Metallische Wohltätigkeit, Kinderschreck-Satanisten und Kommerz

- Die Single „Eva“ – als DRM-freier Download für 99c
Dass Nightwish nun doch noch eine neue Sängerin gefunden hat, verdient an dieser Stelle keine besondere Erwähnung. Was aber mit dem eingenommenen Geld durch die neue Single passiert, schon: Der Reinerlös der neuen Single „Eva“ auf dem deutschen Markt kommt dem Projekt „Arche“ zu Gute – eine Organisation die sich in Deutschland um die wachsende Anzahl verarmter Kinder und Jugendliche kümmert. Das an sich finde ich sehr lobenswert, dieser Aktion gebührt ungetrübter Respekt – zumal die Plattenfirma bei der prekären Marktlage das Geld sicherlich auch selbst gebrauchen könnte. Daher: Danke an Nightwish und Danke an Nuclear Blast!
Was mir aber nicht gefällt, ist das Umfeld, in dem die Aktion stattfindet. Als ich die Meldung auf der offiziellen Webseite von Nuclear Blast das erste Mal las, präsentierte sich mir ein zufällig ausgewählter Banner der Kinderschreck-Combo „Dimmu Borgir“ samt barbusiger babylonischer Hure und Pentagramm. Religiös beleidigt wird dadurch gewiss kein Christ, der sich mit der Metal-Szene auskennt – da ist man Schlimmeres gewohnt. Es relativiert aber solche Aktionen wie die Spende an die „Arche“ oder Slogans wie „Metal gegen Rechts“. Es zeigt, dass ein gänzlich oberflächliches, aber dennoch anti-christliches Selbstverständnis immer noch aktuell ist. Auch wenn man das im Grunde eigentlich gar nicht mehr will.
Der Metal übt sich per Definition stets in Toleranz. Jede politische Meinung wird akzeptiert, jede Religion respektiert. Doch der Satanismus beziehungsweise das propagierte „Anti-Christentum“ wird insbesondere von Bands wie „Dimmu Borgir“, „Cradle Of Filth“ sowie annektierten Combos für rein kommerzielle Zwecke missbraucht. Während man dem frühen Black Metal, zu dem auch „Dimmu Borgir“ zu cacophonen Zeiten gehört hat, noch eine gewisse revolutionäre Kraft attestieren muss, ist der jetzige Zustand zu einer Lachnummer geworden. Der „Mayhem“-Drummer Hellhammer (dessen Corpsepaint immer noch sitzt wie am ersten Tag), trommelt bei „Dimmu Borgir“ bei einer Majorband auf einem Majorlabel – wobei er seine Glaubwürdigkeit als böööser Black-Metaller sicherlich schon durch seinen Einsatz bei den christlichen „Antestor“ verbummelt hat. Verschmiertes Makeup auf der größten Bühne in Wacken, ein professionelles Video auf MTV: Der Satanismus wird zur Stilikone, zum Kinderschreck und zur reinen Provokation.
Satanismus, ebenso der Wotanismus, ist derzeit ein Zugpferd, mit dem man ohne Probleme den einen oder anderen Cent verdienen kann. Die Metal-Jugend verfällt der mystischen Oberfläche des martialischen Bösen – und gibt sich damit ab, dass es nichts weiter als eine Fassade ist. Böses Make-Up, ein paar Ketten, ein wenig Kunstblut – und ganz viel kitschige Klischee-Texte: Das alles scheint zu genügen, um ein abgegrenztes und abgrenzendes Image zu schaffen. Unter der Oberfläche ist nicht viel los. Wer einmal die Wikipedia-Artikel zu den diversen Themen des Satanismus (nein, keine Links an dieser Stelle!) liest, weiß mehr über das Thema, als ein Dimmu-Borgir-Fan aus allen Alben, allen Magazinen und allem Internet-Fan-Geschwurbel jemals aggregieren könnte.
Das christliche Kreuz lässt sich nicht so leicht kommerziell missbrauchen. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es keine kommerziellen christlichen Bands, wenngleich der Markt vor allem in Amerika randvoll mit Dollars steht. Und das ist auch gut so. Überlassen wir den Mammon der anderen Seite.



15. Juli 2007 um 22:07
Hallo
Ja der Black Metal wird kommerziel ausgenutzt, keine Frage. Aber Leute die sich ernsthaft mit BM auseinander setzen, heißen dieses nicht gerade gut, boikotieren solche Bands sogar.
“Das christliche Kreuz lässt sich nicht so leicht kommerziell missbrauchen.”
Ist das eins der lächerlichsten Aussagen die ich seit langem gelesen habe.
Wieviele tausende Leute laufen den mit einem Christen-Kreutz um den Hals, rum? An denen wird nichts verdient da sie auch nichts kosten. Die Kirche verdient sich auch dumm und dämlich, und das nicht gerade erst seit gestern (Wie “böse” Musik). Stichwort Ablassbriefe und auch die nicht zu verachtende Kirchensteuer, welche natürlich nicht mit dem riesigem Unrecht der Ablassbriefe gleich zusetzen ist.
Was finden sie außerdem so schlimm daran das Anti-Christliche Tonträger öffentlich verkauft werden? Es ist nicht so aufdringlich wie die fast wöchentlichen “Werbe-Heftchen” der lokalen Kirche.
M.f.G.
Bitte um Stellungnahme
16. Juli 2007 um 10:24
“Das christliche Kreuz lässt sich nicht so leicht kommerziell missbrauchen.�
Christliche Metal-Bands wie Antestor und Crimson Moonlight verkaufen deutlich mehr Platten als so manch eine kommerzielle sekuläre Black Metal Band. Zeig mir doch mal bitte, welcher Media Markt, welcher Saturn und welches EMP-Magazin die Platten solcher Künstler führt? Bis auf Stryper gab und gibt es keine christliche Band, die mit dem Christsein Profit schlägt. Und glaube mir: Der Markt dazu wäre wahrlich da.
Die Sache mit den Ablassbriefen muss man mir nicht erklären. Ich bin Protestant und wie du weißt waren die Ablassbriefe ein Grund, warum der Protestantismus entstanden ist. Mit der Kirchensteuer wird unter anderem die Entsorgung deiner fleischlichen Überreste, deine Pflege im hochbetagten Alter, Jugendarbeit, Entwicklungshilfe in der Dritten Welt sowie Kultur in Form von Kirchenkonzerten und Bauwerkserhaltung finanziert. Und es kommt noch besser: Ich zumindest frag die Jungs und Mädels, die in die Jugendarbeit meiner Gemeinde kommen, nicht danach, ob Mama und Papa ihre Kirchensteuer bezahlt haben. Niemand wird innerhalb der Kirche danach bewertet, wie viel Steuern er bezahlt.
Zudem sollte man Kirche nicht mit dem Christentum gleichsetzen. Das eine ist eine gewachsene Institution, das andere ein religiöses Weltbild.
Schlimm ist nicht, dass anti-christliche Tonträger verkauft werden. Schlimm ist, dass das „Anti-Christentum“ als kommerzielles Zugpferd dient.
16. Juli 2007 um 15:45
“Schlimm ist nicht, dass anti-christliche Tonträger verkauft werden. Schlimm ist, dass das „Anti-Christentum“ als kommerzielles Zugpferd dient.”
Stimme dir voll und ganz zu.
“Der Markt dazu wäre wahrlich da.”
Gerade dort verstehe ich nicht genau wie du es meinst, willst du sagen das Christentum soll auch kommerziel ausgenutzt werden ODER meinst du es ist Mist das eine religiöse Meinung überhaupt Kommerziel ausgenutzt wird?
22. Juli 2007 um 19:50
Moinsen
Wollte dir ein Kompliment machen für diesen super Text über dieses Anti-Christliche Gehabe in der BM Szene.
Kann dir da echt nur zustimmen!
Mfg Spy from the unblack tavern
5. September 2007 um 9:36
muss mich da spy’s meinung anschliessen. ist voll und ganz meine meinung.
@anti christ: “der markt” bezieht sich nicht auf das christentum sondern auf den christlichen metal!
gruss hellig usvart from the unblack tavern
31. Oktober 2007 um 5:19
Inwiefern relativiert ein Banner dieser Poserband Deiner Meinung nach den Slogan „Metal gegen Rechts“? Es besteht hier kein Zusammenhang!
31. Oktober 2007 um 11:55
Dann erinnere dich mal an Image, Texte und Interviews von Dimmu Borgir zu Zeiten, als Stormblast aktuell war und Cacophonous ihr Label. Zumindest ein ausgeprägter norwegischer Nationalismus lässt sich ohne Probleme erkennen.
20. Januar 2008 um 1:15
Scheiße, wieso entfiel mir das? Weil ich mich weniger für Dimmu Borgir interessiere? Weil es bei ihnen weniger in den Vordergrund geschoben wird als bei anderen Bands? Weil je nach Standpunkt ihrer Musik bzw. ihrer kommerziellen Ausrichtung mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird?
In Sachen Inkonsequenz und fragwürdige Artikel im Sortiment von Nuclear Blast (bezogen auf Label und Mailorder) hätte man neben Dimmu Borgir noch genug andere ranziehen können; aber lassen wir das an dieser Stelle, wir müssen das nicht weiterführen, es sei denn, Du siehst das anders.