Wenn er doch endlich tot wäre…

Ich meine den Holzmichl. Diese Ausgeburt des anti-kulturellen Bierzeltbesäufnisses ist ein guter Stellvertreter für die „Kultur“, die mich hier im ländlichen weil südlichen Deutschland umgibt. Und ich bin mir sicher, dass das woanders – auch in Großstädten – nicht besser ausschaut. Die Sozialisation vieler (wenn nicht gar mit vernachlässigbarer Abweichung aller) Deutschen ist im Wesentlichen von kultureller Gleichgültigkeit geprägt. Es geht hier nicht um das übliche Gezeter mit „Geht ins Theater!“ oder „Besucht ein Sinfoniekonzert!“. Das wäre engstirnig und höchstgradig konservativ.

Es ist noch schlimmer: Die Leute interessieren sich nicht einmal für Kultur und Subkultur, wenn sie innerhalb ihrer „Peergroup“ und innerhalb ihres direkten lokalen und sozialen Umfeldes stattfindet. Eine „Böhse-Onkelz-Party“, wie sie wöchentlich auf Werbezetteln unter meines Autos Scheibenwischer beworben wird, zieht um ein Vielfaches mehr Besucher als die beste Rockband im gemütlichen (und günstigen) Rockclub. Coverbands, die sich mit Wolfgang Petry’schem Geblöke und MIDI-Gekleister vom Band in einem Bierzelt profilieren, bekommen nachweislich um den Faktor Zehn mehr Gage als eine Jazzband mit studierten Musikern und eigenen Songs. Künstler, die keine Musik machen, dürfen bei der derzeitigen Kulturlandschaft erst gar nicht ihr Haus verlassen.

Was ist also zu tun?

Man muss die Leute erziehen. Behutsam und nachhaltig. Man muss ihnen sagen, dass die Onkelz, ganz gleich welchen dementierenden Stuss sie jemals von sich gaben, eine primitive Nazi-Combo waren. Man muss den Leuten klarmachen, dass es Musik gibt, die man sich nicht schöntrinken muss. Man muss zeigen, dass auch Künstler, die sich nicht für die Medien prostituieren, gute Musik machen. Man muss die lokale Szene auch lokal an den Mann bringen. Und man muss das nicht nur fordern, sondern auch tun.

Daher gibt es seit letzter Woche den Verein „Kulturwerk Orange e.V.“. Ich bin Gründungsmitglied und zweiter Vorsitzender. Geführt und getragen wird dieser gemeinnützige Verein von Leuten, die genau so denken wie ich. Das Konzept ist einfach: Wir organisieren Kultur. Wir fördern die regionale Szene, und wenn es keine gibt, dann bauen wir eine auf.

Im Laufe der nächsten Tage werde ich die Internetseite http://kulturwerk-orange.de ans Netz nehmen. Hier gibt es keine Kompromisse. Svoe (Danke schon jetzt!) macht das Artwork, die Technik mache ich. Mit Web2.0, Verknüpfungen zu MySpace (das muss wohl sein), YouTube und FlickR, mit allerlei Spielereien mit RSS und XML und mit einer ziemlichen Portion Verrücktheit wollen wir versuchen, Kultur auch im Netz zu stiften.

Nachweislich gibt es hier Leser, die im Einzugsbereich von „Kulturwerk Orange“ leben: Werdet Mitglied!

Kulturwerk Orange Logo
Kulturwerk Orange e.V. kommt und (sub)kultiviert. Jung und dynamisch, vielfältig und offen möchte „Kulturwerk Orange e.V.“ Kultur und Subkultur in Schwaigern schaffen und gestalten.

8 Antworten auf “Wenn er doch endlich tot wäre…”

  1. Thomas meint:

    Gibt’s Mitgliedsausweise? Wenn ja, bin ich dabei :D

  2. d135-1r43 meint:

    Ja, gibt es. Auch T-Shirts, Buttons und gratis Bionade!

  3. die artwork meisterin meint:

    huhu hab dein blog gereadet danke das du mich erwähnst.
    gestern sind marcel und ich mit den geilen t shirts rumgelaufen.
    danke danke danke! bin mal gespannt wie’s alles so ankommt!

    gruß svoe

    homo hominis lupus (den spruch kennt wohl jeder, ich finde ihn aber trotzdem schoen -.o)

  4. d135-1r43 meint:

    Gruß zurück! Unsere erste Aktion war genial, das Publikum war begeistern, ebenso wir und die Bands. Die Abrechnung zeigte am Ende eine schwarze Zahl und wir sind sehr zufrieden. Dein Artwork wurde von allen in höchsten Tönen gelobt! Danke nochmal. Das ist mit keinen T-Shirt der Welt aufzuwiegen.

    Diliges amicum tuum sicut temet ipsum ego Dominus.

  5. Christian meint:

    Du wolltest mir mal nen Antrag schicken :-/ Wollte doch Gründungsmitglied sein ;)

    Und vorgestern hab ich diesen Artikel gelesen, und seit gestern hängt ein enkelz Plakat auf dem Parkplatz gegenüber meiner Wohnung :O

  6. d135-1r43 meint:

    Nunja, ich versuche schon seit geraumer Zeit, an Mitgliedsanträge zu kommen. Ich werde dies mal mit noch mehr Nachdruck tun.

  7. Thomas meint:

    T-Shirt und Ausweis haben will :)

  8. Torsten meint:

    Sehr geniale Sache^^ bei gelegenheit werde ich dir mal nen Hinweis auf den Verein den ich mit einer Freundin aufgebaut habe geben… Bisher der erste als gemeinnützig anerkannte Metal Kulturverein ;).
    Leider hatten wir jetzt eine längere Zwangspause, weil sich einfach nicht genug Leute beteiligt haben :/

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M. Herhoffer