Beryl produktiv
Seit nunmehr fast 4 Monaten verwende ich Beryl/Emerald auf meinem mobilen Rechner. Jenseits von technischen Problemen (die leider immer noch recht dominant sind) möchte ich mich aber hier mit der generellen Idee eines 3D-Schreibtisch befassen. Bringt das Konzept wirkliche Vorteile? Erhöht es die Produktivität oder ist es nichts weiter als Süßigkeiten fürs Auge (konsequent Anglizismen zu vermeiden ist verdammt schwierig).
Brauchbare Ansätze
Mehrere Arbeitsoberflächen sind ein wesentlicher Vorteil der Linux-Desktops. Allerdings ist die Identifikation über Zahlen oder durch ein „endloses“ Band ein recht un-intuitives Konzept. Darum neigt der Benutzer dazu, immer gleiche Applikationen auf der immer gleichen Arbeitsoberfläche zu laden. Dank dieser Strategie findet man seine Anwendungen zwar recht schnell, man beschneidet sich aber in der Freiheit. Mit den 4 Seiten eines 3D-Würfels ist dies unnötig geworden. Dank der geometrischen, wenig abstrakten Anordnung im dreidimensionalen Raum findet man sich besser zurecht als im Zahlen-Wirrwarr von Fluxbox und Co. Die Drehbewegung ist geschmeidig und in der Geschwindigkeit variabel. Damit ist der Nervfaktor bedeutend reduziert.
Ein weiteres Plus ist das angeblich von Mac OS X geklaute „Exposé“. Diese Funktion verkleinert bei Tastendruck alle Fenster, um sie dann übersichtlich und geordnet auf einer Oberfläche zu präsentieren. Ein Klick auf eines der Fenster aktiviert dieses und holt es in den Vordergrund. Auch wenn es kompliziert und umständlich klingt - dieses Konzept ist deutlich schneller und besser als die antiquierte Taskleiste. Während bei einer Taskleiste die Identifikation über das Icon oder gar nur über den Fensternamen erfolgen muss, kann die Exposé-Funktion das Fenster so darstellen, wie es ist. Besonders bei Anwendungen wie GIMP oder Ardour, die schon beim Starten zig Fenster öffnen, stellt diese Funktion eine unglaubliche Steigerung der Produktivtät dar. Während man sonst verloren und hilflos die Fenster durchklickt, findet man dank dem Exposé-Klon alles innerhalb von Millisekunden. Zudem bietet Beryl die Profifunktion, nur Fenster der aktiven Anwendung, der aktiven Oberfläche oder aller Oberflächen in die Exposé-Darstellung einzubeziehen. Mac OS X kann das nicht.
Sinnlos, unbrauchbar, fehlerhaft
Doch bei Weitem nicht alles hat seine Daseinsberechtigung im Umfeld produktiver Arbeit. Wer braucht eine dreisekündige Animation beim Minimieren eines Fensters? Ein Flirren und Zappeln beim Vergrößern eines Fensters? Oder brennende Fenster beim Schließen? Wassertropfen auf dem Bildschirm? Manchmal würde man sich wünschen, es wären weniger Spielkinder und mehr Ergonomie-Experten unter den Linux-Entwicklern. Oder wenigstens solche, die gute Dokus schreiben. Denn angesichts der Modularität von Beryl sollte es wohl nicht allzu schwer sein, sich selbst kleine Module zu schreiben - wenn denn nur die Doku vorhanden wäre. Und über deren Sinnhaftigkeit kann man dann selbst bestimmen.


17. Januar 2007 um 23:57
> Mac OS X kann das nicht.
doch!
Systemeinstellungen -> Dashboard & Exposé -> Aktive Ecken -> Programmfenster
Schön wäre eine Standardkonfiguration, die auf Produktivität optimiert ist. Könntest Du Deine veröffentlichen? ‘Beryll produktiv’ bringt sicher viele Googlehupfe
18. Januar 2007 um 11:00
Ich hab mir auch schon überlegt, eine Beryl-Konfiguration mit “Spielzeug aus, Produktivität an” zu veröffentlichen. Allerdings variiert die Konfiguration mit jedem Versionssprung und ist letzten Endes abhängig von den installierten Modulen. Aber ich werds trotzdem mal versuchen. Da Beryl ja nicht mehr gconf verwendet, dürfte es leichter geworden sein.
18. Januar 2007 um 13:56
Ich hab mir auch Beryl vor kurzem draufgemacht aber bei mir hängt sich hin und wieder der Desktop auf und da kann ich auch genau so gut Windows nehmen
Ich find die Effekte ganz nett, aber brauchen tut die keiner, mir reicht das Compiz allein.
PS: Die Überschrift hat nen Buchstabendreher (Absicht?)
18. Januar 2007 um 18:42
Der Tippfehler war keine Absicht, obwohl er mir sicher einige Google-Treffer beschert hätte.
19. Januar 2007 um 15:50
> Mac OS X kann das nicht.
Natuerlich kann es das! Was glaubst du von
wem es geklaut ist?
10. Mai 2007 um 17:29
Was imho wirklich die Produktivität steigern würde, wäre m.E. z.B. freies Skalieren von Fenstern (dann kann ich sie einfach mal auf 5cm² verkleinern und in die Ecke schieben). Ich warte ja noch, bis diese “3d-Bewegung” sowas anbietet. Denn wie du schon richtig bemerkst, sind ja einige Features durchaus brauchbar.
Grüße,
Sven