Archiv für Januar 2008

Arrrrrrrrrgh!

am 27. Januar 2008 über Musik

Als ich noch Zeit hatte, richtig aktiv in einer Band zu spielen huschte ich einst mal das Hauptthema von „Fluch der Karibik“ über meine Keyboardtasten. Der Gitarrist, seines Zeichens eher dem Black-Metal zugewandt, schrammelte einen passenden Rhythmus über die Saiten—und die Sache klang gar nicht mal so schlecht. Unser dann ersonnener Plan: Mit Piraten-Metal die Hitparade erobern!

Nahezu jeder präpubertäre Bereich archaisch-maskuliner Spielfelder wird bereits von gleich mehreren Metalbands, ab und an gar mit passendem Genre, abgedeckt: Im Power Metal rennen langhaarige Musiker in Ritterrüstungen auf der Bühne hin und her um in meist kastratengleichen Höhen von verwunschenen Schlössern, legendären Schlachten und abscheulichen Drachen zu singen. Bands wie Rhapsody of Fire, Hammerfall und Manowar treiben mit von Buzzwords überfüllten Songs dieses Genre an: Power, Glory, Mighty Dragons, Warriors und War!

Wer es eher düsterer mag ist beim Vampyric Metal a la Cradle of Filth gut aufgehoben. Ein bisschen mehr Tod, ein klein wenig mehr Morbidität, gespickt mit der Todessehnsucht der späten Romantik, und fertig ist ein musikalischer Kosmos für all jene, denen die Drachen noch zu harmlos und Ritterrüstungen zu schwer sind.

Gern gesehen sind derzeit auch die Wikinger und alten Germanen. Mit Schlachtgeschrei und lustiger Gesichtsbemalung ziehen Turisas in den Kampf, während Equilibrium mettrinkend am Lagerfeuer sitzen und Amon Amarth mit Wikingerschiffen die Fjorde unsicher machen. Was ein Spaß (besonders für Neonazis, die dieses Genre inzwischen munter unterwandern).

An Land spielen derweil die Trolle lustigen Troll Metal, das von Finntroll erfundene Genre welches Akkorden- und Flötenklänge, finnische Polkas und lustige Geschichten von antichristlichen Trollen zu einer folkigen Unterart des Metals kombiniert.

Ach, und den Piratenmetal gibt es jetzt auch.

Comic Sans und Geschrei

am 15. Januar 2008 über Kritik

Manche Leute müssen wohl ein Auge weniger haben als andere. Wie sonst lässt sich erklären, dass es kaum einem Menschen auffällt, welch Geschmack- und Stillosigkeit er mit seinem Textverarbeitungsprogramm produziert? Egal ob im Netz, bei Briefen, in E-Mails oder sogar in professionellen Publikationen: Es gibt ein paar Regeln und Konventionen, damit das Geschriebene keinen Augenkrebs verursacht. Hier meine Liste jener Dinge, die garantiert jede Professionalität im Keim ersticken:

Comic Sans

Comic SansDie Lieblingsschriftart aller Leute mit schlechtem Geschmack: Die Comic Sans. Dabei kann die gute Schrift gar nichts dafür, wie sie heute verwendet wird. Der Font orientiert sich an jenen Schriften aus amerikanischen Comics, die auch heute noch allesamt per Hand geschrieben werden. Computerschrift oder gar eine deutlich als solche zu erkennende gesetzte Schrift ist unter Comic-Puritanern verpönt. Die runde und schwungvolle Anlage einer klassischen Comicschrift ergänzt sich ideal zu den gezeichneten Figuren. Und genau und nur in dieses Umfeld gehört die Comic Sans: auf Einladungskarten für den nächsten Kindergeburtstag, für knallig-bunte Effekte, für alles Infantile und Verspielte. Und definitiv nicht als Fließtext und noch definitiver nicht in professionelle Geschäftsbriefe und Protokolle. Und dennoch verwendet jeder, der die Schriftart in Word verstellen kann, die Comic Sans als Brotschrift. Man kann sie nicht lesen, sie ist absolut unoriginell und man wird als Leser das Gefühl nicht los, nicht ernst genommen zu werden. Da hilft nur eines: Microsoft sollte die Comic Sans aus Windows rauswerfen und sie für immense Summen separat verkaufen.

„Ban Comic Sans! “

GESCHREI!!

Immer wieder kommt es vor, dass gewisse Elemente in Texten herausgehoben oder betont werden müssen. Hierfür sieht der Experte einen dezenten Wechsel im Schriftschnitt vor. So mancher kommt auf abenteuerliche Ideen: Alles groß schreiben—oder noch besser: ganz viele Ausrufezeichen.

Ganze Wörter in Versalien sind in der Typografie nur als plakativer Titel (etwa Produktname, Logo, Firma) oder zur besseren Lesbarkeit auf Hinweisen („STOP!“) verbreitet. Als Auszeichnung in geschlossenem Text ist das Großschreiben nicht üblich. Es stört den Lesefluss und betont unverhältnismäßig stark. Ein Wort in Großbuchstaben fällt extrem auf—mehr als gewollt.

Noch unverhältnismäßiger fällt das Auszeichnen mit Ausrufezeichen aus. Ein Ausrufezeichen wird in der deutschen Sprache offiziell nur als Satzzeichen eines Imperativsatzes verwendet; oftmals auch, um in einer direkten Rede die Intention des Sprechers als etwas energischer zu kennzeichnen; zudem als volle Interpunktion nach einer Anrede, wenn ein Komma zu schwach ist. In der Schriftsprache kommt das Ausrufezeichen sonst nicht vor. Schon gar nicht doppelt. Wirklich wichtige Dinge wie Termine für Fristen oder die Aufforderung zur Rückantwort werden in der Regel fett geschrieben. Ausrufezeichen sind in Geschäftsbriefen im Zusammenhang mit einer Aufforderung unhöflich. Und nicht nur da: Übermäßige Ausrufezeichen, vor allem doppelt und dreifache, unterstellen dem Leser eine gewisse Dummheit, das Wichtige eines Textes nicht selbst zu erkennen. Das ist stillos und der Intention des Schreibers überhaupt nicht förderlich.

Und weiter?

Typografie und gutes Gestalten sollte auch für Laien kein Problem sein. Weniger ist oft mehr—und wer ein paar ganz wenige typografische Regeln kennt, kann sich den professionellen Grafiker sparen. Ein Büchlein erklärt diese Regeln. „Erfreuliche Drucksachen durch gute Typografie. Eine Fibel für jedermann“ von Jan Tschichold ist ein Standardwerk. Wegen seines betagten Alters und seiner Radikalität ist es umstritten. Veraltet ist es aber auf keinen Fall. Denn wegen Word und CorelDraw hat sich nur das Anwenderspektrum verschoben—nicht aber Ästhetik und Stil.

Das Peter-Prinzip

am 8. Januar 2008 über Politik

Alle Chefs sind doof. Und die Abteilungsleiter sowieso. Und wenn man erst mal ein Amt von innen sehen muss, dann strömt einem die Inkompentenz der Kompetenztragenden praktisch entgegen. Und das Tolle ist: Dieser Zustand lässt sich wissenschaftlich erklären. Zumindest mithilfe eines Wikipedia-Artikels:

Auf der Karriereleiter steigt eine Person genau so lange nach oben, wie sie ihre Arbeit gut macht. Besonders in Strukturen starker Hierarchien wie Ämter und Behörden ist der klassische Aufstieg das Mittel zum Zweck, um wichtige Posten zu besetzen. Nun steigt eine Person aber genau so lange auf, wie sie ihren Job gut macht. Irgendwann ist dann Schluss—und die maximale Stufe der Inkompetenz erreicht, die Person bleibt an der aktuellen Position und hat das Ende ihrer Karriereleiter erreicht. Damit sind irgendwann alle wichtigen Positionen mit inkompetenten Personen besetzt.

Und wer macht dann die eigentliche Arbeit? Das machen jene, die die Stufe der maximalen Inkompetenz noch nicht erreicht haben, also die Untergebene. Sie arbeiten so lange innerhalb ihrer Mittel, bis auch sie auf die Stufe der maximalen Inkompetenz aufsteigen.

Schön, dass es dafür einen Fachbegriff gibt: Das Peters-Prinzip. Laurence J. Peter hat es mit (leicht ironischem Unterton) erforscht und darüber ein Buch geschrieben. Alltag macht Wissenschaft.


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M. Herhoffer