Metallische Wohltätigkeit, Kinderschreck-Satanisten und Kommerz
am 2. Juni 2007 über Glaube, Kultur, Musik
- Die Single „Eva“ – als DRM-freier Download für 99c
Dass Nightwish nun doch noch eine neue Sängerin gefunden hat, verdient an dieser Stelle keine besondere Erwähnung. Was aber mit dem eingenommenen Geld durch die neue Single passiert, schon: Der Reinerlös der neuen Single „Eva“ auf dem deutschen Markt kommt dem Projekt „Arche“ zu Gute – eine Organisation die sich in Deutschland um die wachsende Anzahl verarmter Kinder und Jugendliche kümmert. Das an sich finde ich sehr lobenswert, dieser Aktion gebührt ungetrübter Respekt – zumal die Plattenfirma bei der prekären Marktlage das Geld sicherlich auch selbst gebrauchen könnte. Daher: Danke an Nightwish und Danke an Nuclear Blast!
Was mir aber nicht gefällt, ist das Umfeld, in dem die Aktion stattfindet. Als ich die Meldung auf der offiziellen Webseite von Nuclear Blast das erste Mal las, präsentierte sich mir ein zufällig ausgewählter Banner der Kinderschreck-Combo „Dimmu Borgir“ samt barbusiger babylonischer Hure und Pentagramm. Religiös beleidigt wird dadurch gewiss kein Christ, der sich mit der Metal-Szene auskennt – da ist man Schlimmeres gewohnt. Es relativiert aber solche Aktionen wie die Spende an die „Arche“ oder Slogans wie „Metal gegen Rechts“. Es zeigt, dass ein gänzlich oberflächliches, aber dennoch anti-christliches Selbstverständnis immer noch aktuell ist. Auch wenn man das im Grunde eigentlich gar nicht mehr will.
Der Metal übt sich per Definition stets in Toleranz. Jede politische Meinung wird akzeptiert, jede Religion respektiert. Doch der Satanismus beziehungsweise das propagierte „Anti-Christentum“ wird insbesondere von Bands wie „Dimmu Borgir“, „Cradle Of Filth“ sowie annektierten Combos für rein kommerzielle Zwecke missbraucht. Während man dem frühen Black Metal, zu dem auch „Dimmu Borgir“ zu cacophonen Zeiten gehört hat, noch eine gewisse revolutionäre Kraft attestieren muss, ist der jetzige Zustand zu einer Lachnummer geworden. Der „Mayhem“-Drummer Hellhammer (dessen Corpsepaint immer noch sitzt wie am ersten Tag), trommelt bei „Dimmu Borgir“ bei einer Majorband auf einem Majorlabel – wobei er seine Glaubwürdigkeit als böööser Black-Metaller sicherlich schon durch seinen Einsatz bei den christlichen „Antestor“ verbummelt hat. Verschmiertes Makeup auf der größten Bühne in Wacken, ein professionelles Video auf MTV: Der Satanismus wird zur Stilikone, zum Kinderschreck und zur reinen Provokation.
Satanismus, ebenso der Wotanismus, ist derzeit ein Zugpferd, mit dem man ohne Probleme den einen oder anderen Cent verdienen kann. Die Metal-Jugend verfällt der mystischen Oberfläche des martialischen Bösen – und gibt sich damit ab, dass es nichts weiter als eine Fassade ist. Böses Make-Up, ein paar Ketten, ein wenig Kunstblut – und ganz viel kitschige Klischee-Texte: Das alles scheint zu genügen, um ein abgegrenztes und abgrenzendes Image zu schaffen. Unter der Oberfläche ist nicht viel los. Wer einmal die Wikipedia-Artikel zu den diversen Themen des Satanismus (nein, keine Links an dieser Stelle!) liest, weiß mehr über das Thema, als ein Dimmu-Borgir-Fan aus allen Alben, allen Magazinen und allem Internet-Fan-Geschwurbel jemals aggregieren könnte.
Das christliche Kreuz lässt sich nicht so leicht kommerziell missbrauchen. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es keine kommerziellen christlichen Bands, wenngleich der Markt vor allem in Amerika randvoll mit Dollars steht. Und das ist auch gut so. Überlassen wir den Mammon der anderen Seite.


