Archiv für Januar 2007

1337 mplayer

am 31. Januar 2007 über Linux, Linux-Audio, Musik

MPlayer LogoWer braucht schon eine hässliche GUI um Musik abzuspielen? Ich nicht. Darum läuft meine Musik in aller Regel mit mplayer - und zwar in der Kommandozeile. Einzig die Steuerung gestaltet sich manchmal etwas umständlich. Während sich Amarok und Co. gerne in Form kleiner Symbole auf allen Arbeitsplätzen schnell bedienen lassen, muss man zur Interaktion mit Mplayer stets in das passende Shell-Fenster wechseln. Doch Linux wäre nicht Linux, wenn sich dieses Problem nicht elegant hacken ließe.

Das Ziel: Mplayer soll, wenn einmal in irgendeiner Shell gestartet, über meine Multimediatasten an der Tastatur bedient werden können. Egal, welches Fenster gerade den Fokus hat.

Der modulare (und chaotische) Aufbau Mplayers erlaubt da eine Lösung: Zuerst muss man eine Schnittstelle schaffen, die die Befehle an Mplayer weitergibt. Ein FIFO bietet sich dafür an:

mkfifo ~/.mplayer/mplinput

Danach sollte man Mplayer sagen, dass es als zusätzlichen Eingabekanal diesen FIFO verwenden soll. Das geht sehr gut mit einem Eintrag in ‚/etc/mplayer‘ oder besser in ‚~/.mplayer/conf‘:

input=file=/home/benutzername/mplayer/mplinput

Die Variable ~ kann von Mplayer wohl nicht aufgelöst werden, darum muss der Pfad hart kodiert sein. Ab dem nächsten Start lauscht Mplayer also an der FIFO auf neue Befehle. Die werden elegant mit einem echo-Befehl dort hineingeschrieben:

echo "pause" > ~/.mplayer/mplinput
echo "pt_step 1" > ~/.mplayer/mplinput
echo "pt_step -1" > ~/.mplayer/mplinput

Der erste Eintrag pausiert die Musikausgabe, die beiden anderen springen ein Musikstück weiter oder zurück. Weitere Funktionen lassen sich durch intensive Lektüre der Man-Page mehr oder weniger schnell erraten.

Nun müssen diese Befehle noch auf Tastendruck ausgeführt werden. Wer wie ich spezielle Multimediatasten hat, wird vielleicht mit diesen Zeilen für ‚~/.Xmodmap‘ etwas anfangen können. Eigentlich sollte der Keycode standardisiert sein. Sowohl mein IBM Notebook als auch meine Cherry Tastatur bedienen sich jenen Zahlen für Sondertasten:

keycode 162 = XF86AudioPlay
keycode 164 = XF86AudioStop
keycode 144 = XF86AudioPrev
keycode 153 = XF86AudioNext
keycode 160 = XF86AudioMute
keycode 174 = XF86AudioLowerVolume
keycode 176 = XF86AudioRaiseVolume

Das binden der Tasten an die Befehle sollte am besten dem Windowmanager übertragen werden. Bei Fluxbox etwa müssen folgende Zeilen in ‚~/.fluxbox/keys‘ hinzugefügt werden:

None XF86AudioPlay :ExecCommand echo "pause" > ~/.mplayer/mplinput
None XF86AudioNext :ExecCommand echo "pt_step 1" > ~/.mplayer/mplinput
None XF86AudioPrev :ExecCommand echo "pt_step -1" > ~/.mplayer/mplinput

Wer zudem noch die globale Lautstärke von ALSA kontrollieren möchte, sollte sich ‚amixer‘ (nicht ‚alsamixer‘) anschauen. Die Bedienung gestaltet sich recht einfach.

Dann mach ich halt wenigstens deinen MBR kaputt

am 27. Januar 2007 über Linux, Software

Professionelle Software braucht manchmal unprofessionelle Betriebssysteme. Um meine Ideen, die sich in Form von mit Bleistift geschriebenen Noten auf Papier schon zu lange stapeln, in ein akustisches Kleid zu betten, kaufte(!) ich mir mein eigenes privates Sinfonieorchester in Form von Motu Symphonic Instruments. Mein Notebook, das ausschließlich für die mobile Klangerzeugung und -verarbeitung ausgelegt ist, beherbergt sowohl Windows XP als auch ein Gentoo Linux mit den RT-Kernelquellen des „pro-audio“ Overlays. Dort läuft die Software unter Windows eher schlecht als recht. Die Latenz ist zwar im Bereich des Erträglichen, mit mehr als drei Kanälen gleichzeitig hält das System aber nicht mit. Zum live spielen mit maximal zwei Händen à fünf Finger also ausreichend, für ein Arrangement mit Sequenzer aber nicht. Darum muss nun Windows auf meinen PC, der in Personalunion auch gleichzeitig mein Heimstudio ist und bisher ausschließlich mit Gentoo Linux läuft.
Also legte ich die Windows-XP-CD ein, wartete recht lange auf das Erkennen der Hardware, akzeptierte widerwillig die EULA und widmete mich dann der Formatierung meiner Platte. Das ging aber nicht. Windows XP kann wohl keine ext2-Partition in NTFS umwandeln. Es kann sie nicht einmal löschen. Genaugenommen kann der Setup gar nichts außer eine leere Partition mit NFTS verseuchen.

Nun galt es also das Setup abzubrechen, um mit geeignetem Programm den Ansprüche von Microsoft genüge zu werden. Wäre recht einfach gewesen, hätte der Setup nicht zu diesem Zeitpunkt schon den MBR überschrieben. Dieses Konzept erschließt sich mir leider nicht ganz: Warum wird der MBR überschrieben, bevor überhaupt nur ein einziges Byte auf die Platte kopiert wurde? Baut Microsoft zuerst den Wegweiser und dann die Stadt?

Wie dem auch sei: Reparieren war angesagt. Im Ermangeln einer Boot-Diskette oder Boot-CD musste ich wohl einen chroot ausführen. Hier nun eine kleine Liste für alle, die einmal Ähnliches tun müssen:

  1. LiveCD booten
  2. die Root-Partition der Festplatte mounten, etwa nach /mnt/root
  3. die Boot-Partition, sofern vorhanden, mounten; nach Konvention nach /mnt/root/boot
  4. das Proc-System mounten bzw. erstellen; das geht mit mount -t proc none /mnt/root/proc
  5. das Dev-System mounten bzw. verbinden; das geht mit mount -o bind /dev /mnt/gentoo/dev
  6. mit chroot /mnt/root die neue Umgebung betreten
  7. so ziemlich alles an Umgebungsvariablen aktualisieren; Gentoo macht da etc-update und source /etc/profile
  8. Dem neuen System sagen, was alles gemountet ist. Das geht mit /proc/mounts > /etc/mtab. Nachträglich alle Mountpoints der Live-CD aus /etc/mtab löschen
  9. grub-install /dev/hdx installiert Grub wieder dorthin wo es hingehört.

Ich hätte meine kostenlose Support-Anfrage, die ich vor Jahren zusammen mit der schicken Windows-XP-CD erworben habe, nutzen sollen. Alleine schon die 20 Minuten vergeudete Arbeitszeit eines Support-Sklaven hätte ich Microsoft gegönnt.

MP3 vs. OGG

am 25. Januar 2007 über Freiheit, Musik, Software

OGG/VORBISWenn heute eine Band Beispiel-Dateien ihrer Lieder ins Internet stellt, fällt die Wahl des passenden Formats nicht schwer: MP3 ist als Quasi-Standard die erste Wahl (von der Krankheit des proprietären „MySpace-Spielers“ über „Adobe Flash“ mal ganz abgesehen). Mit Crimson Moonlight fand ich zum ersten Mal eine Band, die das Wagnis eingeht, potentielle Käufer ihrer CDs mit dem OGG/Vorbis-Format zu verwirren. Zugegeben - dieses Statement gegen Kommerz und den „Mainstream“ wird in der relevanten Szene besser ankommen als jede noch so gute MP3-Datei. Trotzdem sollten man sich aber ein Exempel daran nehmen!

OGG/Vorbis ist ein quelloffener, patentfreier, kostenloser Audio-Codec, der angesichts seines jungen Alters - ganze 6 Jahre älter als das Fraunhofersche MP3 - auch noch deutlich besser ist als seine patentierten Kollegen. Zum einen schleppt er keinen DRM-Rucksack mit wie WMA und Apple iTunes, zum anderen ist schlichtweg der Algorithmus besser. Nicht nur subjektiv hörbar, sondern auch mathematisch beweisbar oder zumindest messbar. Es ist nahezu unmöglich, akustische Artefakte in einem 128kbps Vorbis-Klang zu erkennen. Bei MP3 ohne VBR dürfte das selbst einem Laien gelingen. Zudem gibt es bei MP3 immer wieder Lizenzansprüche seitens seiner Erfinder. Ob zu Recht oder nicht sei dahingestellt - es nervt einfach, für den kommerziellen Einsatz von MP3-Encodern bezahlen zu müssen. Nur mit juristischen Tricks konnte der freie Encoder LAME noch nicht juristisch angegriffen werden.

Nur durchgesetzt hat er sich nicht. Wahrscheinlich hat die Musik-Lobby was dagegen. Oder die großen Software-Hersteller. Am Benutzer wird es nicht liegen. So schnell sich der Pöbel an WMV und rm gewöhnt hat, würde er auch Vorbis akzeptieren können.

Darum mein bescheidener Aufruf: Vergesst MP3 und wechselt zu Vorbis. Mit Rockbox kann man sogar seinen Hardware-MP3-Spieler entgegen aller Marktmacht seines Herstellers mit Vorbis nachrüsten.

Beryl produktiv

am 17. Januar 2007 über Linux, Software

Seit nunmehr fast 4 Monaten verwende ich Beryl/Emerald auf meinem mobilen Rechner. Jenseits von technischen Problemen (die leider immer noch recht dominant sind) möchte ich mich aber hier mit der generellen Idee eines 3D-Schreibtisch befassen. Bringt das Konzept wirkliche Vorteile? Erhöht es die Produktivität oder ist es nichts weiter als Süßigkeiten fürs Auge (konsequent Anglizismen zu vermeiden ist verdammt schwierig).

Brauchbare Ansätze

Mehrere Arbeitsoberflächen sind ein wesentlicher Vorteil der Linux-Desktops. Allerdings ist die Identifikation über Zahlen oder durch ein „endloses“ Band ein recht un-intuitives Konzept. Darum neigt der Benutzer dazu, immer gleiche Applikationen auf der immer gleichen Arbeitsoberfläche zu laden. Dank dieser Strategie findet man seine Anwendungen zwar recht schnell, man beschneidet sich aber in der Freiheit. Mit den 4 Seiten eines 3D-Würfels ist dies unnötig geworden. Dank der geometrischen, wenig abstrakten Anordnung im dreidimensionalen Raum findet man sich besser zurecht als im Zahlen-Wirrwarr von Fluxbox und Co. Die Drehbewegung ist geschmeidig und in der Geschwindigkeit variabel. Damit ist der Nervfaktor bedeutend reduziert.

Ein weiteres Plus ist das angeblich von Mac OS X geklaute „Exposé“. Diese Funktion verkleinert bei Tastendruck alle Fenster, um sie dann übersichtlich und geordnet auf einer Oberfläche zu präsentieren. Ein Klick auf eines der Fenster aktiviert dieses und holt es in den Vordergrund. Auch wenn es kompliziert und umständlich klingt - dieses Konzept ist deutlich schneller und besser als die antiquierte Taskleiste. Während bei einer Taskleiste die Identifikation über das Icon oder gar nur über den Fensternamen erfolgen muss, kann die Exposé-Funktion das Fenster so darstellen, wie es ist. Besonders bei Anwendungen wie GIMP oder Ardour, die schon beim Starten zig Fenster öffnen, stellt diese Funktion eine unglaubliche Steigerung der Produktivtät dar. Während man sonst verloren und hilflos die Fenster durchklickt, findet man dank dem Exposé-Klon alles innerhalb von Millisekunden. Zudem bietet Beryl die Profifunktion, nur Fenster der aktiven Anwendung, der aktiven Oberfläche oder aller Oberflächen in die Exposé-Darstellung einzubeziehen. Mac OS X kann das nicht.

Sinnlos, unbrauchbar, fehlerhaft

Doch bei Weitem nicht alles hat seine Daseinsberechtigung im Umfeld produktiver Arbeit. Wer braucht eine dreisekündige Animation beim Minimieren eines Fensters? Ein Flirren und Zappeln beim Vergrößern eines Fensters? Oder brennende Fenster beim Schließen? Wassertropfen auf dem Bildschirm? Manchmal würde man sich wünschen, es wären weniger Spielkinder und mehr Ergonomie-Experten unter den Linux-Entwicklern. Oder wenigstens solche, die gute Dokus schreiben. Denn angesichts der Modularität von Beryl sollte es wohl nicht allzu schwer sein, sich selbst kleine Module zu schreiben - wenn denn nur die Doku vorhanden wäre. Und über deren Sinnhaftigkeit kann man dann selbst bestimmen.

Senkrecht von oben

am 17. Januar 2007 über Glaube, Musik

„Senkrecht von oben“ - so soll das Wort, also die Bibel, nach Ansicht vieler Leute wirken. Es bedürfe keiner Auslegung, keiner Erklärung, keiner Einführung. Ich halte diese Position für absoluten Mist; ich behaupte sogar, diese Position ist der Grund, warum es in vielen Kirchen heute so leer ausschaut.

Metal Bibel Schweden
Schwedische Ausgabe der
„Metal-Bibel“

Darum gibt es seit geraumer Zeit spezielle Bibelausgaben für spezielle Interessengrupen. Die bekanntesten dürften die Biker’s Bibel oder die Kicker Bibel sein. Beide Ausgaben bieten authentische, szenenorientiere Einführungen und Ausrichtungen. Vom Layout bis zur Bebilderung passt alles. Und auch und gerade die Metal-Szene braucht eine solche Bibel. In englisch und auf schwedisch gibt es sie schon. Auf deutsch noch nicht. Der Hänssler-Verlag „überlegt und prüft“ nach eigenen Angaben noch die Veröffentlichung. Meiner Meinung nach gibt es nichts zu überlegen. Keine andere Subkultur referenziert und rezipiert die Themen Glaube, Nicht-Glaube, Esoterik, Mystik und Spiritualität so sehr wie die Spielarten des Metal.

Damit man mal einen kleinen Einblick in die schwedische Ausgabe bekommt, hier ein kleines Filmchen mit Bildern aus dem Einführungs-Kapitel. Damit die Seite hier valide und performant bleibt, nur als Link


Creative Commons-Lizenzvertrag
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
M. Herhoffer