Festivals
am 21. August 2007 über Kritik, Kultur, Musik, ReviewWas macht der gemeine Metaller, wenn es sich alle anderen Leute mit Cocktails am Karibikstrand gutgehen lassen? Richtig: Er steht auf matschigem Grund bei strömendem Regen zusammen mit tausenden Gleichgesinnten vor einer Bühne. Das nennt sich dann “Festival”. Ich war dieses Jahr auf zweien: Dem Party.San und dem Summer Breeze.
Reviews zu den Bands gibt es im Netz genug. Darum widme ich mich an dieser Stelle dem Drumherum: den Dixie-Klos, der Infrastruktur und der Organisation. Ich selbst genoss die Tage vollkommen Straight Edge. Darum ist mein Urteil ungetrübt.
Party.San
Ein verbindendes Wort ist sicherlich “Matsch”. Beim Party.San hat es ohne Unterlass geregnet, kaum eine Band war ohne unbarmherzige Regengüsse der härtesten Sorte zu genießen. Dementsprechend ungenießbar waren die äußeren Umstände: Man versank trotz Springerstiefel knietief im Matsch, Sturzbäche flossen durch unsere Zelte. Der Regen machte ein Befahren der Campingfläche nahezu unmöglich, weswegen auch der überlebenswichtige Dixieklo-Entleerer nicht mehr sein Ziel erreichen konnte. Welch undelikate Ausmaße dies annahm darf man sich selbst ausmalen. Letzen Endes war das Krisenmanagement jedoch hervorragend. An den letzten Tagen fuhr die lokale Landjugend mit PS-starken Minitreckern den Campingplatz ab, um festgefahrene Autos (die es reichlich gab) wieder auf festen Boden zu ziehen. Der ausgelegte Stroh sorgte nicht nur für ein paar Quadratmeter festen Stand, sondern auch für lustige Strohschlachten unter angetrunkenen Festivalbesuchern. Sehr angenehm waren die dezenten Ordner und Sicherheitskräfte. Nur beim Einlass in das Festivalgelände waren Leibesvisitationen angesagt. Niemand wollte mein Auto durchsuchen, keiner verbot das Benutzen der allgegenwärtigen Naturtoilette und trotzdem gab es keinerlei Probleme. Mir ist keine einzige Rangelei, kein Verletzter und kein schon gar keine Schlägerei aufgefallen. Das Party.San war offensichtlich nicht ausverkauft. Schön für die freie Sicht auf die Bühne, aber wohl schlecht für den Veranstalter. Darum: Nächstes Jahr hinfahren! Wenn das Wetter gut ist, ist das Party.San eine tolle Sache.
Summer Breeze
Das Summer Breeze ist ein Kaliber größer als das kleine Party.San. Der Anspruch ist ein Tick kommerzieller, das Publikum ist bunter (ja, man findet auf dem Summer Breeze auch Menschen mit partieller Bekleidung in unschwarz) und mehr Bands gibt es auch. Mit 60 Euro Eintritt ist das Loch im Geldbeutel aber auch deutlich größer. Das Wetter war perfekt, die Organisation nicht. Ein Wartestau von knapp 400 Metern benötigte dank Autodurchsuchungen auf höchster Terrorstufe eine knapp vierstündige Wartezeit. Viel zu wenige Sicherheitsmitarbeiter durchsuchten viel zu penibel viel zu gemütlich alle Autos. Das ist meiner Meinung nach nicht nur unnötig, sondern auch illegal. Doch nicht nur die Privatfaschisten machten ihre Arbeit, auch Jene in Grün nahmen es mit Alkohol- und Drogenkontrollen auf hochgradig unverschämten Ton sehr genau. Wildpinkler wurden selbst am Waldesrand auf unfreundliche Art belehrt, die Sicherheitsschleuse am Festivaleingang war langwierig, aber wenigstens freundlich. Zudem scheinen die Veranstalter das Wörtchen “ausverkauft” nicht zu kennen. Unser Zeltplatz war eigentlich als Parkplatz geplant. Ganz offensichtlich waren viel zu viele Besucher eingelassen worden, bevor der Laden dicht gemacht wurde. Sowohl für die Securities als auch für die Besucher sollte gelten: Weniger ist mehr.
Ein weiteres Manko: Betrat man das Festivalgelände, waren beide Bühnen zur linken Hand. Sehr ungeschickt, denn so ist das Prinzip “first come, first served” nur recht suboptimal umsetzbar. Alles drängte sich zur linken Seite, während rechts noch viel Platz war. Zudem war die kleinere Bühne genau im Weg zwischen großer Bühne und Ausgang. Während der ersten zehn Minuten im Set einer Band hatte man ersthafte Probleme, nicht vom Mob der Mainstage hinweggefegt zu werden. Die Anordnung der Bühnen muss definitiv überarbeitet werden.
Der Sound war okay, wenngleich nicht optimal. Ein wenig mehr Bass, ein wenig transparentere Höhen wären schön gewesen. Zudem trug der Wind recht viel Klang weg vom Publikum, was den Sound im Endeffekt zu leise machte.
Um aber dennoch ein Lob an das Summer Breeze loszuwerden: Jede noch so kleine Pfütze wurde sofort mit Schüttgut ausgetrocknet, sodass Partysan’sche Zustände sich erst gar nicht einschleichen konnten. Die Bandauswahl war perfekt, sogar die Aufteilung auf die verschiedenen Tage machte Sinn. Vielen Dank, dass die Metalcore-Bands am Ende des Festivals spielten. Das ermöglichte mir eine frühe und bequeme Heimreise.

