Archiv für Mai 2006

Internet Explorer für alle!

am 26. Mai 2006 über Internet, Linux
Internet Explorer 6 auf Gentoo GNU/Linux

Die Welt ist unfair. Denn den Linux-Nutzern bleiben viele Besonderheiten der Windows-Welt verwehrt: Instabilität, Sicherheitslöcher, eingefrorene Fenster und die ganze weite Welt der Trojaner, Viren und Malware. Doch zumindest auf den Qualitätsbrowser “Internet Explorer” aus dem Hause Microsoft muss man jetzt nicht mehr verzichten. Der IE läuft unter Wine besser also so mach andere Software. Besonders einfach geht die Installation mit dem völlig automatisiertem Skript IEs4Linux. Gleich 3 Versionen (5, 5.5 und 6 SP1) werden installiert. Wer es manuell machen möchte findet zu jeder wichtigen Distribution ein passendes How-To. Ein Vorteil (?) der manuellen Installation ist der Media-Player 10, den man fakultativ gleich mit installieren kann. Jetzt freue ich mich schon auf den ersten Windows-Wurm!

Anhang vergessen

am 23. Mai 2006 über Internet

Allzuoft schaut mein Posteingang so aus:

00:02 Protokoll von heute Abend
00:04 Anhang vergessen

Damit das nicht mehr passiert, gibt es für Thunderbird eine Extension, die mit einem Popup vor einem vergessenen Anhang warnt. Das Programm druchsucht dazu den Text nach Wörtern wie “Anlage, Anhang, angehängt” und feuert beim Senden ohne die Anlage einen Warnhinweis ab. Die Filterwörter muss man selbst definieren, somit ist das Tool auch international einsetzbar:
Anhang-Erinnerer für Thunderbird

Lordi for Europe

am 22. Mai 2006 über Musik

Eigentlich ist das Euro- und Ethno-Pop-Gesülze des Grand Prix eine Zumutung für alle Musikliebhaber ohne Geschmacksverirrung. Doch diesmal hat Lordi gewonnen - vollkommen zu Recht. Die Hardrocker haben die Oberflächlichkeit dieser Veranstaltung vorgeführt und mit ihrem Auftreten die Anarchie gebracht, die dieser lächerlich hölzerne Wettbewerb dringend nötig hat. Lordi sind Außenseiter, die es geschafft haben - ganz ohne attraktive Sängerin und aalglatter Mainstream-Komposition. Auch die heutige taz hat das erkannt.
Wirklich beschissen ist aber, dass die “Bild” entgegen allen Bemühungen von Lordi heute Real-Fotos der Musiker ohne Maske veröffentlicht. Das hat keiner der Betroffenen erlaubt und das entmystifiziert das gesamte Image der Band. Hat da Bild etwa vergessen, dass für die gleiche Aktion mit der Band “KISS” eine andere Zeitung einst Millionen bezahlen musste?

The Arockalypse Get Heavy The Monsterican Dream
3 Mal Monster-Rock aus Finnland

Ein Grund warum Lordi gewinnen konnte liegt sicher auch an einer theoretischen Problemstellung, die hauptsächlich bei politischen Wahlen auftritt. Wenn es eine extreme Partei gibt und etwa 6 gemäßigte Parteien, dann wird die extreme Partei immer besser dastehen als die anderen. Denn die wenigen “Extremisten” im Wahlvolk werden alle die eine extreme Partei wählen, die gemäßigten Wähler verteilen sich aber auf alle anderen. So bekommt die eine extreme Partei die relative Mehrheit.

VST und Linux

am 1. Mai 2006 über Linux-Audio

Steinberg hat mit VST schon vor Jahren einen Plugin-Standard initiiert, mit dem man verschiedene Programme zum gemeinsamen Musizieren überreden kann. Der Standard ist zwar offen, aber proprietär und hat mit Linux-Audio so wenig zu tun wie die Office-Büroklammer mit vim. Doch Linux wäre nicht Linux, wenn es nicht für alle Probleme eine Lösung gäbe.

Bildschirmfoto von B4
Das VST-Instrument B4 II von Native Instruments unter Linux.

Das offene Derivat von VSTi nennt sich DSSI und ist sowas wie LADSPA für virtuelle Instrumente. Es versteht sich keineswegs als Konkurrenz zum Audio-Server JACK sondern ist vielmehr eine weitere Modularisierung des Konzeptes. Wie dem auch sei: Es gibt einen Wrapper für Windows-VSTs zu DSSI. Um das zum Laufen zu bringen, sollte man erstmal JACK und DSSI installieren. Beides sollte in einer halbwegs aktuellen Version in den Paketmanagern sein. Danach installiert man dssi-vst. Das wiederum braucht ein bisschen Code vom offiziellen Steinberg SDK. Den gibt es für registrierte Steinberg-Developer. Für das Prozedere, ein solcher zu werden und an die Dateien zu kommen, sollte man einige Stunden einplanen. Danach kopiert man den offiziellen SDK in einen Unterordner von dssi-vst, macht noch schnell make && make install und die Sache sollte funktionieren.
Jetzt müssen nur noch alle Beteiligten wissen, wo denn die Plugins im Dateisystem so herumliegen. Dazu setzt man noch zwei Variablen:
DSSI_PATH="/usr/local/lib/dssi"
VST_PATH="/usr/local/lib/vst"

Die DLL-Dateien der VST-Plugins müssen in VST_PATH liegen. In aller Regel kann man diese Dateien mit wine aus den Setup.exe der entsprechenden Programme extrahieren. Auch wenn die Installation abbricht liegen die Dateien meist in irgendeinem temporären Ordner.
Jetzt muss man das VST-Instrument mit dssi-vst wrappen und mit jack-dssi-host anbinden. Das geht in aller Regel so:
# jack-dssi-host dssi-vst.so:plugin.dll, wobei plugin.dll der Name des VST-Instrumentes ist.
Das VST-Instrument ist jetzt ein vollwertiges, jack-kompatibles, in DSSI gepacktes Programm.

Nicht alle VSTi laufen unter Linux. Manchmal liegt es an Wine, manchmal an dssi-vst und ganz oft am Kopierschutz der kommerziellen Programme. Es gibt aber eine nahezu komplette Kompatibilitätsliste.


Creative Commons-Lizenzvertrag
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
M. Herhoffer