Archiv für September 2007

Metalfest

am 18. September 2007 über Glaube, Kritik, Musik, Review

In anderen Ländern ziehen die größten christlichen Rock-Festivals Abertausende an Besuchern. In Deutschland wohl nicht. Denn am letzten Samstag traf sich die recht übersichtliche christliche Metalszene im Dachboden des Takko-Marktes in der „Cross Music Hall“ im hessischen Bad Hersfeld zum einzigen und ergo größten christlichen Metalfestival mit dem klischeefreien Namen Metalfest. Ich war da, alleine schon das ist ein Grund für einen kleinen Konzertbericht.

A.W.A.S.

Gleich zu Beginn gab es Krach ohne Kompromisse. „Ardent War Against Satan“ machen ganz soliden Death-Metal im Windschatten von Mortification und Sacrificium. Solide gemacht mit reichlich Geknüppel und sehr gutem Growling, dazu eine recht authentische Performance. Das Cover von Mortifications „Scrolls Of The Meggiloth“ war ein stilvoller und äußerst klassischer Einstieg ins Metalfest. Wenngleich man leider sicher sein muss, dass A.W.A.S. besser gesungen hat als es Rowes Gesundheit derzeit zuließe. Alles in Allem wird A.W.A.S. sicher noch von sich hören lassen. Das deutsche Todesmetall ist in der Szene derzeit recht rar, da muss man einfach Erfolg haben. Wenn es dann mal soweit ist, muss die Band vielleicht auch nicht mehr neben mir in einer Turnhalle übernachten, sondern bekommt ein Hotel spendiert. Bis dahin können sie sich schon mal Luftmatratzen kaufen, die nicht platzen. (Mann oh Mann, ich hatte mich noch nie so erschrocken.)

The No Notes

Mit Rock’n’Roll Covern der sekulären Sorte – einschließlich nicht ganz passendem „Hell Ain’t a Bad Place To Be“ – erspielten die „No Notes“ als regionale Band die Gunst des inzwischen größer gewordenen Publikums. Guter Sound, sympatisches Auftreten und ganz offensichtlich reichlich Bühnenerfahrung konnten begeistern. Ob’s ins Programm reingepasst hat oder nicht, sei dahingestellt.

Essence Of Sorrow

Objektiv betrachtet ist die Schwedische Band Essence of Sorrow eine Newcomerband. Songwriter und Gitarrist ist aber einer jener Stars der Szene, der als Multistilist in jedem Genre und fast jeder Band zu finden ist: Jani Stefanovic. Mit Divinefire spielt er Symphonic Metal, mit Miseration brutalen Death Metal und mit Mehida macht er Stratovarius Konkurrenz. Zudem ist er auf “Veil of Remerberence” von Crimson Moonlight zu hören. Das Projekt Essence of Sorrow bietet soliden progressiven Metal, abwechslungsreich von hart bis ganz hart. Dass Stefanovics Gitarrenspiel dem Besten gehört, was der Abend zu bietet hatte, dürfte klar sein. Aber auch am Mikrofon stand ein äußerst selbstbewusster Christian Palin in äußerst selbstbewusstem Kostüm. Seine vokale Darbietung hatte selbst in höchsten tonalen Gefilden noch Studioqualität. Gehört hat man ihn aber nur selten. Denn so langsam wurde auffällig, dass der Sound nicht gar so gut war, wie er sein könnte. Das hat Essence Of Sorrow ein wenig geschadet.

Seventh Avenue

Seventh Avenue sind ein Klassiker der frommen Szene in Deutschland und allemal ein Erlebnis. Melodischer, recht eingängiger Heavy Metal ohne Schnickschnack, ein Sänger in Topform (auch wenn “Infinite King” ab und an in undefinierbare Höhen abdriftet) und sogar noch neues Material im Gepäck. Der Sound war nicht wirklich besser als bei Essence of Sorrow. Seventh Avenue war daran aber gewisse nicht schuld.

Bleibt zu hoffen, dass die Jungs für ihre neue Platte ein geeignetes Label finden. Alleine schon der Produzent Sascha Paeth (Epica, Rhapsody, Aina) sollte ein Garant dafür sein, dass das neue Album ein voller Erfolg wird. Und schon seit Jahren spiele ich mit dem Gedanken, die Jungs auf ein Konzert des hiesigen CVJMs einzuladen. Vielleicht wird da ja noch einmal was daraus …

Mad Max

Nunja, irgendwann hat jeder mal Hunger und irgendwann tun die Beine weh und irgendwann braucht man frische Luft. Um es kurz zu machen: Wir haben die Jungs verpasst, nur der letzte Song ist hängengeblieben. Und das war ein wirklich toller Worship-Song. Somit waren Mad Max neben Narnia die einzige Band, die ernsthaften Lobpreis betrieben.

Veni Domine

Mit den Schweden Veni Domine bekam der Gothic Metal eine Plattform. Epische Chöre (vom Band), progressive Einschläge und ein durch und durch charismatischer Sänger brachten eine doch recht ruhige Athmosphäre in das sonst von Headbangen und Pogo dominierte Konzert. Das Konzert war gleichzeitig die Veröffentlichung des neuen Album “Tongues”, weswegen Einiges an neuem Material vorgestellt wurde. Alles in allem ein sehr kurzweiliges Set, recht abwechslungsreich - aber auch komplex und teilweise schwer zu hören. Unvorbereitete Ohren hatten es teilweise schwer.

Narnia

Nachdem die Gitarrenverstärker durch Wände von Gitarrenverstärker ersetzt waren, enterte der Headliner die Bühne. Mit einer unglaublichen Energie startete mit “Into This Game” die Show von Narnia. Sänger Christian Rivel war in Höchstform, seine Stimme einwandfrei. Dazu noch eine unglaublich aktive Bühnenshow, Interaktion mit dem Publikum und eine gute Message. Rivel machte deutlich, warum und für wen er seine Musik macht. Ich kenne keine andere Band, die die christliche Botschaft so offen und direkt präsentiert wie Narnia. Hits wie “Long Live The King” und “Living Water”, aber auch die Ansprachen sind recht eindeutig. Mich würde echt mal interessieren, ob die reichlich vorhandenen Träger von “Dimmu Borgir” und “Cradle Of Filth”-Shirt von der Botschaft erreicht wurden.

Narnias Gitarrenspieler Carl Johan Grimmark zauberte einwandfreie Solos, wenngleich Sound und vor allem Effekte doch sehr an seine Zweitband Saviour Machine erinnern. Wurde da etwa der eine oder andere Lick neu aufgetragen?

Die Songauswahl war recht gut und orientierte sich am eben erschienenen Best-Of-Album “Decade Of Confession”, welches an diesem Tag (für stolze 18 Euro) das Licht der Welt erblickte. Alles in allem ein sehr gutes und energetisches Narnia-Konzert. Ganz offensichtlich war Narnia für den hohen Ticketpreis von 23 Euro verantwortlich, im Endeffekt hat sich das aber gelohnt.

Immortal Souls

Zum Ende sollte es nochmal hart werden. Die Finnischen Melodic-Death-Metaller von Immortal Souls boten ein frostiges Set mit filigranen und technischen Gitarren, keifend-gutturalem Gesang und Drums mit Doublebass. Der Sound war leider völlig unterirdisch und der hohe technische Anspruch der Leadgitarre lies sich nur optisch erkennen. Gespielt wurde hauptsächlich das neue Album “Wintereich”. Und schnell wurde auch klar, wie die Band den Klargesang der Scheibe umsetzt: Nämlich gar nicht. Es wurde ausschließlich frostbitten und winterlich gekeift.

Ansonsten stand die Haltung der Band in keinem Verhältnis zu der des Publikums: Während die komplette Musikermannschaft wie angewurzelt auf der Bühne stand, keine Mine verzog und die Ansagen auf ein Nötigstes reduzierte, tobte im Publikum der wildeste (und auch rücksichtsloseste) Pogo und Moshpit den ich je erlebt habe. Unmöglich, ohne blaue Flecken davon zu kommen. Schön wäre es gewesen, wenn die Security anstatt das Fotografieren zu verbieten, der Sache Einhalt geboten hätte.

Und noch eine weitere Sache war unschön: Immortal Souls spielte über die Verstärkerbox con Narnia-Gitarrist C. J. Grimmark. Und der schleppte seine Box noch während des Schlussapplauses von der Bühne - ohne Immortal Souls die Möglichkeit zu geben, eine Zugabe zu spielen. Sehr unfair. Da überlegt man sich gleich zweimal, ob man seine neue Solo-Platte kauft.

Alles in allem ein rundum gelungenes Konzert. Ich hoffe auf ein Metalfest 08 und auf noch mehr Interesse am christlichen Metal aus der säkularen Szene. Die Christen gehen schließlich auch auf weltliche Konzerte, warum nicht auch umgekehrt?

Figuring Out Computer Science

am 8. September 2007 über Informatk

Andi had a great idea. He asked some well-known computer scientists via email the following question:

What are the most important problems in computer science?

He got some very interesting replies. Some of them were very general, some were quite specific. Some are down to earth and some are based on an utopian demand. And Andi asked for his readers’ opinions. Well, as a student I can’t compete with my professors, but I can try to make a good point.

Computers are the creation of humans. They have emerged out of nothing, they have been invented and developed on the basis of science and the art of engineering. They are intended to help the humans, to solve their problems and to do the work that is not worth to consume the humans’ precious time. But the humans currently are not able to communicate with their own creation in and intuitive an natural way. Until now it has been impossible to teach the elementary basis of human interaction to a computer. We have to rely on strange languages that are too limited to be called a human language. They cannot compete with even the easiest expressions of a natural language, although they are able to describe everything that is turing-complete. So we have to give up all intuitive and natural approaches and have to develop models and techniques (the scientist calls them algorithms) we would not even consider in a manual approach. Until now we are only able to solve a specific problem with a computer if we have already found a general solution for a whole group of similar problems. And finding that general solution and putting it in a model that is interpretable by a computer is quite difficult.

So the great challenge in computer science is definitely linked to cognition, perception and communication. Intuitive matters like “learning by example”, communication in natural speech and perception of events beside mouse gestures and key presses should be in the center of computer science. If there was one program that is usable by everyone in an intuitive way and that is capable of solving any solvable problem, then the computer scientists have won.

Relativ einfach für absolute Hörer

am 5. September 2007 über Musik

Stimmgabel“Ich stimme meine Gitarre immer nach «Nothing Else Matters»”. Als ein durchaus musikalischer Freund mir das sagte, musste ich stutzen und ein Verdacht kam auf. Entweder jener Gitarrero hat eine ständig verstimmte Gitarre oder eine recht seltene Fähigkeit. Nach einem Testlauf am zufällig anwesenden Klavier war dann klar: Absolutes Gehör. Glückwunsch!

Das absolute Gehör ist eine recht seltene Begabung, die nur wenige Menschen besitzen. Oder anders gesagt: Viele Menschen haben die Begabung, aber nur die Musiker unter ihnen wissen darum. Denn erst als weit fortgeschrittener Musiker wird man überhaupt mit den Konsequenzen in Berührung kommen. Darum für alle nicht-wissenden Absoluthörer hier ein kleines Profil zum Selbertesten.

  1. Absoluthörer haben oft das Gefühl, dass andere Leute Lieder “irgendwie falsch” singen.
  2. Absoluthörer haben große Schwierigkeiten, am Lagerfeuer den Evergreen in einer anderen Tonart zu singen, weil der Gitarrist die 5 Kreuze nicht spielen kann.
  3. Absoluthörer ohne großen musikalischen Hintergrund empfinden einen Tonartwechsel in einem Lied als “Fehler” bzw. er fällt ihnen als besonders unschön auf.
  4. Absoluthörer merken oft, dass ein gewohntes Geräusch “irgendwie anders” geworden ist, während die Umwelt einen für verrückt erklärt.
  5. Wenn normale Menschen ein Lied aus dem Radio nachsingen, dann fangen Sie irgendwo an - sie legen sich also den Grundton und damit die Tonart selbst fest. Alle anderen Töne werden dann relativ zum Grundton gesungen. Ein Absoluthörer wird ganz unbewusst genau auf dem “richtigen” Ton anfangen, auch dann, wenn er das Lied Jahre davor gehört hat.

So. Und was bringt’s? Wenn man nicht gerade Musikpädagoge ist eigentlich gar nichts. Man kann sich mit dem absoluten Hören zwar sicherlich einige gute Noten in Gehörbildungsklausuren im Musik-Abitur und an Musikhochschulen einsammeln, spätestens beim Erkennen von Akkorden und deren Funktion hört es aber auf mit dem Schummeln. Die übrigen Vorteile sind eher praktischer Natur: Man braucht als Chorleiter keine Stimmgabel zum Anstimmen und kein Stimmgerät um sein Instrument zu stimmen.

Alle “normalen” Hörer müssen gegenüber den absoluten in nichts nachstehen. Wenn man einmal einen Referenzton hat (und weiß, wie er heißt) hat ein normaler Hörer die selben Karten wie ein absoluter. Und einen solcher Referenzton kann man für 2 Euro kaufen.


Creative Commons-Lizenzvertrag
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
M. Herhoffer