionen dazu. Als Klavierspieler hört man das Stück immer mit der Frage, wie und mit welcher Technik ein bestimmter Klang dieser impulsiven Zusammenstellung ursprünglich auf dem Piano erzeugt wurde. Gewöhnliche Klänge gibt es nicht. Das Zupfen und Anschlagen lässt sich hinter den digitalen Effekten und dem Raumklang teils nur noch erahnen. Mir hat das Stück recht gut gefallen (wohl weil es auch nicht zu lange war). Es lädt regelrecht dazu ein, selbst mal ein wenig mit dem Pianoklang herumzuspielen. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass der Komponist sich stellenweise auch eher von seinem Spieltrieb leiten ließ.
Besonders interessant finde ich, wie sich der Charakter des Klangs verändert, wenn man nur die ersten Bruchteile einer Sekunde davon wegnimmt. Ohne den Peak klingt es fast wie eine ausklingende Orgel. Wer würde dies noch als Piano erkennen?
[OGG] Manipulierter Piano-Klang
[OGG] Piano-Klang Original

Bildschirmfoto von Audacity
In der manipulierten Aufnahme wurde nur der markierte Bereich entfernt. (Um ein Klicken zu vermeiden gab’s noch eine kleine Einblendung)

Orm Finnendahl: Fälschung; für Streichquartett, Laptop, Tonband und Live-Elektronik

Interessant fand ich hier vor allem den unglaublichen Kontrast zwischen Konserve und Live, Elektronik und Mechanik, Ernst und Spaß sowie Westliche und Östliche Musik, den dieses Stück regelrecht vorführt. Ich will gar nicht den Versuch einer Beschreibung andeuten. Mir und auch dem lange applaudierendem Publikum hat es gefallen. Nicht zuletzt, weil man nicht nur erahnen konnte, was der Komponist wollte, sondern es nachvollziehen kann. Ein aktuelles Stück zu einer aktuellen Thematik. Einfach mal anhören!

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M. Herhoffer