Musikmesse

Ich war wieder auf der Frankfurter Musikmesse. Dieses Mal wegen anderen Terminen nicht am studentenfreundlichen Samstag, sondern am 38 Euro teuren Fachbesuchertag. Gleich mal ein Tipp am Anfang: Die Dame an der Kasse ist angehalten, von jedem „Fachbesucher“ Name und Adresse samt Firma und Tätigkeitsbereich zu erfassen. Ein freundliches. aber bestimmtes „Ich wünsche nach der AGB der ‚Musikmesse‘ kein personalisiertes Ticket“ wird die Dame von jeglichen weiteren Fragen abhalten und beschleunigt als Nebeneffekt die Abfertigung ungemein. So musste ich nicht einmal meine Bestätigung vorzeigen, dass ich offiziell als Kirchenmusiker unterwegs bin. Als zweiter Tipp: Im Vorverkauf (der heißt so, weil er deutlich vor der Messe stattfindet) über das Internet kostet ein Ticket nur 22 Euro. Das hätte man vorher aber wissen müssen.

Ein Vorteil hat der Mittwoch aber: Da an einem Fachbesuchertag die ganzen Kinder mit T-Shirts von „Children of Bodom“ fehlen (die ohnehin in magischer Weise von den Ständen Marshall und ESP angezogen werden), waren die Gänge im Verhältnis recht leer. So konnte man sich relativ entspannt den Höhepunkten widmen:

Nomen est Omen

Den letzten Gastspielvertrag einer Band, den ich lesen durfte, verbot der Backline den Einsatz von Produkten der Firma „Behringer“. Und recht haben sie. Behringer ist der ALDI in der Musikbranche, allerdings ist die Qualität der Produkte noch mal eine Etage tiefer als vom Diskounter-Einzelhandel gewohnt. Exemplarisch möchte ich die „Eurogrand“-Reihe erwähnen. Der „Eurogrand“ ist ein E-Piano, welches zu äußerst geringen Preisen verschachter wird. Und das zu recht: Ich habe ehrlich auf noch keinem schlechteren Instrument gespielt. Rockshop und Thomann haben recht, wenn sie das Produkt nicht im Sortiment haben. Das penetrante und undiffernzierte „Plonk“ des Pianoklanges klingt wie ein Casio-Spielzeug aus den tiefsten 80ern. Auch die anderen Klänge unterscheiden sich nicht sonderlich von einer reinen Sinuskurve. Alleine der Anschlag und das Gehäuse sind halbwegs okay. Wenn man also mal ein günstiges Masterkeyboard mit 88er Hammermechanik braucht: MIDI-Kabel anstöpseln, Lautstärke auf 0 drehen, Lautstärkeregler abbrechen und wegwerfen.

FCB1010
Behringer FCB1010

Doch ein Produkt der Firma ist interessant – und auch ein Kassenschlager geworden. Das Fußpedal FCB1010 wurde eigentlich entwickelt, um das hauseigenen Effektgerät „V-Amp“ für E-Gitarristen mit MIDI umschalten zu können. Allerdings haben auch die Keyboarder entdeckt, dass man damit auch ganz bequem die komplette Hardware auf der Bühne bedienen kann. 12 Taster und 2 Schweller lassen eine unglaubliche Flexibilität zu. Doch auch hier ist die Produktqualität etwas zwiespältig. Das Plastik gibt schon bei leichtem Druck nach und die Bedienführung über ein dreistelliges Display lässt zu wünschen übrig. Eine Alternative gibt es aber auch von anderen Herstellern nicht. Das FCB1010 ist in seiner Form einzigartig auf dem Markt. In diesem speziellen Fall würde ich mir wünschen, dass Behringer dieses Produkt verbessert und dann auch meinetwegen zu einem höheren Preis verkauft.

Fette Streicher?

Motif XS
Yamaha Motif XS 8

Der neue Yamaha Motif XS feierte auf der Musikmesse seine Premiere. Netterweise hatte Yamaha etwa 20 Geräte mitgebracht. Dummerweise haben sie aber jeweils 3 Geräte übereinander positioniert, sodass man zum Antesten gleich drei Modelle blockiert hat. So musste man also nicht ganz unbedeutend lange warten.

Ich besitze ein Motif Rack und hatte gehofft, dass das neue große farbige Display des XS die Bedienführung etwas vereinfacht. Das tut es aber nicht. Ich bilde mir ein, technisch begabt zu sein. Mit den einzelnen Modi, den vielen Tasten mit doppelter und dreifacher Belegung und der tiefen Menüstruktur ist sicherlich jeder kreativ arbeitende Mensch überfordert. Meine Frage an einen Yamaha-Mitarbeiter nach „fetten Streichern“ wurde mit etwa 5 Tasten samt Einsatz von „Shift“ und Datenrad beantwortet. Das macht auf der Bühne keinen Spaß.

Dafür das Spielen aber umso mehr. Die Presets an Orchestern und sinfonischem Gedöhns (nur das interessiert mich wirklich) waren tatsächlich rund und sehr intuitiv spielbar. An den Klang einer Sampling-Software kommen sie freilich nicht ran, zum live spielen sind sie aber bestens geeignet. Ob nun die Samples oder die Programmierung der Multis im Vergleich zum Vorgänger besser wurde, kann man nicht sagen. Die verschiedenen Split- und Velocitylayers waren aber rundum sinnvoll und gut zu spielen. Für ein synthetisches Orchester auf der Bühne wäre der Motif XS sicherlich nicht ungeeignet. Allerdings liegt der Schwerpunkt ganz eindeutig auf Pianos, Orgeln und jeder Menge Synths.

Nebenbei: Vielleicht sollte man Yamaha mal sagen, dass der perkussive Klick einer B3-Orgel monophon ist. Nur das relativ leise Klicken beim Einlösen der Tastaturkontakte ist polyphon. Seit 10 Jahren machen sie das in allen Instrumenten konsequent falsch.

Vintage

Clavia C1
Clavia Nord C1 Combo Organ

Nach dem Nord Elektro und dem Nord Stage hat Clavia nun eine gänzlich stilechte virtuell-analoge Vintage-Orgel auf den Markt gebracht. C1 heißt das Modell und ist in seiner Bauart und dem Spielgefühl (im Gegensatz zum Stage und Elektro) einer B3 so weit als möglich nachempfunden. Sogar der Hebel für die Rotary-Steuerung und ein siebenpoliger Anschluss für ein echtes Leslie-Kabinett sind vorhanden. Ich habe selbst lange Zeit auf einer echten Hammond samt Leslie gespielt und kann im Spielgefühl wirklich keinen Unterschied erkennen. Der Anschalg der Waterfall-Tasten, die Anordnung und selbst die Abmaßung ist komplett originalgetreu. Einzig die Zugriegel lassen sich nicht ganz so griffig bedienen wie bei einer echten Hammond. Dafür bietet die Steuerung aber „Total Recall“. Leider war das einzige Demogerät an einen echten Leslie angeschlossen, sodass man sich kein Bild von der Amp-Simulation machen konnte. Wenn sie aber mindestens genauso gut wie in meinem Nord Stage ist, dann ist die C1 ein rundum gelungenes Produkt für den klassischen Orgler auf der Bühne und im Studio. Und wenn es doch kein echtes Leslie sein kann oder muss, dann sollte man sich mal die neuen Röhrenerstärker für Keyboarder von Traynor anschauen.

In echt!

Während ich letztes Jahr über die unbezahlbaren Flügel von Fazioli berichtet habe, nun das andere Ende der Preisskala: Der chinesische Hersteller „Nordiska“ baut Pianos, die im Gegensatz zu manch anderen Produkten aus China tatsächlich sehr gut klingen und nicht nur eine schlechte Kopie der Yamaha-Klaviere sind. Besonders gefallen hat mir die „Vision Series“. Das Design und der Klang richtet sich in erster Linie an den unseriösen Teil der Klavierspieler (da zähle ich mich mal dazu). Mit „Stoßstangen“ aus Metall und dem futuristischen Design in Rot, Schwarz und Glas, aber auch mit dem hellen, harten und kernigen Klang passt die Serie bestens in Kneipen, in Jazz-Clubs oder auf die Bühne einer extravaganten Rockband. Erhältlich ist ein Stutzflügel für unter 25.000€ und ein Upright mit noch unbekanntem Preis.

Eine Antwort auf “Musikmesse”

  1. Tobias meint:

    Mit der Qualität von Behringerprodukten hast du schon recht…
    Aber die Endstufen von Behringer kann ich weiterempfehlen,
    ganz im Gegensatz zu den Mischpulten…

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M. Herhoffer