Archiv für Juli 2006

Komme was wolle

am 30. Juli 2006 über Webdesign

Wenn man in eine XHTML-Seite Bilder per CSS formatiert, sollte man zumindest ungefähr die Grafiken kennen deren Aussehen man gerade beschreibt. Beim TumbleLog auf dieser Seite kennt man die eingebetteten Grafiken im Voraus aber nicht. Vor allem die Bildbreite macht meinem beschaulichen Design mit 450 Pixel Breite für den Inhalt ab und an mal Probleme. Als Lösung gibt es aber die Eigenschaft max-width. Die macht genau das, was der Name verspricht: Mit img {max-width: 450px;} wird garantiert jede zu große Grafik auf 450 Pixel skaliert - natürlich stimmt auch das Verhältnis zur Höhe. Was der Browser letztenendes aber macht, wenn der Treshold überschritten wird steht so ziemlich im Dunkeln. Da hilft nur ausprobieren.

Im IE tut das alles natürlich nicht. Aber das interessiert ja eigenlich keinen.

Normale Musik

am 28. Juli 2006 über Linux, Linux-Audio, Musik

Melodie/Harmonik, Rhythmus und Dynamik sind nach Lehrbuch die Bestandteile von Musik. Die Musikindustrie hat aber irgendwie den letzten Punkt vergessen. Als Dynamik bezeichnet man die zeitliche Veränderung der Tonstärke. Und eigentlich ist dieser Punkt genauso wichtig wie alles andere auch. Die Toningenieure für populäre Musik haben das aber schon seit den 80ern irgendwie verlernt. Während man bei einer LP wegen des geringen Rauschabstandes lautstärkemäßig durchaus einheizen musste, ist das bei der Audio-CD mit einem Dynamikumfang von 96dB eigentlich nicht mehr nötig. Und trotzdem liegen die Pegel von nahezu jedem Album ständig in den oberen 10%.

Pegel im Vollausschlag
Pegel in den oberen 10 Prozent

Das rief dann die Ober-Wichtig-Menschen von der EU auf den Plan, die eine Richtlinie erließen um die Maximallautstärke von MP3-Playern zu beschränken. Das wurde inzwischen selbst bei alten Geräten durch Firmware”upgrades” rigoros durchgesetzt. Was, wenn man aber richtige Musik hören möchte? Klassik zum Beispiel. Bei Beethovenes Neunter ist der Solo-Bass eben deutlich leiser als der 300-Mann-Chor. Selbiges gilt auch für Rock. “Child in Time” hatte selbst beim LP-Mix eine unglaublich impulsive Lautstärkeentwicklung. Solche Tracks sind mit der Lautstärkendeckelung des MP3-Players einfach zu leise.

Ein Versuch zur Verbesserung dieses Zustandes ist das Normalisieren. Dabei werden zumindest die Pegel innerhalb eines Tracks angepasst. Das Tool normalize kann da ziemlich viel schrauben - mit manueller Konfiguration kann sogar der Treshold gesetzt werden. Für zu leise Tracks in der MP3-Sammlung lohnt sich das Tool allemal. Und für eine Mix-CD, bei der alle Tracks gefälligst gleich laut sein sollen ist es unabdingbar. Die Funktionen sind gut dokumentiert und Pakete gibt es auch für fast jede Distro. Wer die Konsole nicht mag kann sich normalize auch als XMMS-Plugin installieren.

Kompressor
Ein Kompressor verstärkt das Signal nicht linear

Auch wenn normalize nicht nach dem höchsten Pegel sondern nach dem Durchschnittswert normalisiert (also nach der Standardabweichung) - innerhalb eines Tracks bleiben die Pegel immer in der richtigen Relation. Daran was ändern kann nur ein Kompressor. Der bildet die Ausgabe dynamisch ab - je nach Eingabepegel. Zuerst werden die lauten Pegel abgedämpft, dann wird das ganze Signal verstärkt. Der ursprüngliche Sinn des Ganzen ist eigentlich ein spezielles Instrument beim Solo dominanter zu machen. Bei ganz hartnäckigen Pegel-Problemen in der MP3-Sammlung tut aber auch ein Kompressor gute Dienste. Audacity kann etwa über LADSPA einen Kompressor anwenden. Ein (oder auch zwei) Kompressoren sollten in jedem LADSPA-Paket der Distrubution mit drin sein.

Playlist

am 19. Juli 2006 über Musik

Playlist für diese Tage:

  • Atrocity - Cold Black Days
  • Blind Guardian - Under The Ice
  • Cradle Of Filth - Queen Of Winter, Throned
  • Fjoergyn - Des Winters Schmach
  • Lordi - It Snows in Hell
  • Luca Turilli - The Age Of Mystic Ice
  • Luca Turilli - Lord Of The Winter Snow
  • Luca Turilli - Angels Of The Winter Dawn
  • Luca Turilli - Throne Of Ice
  • Nargathrond - The Coldness Of Venus
  • Nightwish - Sleeping Sun
  • Radigost - Winter Dusk
  • Rhapsody - Rage Of The Winter
  • Rhapsody - Warrior Of Ice
  • Sonata Arctica - Winterheart’s Guilt
  • Stratovarius - The Land Of Ice And Snow
  • Trans Siberian Orchestra - Appalachian Snowfall
  • Trans Siberian Orchestra - The Snow Came Down
  • Wintersun - Winter Madness
  • Within Temptation - Ice Queen

Go for Tumble!

am 17. Juli 2006 über Informatk, Internet

Andi hat ein tolles Skript programmiert: Ein TumbleLog. Irgendjemand hat das Phänomen einmal so beschrieben:

“A tumblelog is a quick and dirty stream of consciousness, a bit like a remaindered links style linklog but with more than just links. They remind me of an older style of blogging, back when people did sites by hand, before Movable Type made post titles all but mandatory, blog entries turned into short magazine articles, and posts belonged to a conversation distributed throughout the entire blogosphere. Robot Wisdom and Bifurcated Rivets are two older style weblogs that feel very much like these tumblelogs with minimal commentary, little cross-blog chatter, the barest whiff of a finished published work, almost pure editing…really just a way to quickly publish the “stuff” that you run across every day on the web.”

Was das Skript so kann und wie es funktioniert hat Andi in einem eigenen Blogeintrag beschrieben: Ein Jabber-Bot lauscht 24/7 auf Nachrichten, sammelt alles was er mitbekommen und schreibt (je nach verwendetem Syntax) jede Nachricht als Element in einen Feed. Das Schöne an der Sache ist, dass mehrere Leute mit-tumblen können - sogar in gewisser Weise anonym. Das Tumblelog ist praktiziertes Chaos. Kein Zusammenhang, keine Kategorien, nicht einmal der Name des Autors. Zudem sind die Einträge vergänglich - nur 10 Stück werden gespeichert. Ein Archiv gibt es nicht.

Derzeit tumblen Andi und ich in dem Tumblelog. Vielleicht werden wir noch mehr. Hoffentlich so viele, dass sich das Log noch schneller ändert.

Zu lesen ist es bis jetzt dort und hier in meinem Blog.

The Artist Formerly Known As Rhapsody

am 15. Juli 2006 über Kritik, Musik

Lächerlich! Die Band Rhapsody musste wegen des so genannten Copyright ihren Namen ändern. Der Onlinedienst Rhapsody (kein Link!) hielt es für nötig, die seit 10 Jahren existierende Band zu diesem Schritt zu zwingen. Warum soll irgendjemand das Recht haben, eine 200 Jahre alte Bezeichnung exklusiv zu benutzen? Werden jetzt die Erben von Gershwin (”Rhapsody in Blue”) und die letzten Mitglieder von Queen (”Bohemian Rhapsody”) auch noch verklagt? Der Google-Test zeigt, dass bei “Rhapsody” die Lage vollkommen klar ist: Die Band ist bekannter und wird mehr rezipiert als die Firma.
Der neue Namen von Rhapsody ist übrigens “Rhapsody of fire“.

Rock?!?

am 15. Juli 2006 über Musik

Gestern war ich auf dem Gaffenberg Festival. Wie jedes Jahr herrschte eine recht lässige entspannte Stimmung und das Lining war extrem vielfältig. Besonders aufgefallen sind mir die aberhundert Digicams und Handys, mit denen ein Foto nach dem anderen geschossen wurde. Meine direkte Aufforderung an all diese Fotografen: Gebt die Bilder frei! Stellt sie unter eine freie Lizenz und bastelt die Fotos am Besten in ein gut funktionierendes Fotosystem wie flickr.com ein. Freie Fotos von Musikern sind extrem rar - die Firmen treiben einen riesigen Aufwand, um aus jedem Pixel Kapital zu schlagen. Wenn schon (rechtmäßiger Weise) alle Tonaufnahmen generell verboten sind - das Copyright für Konzertfotos liegt beim Fotograf, sofern Hinweisschilder nichts Gegenteiliges verlauten. Projekte wie Wikipedia, unkommerzielle Magazine und Webzines, aber auch Fanseiten und Devotionalia wie Wallpaper und Handybilder leben vom Bildmaterial halbwegs berühmter Leuten. Wenn jeder nur seine 10 besten Konzertfotos der Öffentlichkeit schenkt wären viele Probleme gelöst.

Revolverheld - Special Edition
Schlechte Musik - aber trotzdem kaufen, damit ich Provision bekomme

Was ich von der Band Revolverheld halten soll, weiß ich nicht. Sie waren sowas wie der “Headliner” am gestrigen Freitag. Die Band hat in gerade mal eineinhalb Stunden ihre 10 besten Songs alle ihre Songs gespielt. Die scheinen damit Erfolg zu haben, das Tokio-Hotel-Prinzip auf etwas anspruchsvollere und ältere Fans auszuweiten, trotzdem bleibt die Musik extrem kommerziell und weichgespült. Kein Gitarrensolo, kein Abweichen vom “Vers - Refrain - Vers - Refrain - Refrain”-System. Wirklich gut war nur der Techniker beim Soundcheck. Der hat auf allen Instrumenten, von Gitarre bis Cajon ein technisch einwandfreies Solo hingelegt.

Dimmu Borgir
Dimmu Borgir - Modische Trendsetter bei minderjährigen Mädchen

Nahezu schockiert hat mich das Selbstverständnis der Fangemeinde von Revolverheld. Diese meist weiblichen Leute gehen tatsächlich davon aus, dass sie als Revolverheld-Fan teil einer “harten” Rockszene sind. Was bitte soll die Pommesgabel bei Softrock? Warum tragen minderjährige Mädchen Nietenbänder und Ketten, noch schlimmer als die schlimmsten Black-Metal-Bands? Rock heißt für mich, dass die Instrumente und Gesang gleichberechtigt sind, dass ein gewisser Protest ausgedrückt wird, dass eine anti-bürgerliche Grundstimmung provoziert wird, dass die Songs zu Gunsten des künstlerischen Ausdrucks komplex und durchdacht sind und vor allem dass ein Personenkult zu Gunsten der Musik vermieden wird. Das alles war bei Revolverheld nicht der Fall.

Satire darf alles!

am 8. Juli 2006 über Kritik, Politik
Verbotenes Titanic Cover
Verboten!

Satire darf alles - auch geschmacklos sein. Ehrlich gesagt: Ich fand das Titelcover der Titanic selten so originell wie diesen Monat (naja, ein paar gute gibt es schon noch). Abgebildet ist der Politiker Kurt Beck - zusammen mit dem Slogan “Problembär außer Rand und Band - Knallt die Bestie ab”. Besonders witzig fand Kurt Beck das wohl nicht und hat den Titel per einstweiliger Verfügung verbieten lassen. Da es aber noch sowas wie Pressefreiheit gibt ist das ziemlich egal. Die Aboexemplare sind schon verschickt und die Hefte am Kiosk dürfen auch noch verkauft werden. Wo kämen wir hin, wenn Satire nicht mehr provozieren darf? Satire muss Grenzen überschreiten, sonst würde es keiner lesen. Die Frage nach Humor oder Nicht-Humor stellt sich in einem solchen Fall nicht. Da funktioniert die Neue Frankfurter Schule gottseidank etwas anders als der Humor der üblichen Diskounter-Lustigmänner wie Harald Schmidt und Co.


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M. Herhoffer