VST und Linux

Steinberg hat mit VST schon vor Jahren einen Plugin-Standard initiiert, mit dem man verschiedene Programme zum gemeinsamen Musizieren überreden kann. Der Standard ist zwar offen, aber proprietär und hat mit Linux-Audio so wenig zu tun wie die Office-Büroklammer mit vim. Doch Linux wäre nicht Linux, wenn es nicht für alle Probleme eine Lösung gäbe.

Bildschirmfoto von B4
Das VST-Instrument B4 II von Native Instruments unter Linux.

Das offene Derivat von VSTi nennt sich DSSI und ist sowas wie LADSPA für virtuelle Instrumente. Es versteht sich keineswegs als Konkurrenz zum Audio-Server JACK sondern ist vielmehr eine weitere Modularisierung des Konzeptes. Wie dem auch sei: Es gibt einen Wrapper für Windows-VSTs zu DSSI. Um das zum Laufen zu bringen, sollte man erstmal JACK und DSSI installieren. Beides sollte in einer halbwegs aktuellen Version in den Paketmanagern sein. Danach installiert man dssi-vst. Das wiederum braucht ein bisschen Code vom offiziellen Steinberg SDK. Den gibt es für registrierte Steinberg-Developer. Für das Prozedere, ein solcher zu werden und an die Dateien zu kommen, sollte man einige Stunden einplanen. Danach kopiert man den offiziellen SDK in einen Unterordner von dssi-vst, macht noch schnell make && make install und die Sache sollte funktionieren.
Jetzt müssen nur noch alle Beteiligten wissen, wo denn die Plugins im Dateisystem so herumliegen. Dazu setzt man noch zwei Variablen:
DSSI_PATH="/usr/local/lib/dssi"
VST_PATH="/usr/local/lib/vst"

Die DLL-Dateien der VST-Plugins müssen in VST_PATH liegen. In aller Regel kann man diese Dateien mit wine aus den Setup.exe der entsprechenden Programme extrahieren. Auch wenn die Installation abbricht liegen die Dateien meist in irgendeinem temporären Ordner.
Jetzt muss man das VST-Instrument mit dssi-vst wrappen und mit jack-dssi-host anbinden. Das geht in aller Regel so:
# jack-dssi-host dssi-vst.so:plugin.dll, wobei plugin.dll der Name des VST-Instrumentes ist.
Das VST-Instrument ist jetzt ein vollwertiges, jack-kompatibles, in DSSI gepacktes Programm.

Nicht alle VSTi laufen unter Linux. Manchmal liegt es an Wine, manchmal an dssi-vst und ganz oft am Kopierschutz der kommerziellen Programme. Es gibt aber eine nahezu komplette Kompatibilitätsliste.

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M. Herhoffer