Comic Sans und Geschrei
Manche Leute müssen wohl ein Auge weniger haben als andere. Wie sonst lässt sich erklären, dass es kaum einem Menschen auffällt, welch Geschmack- und Stillosigkeit er mit seinem Textverarbeitungsprogramm produziert? Egal ob im Netz, bei Briefen, in E-Mails oder sogar in professionellen Publikationen: Es gibt ein paar Regeln und Konventionen, damit das Geschriebene keinen Augenkrebs verursacht. Hier meine Liste jener Dinge, die garantiert jede Professionalität im Keim ersticken:
Comic Sans
Die Lieblingsschriftart aller Leute mit schlechtem Geschmack: Die Comic Sans. Dabei kann die gute Schrift gar nichts dafür, wie sie heute verwendet wird. Der Font orientiert sich an jenen Schriften aus amerikanischen Comics, die auch heute noch allesamt per Hand geschrieben werden. Computerschrift oder gar eine deutlich als solche zu erkennende gesetzte Schrift ist unter Comic-Puritanern verpönt. Die runde und schwungvolle Anlage einer klassischen Comicschrift ergänzt sich ideal zu den gezeichneten Figuren. Und genau und nur in dieses Umfeld gehört die Comic Sans: auf Einladungskarten für den nächsten Kindergeburtstag, für knallig-bunte Effekte, für alles Infantile und Verspielte. Und definitiv nicht als Fließtext und noch definitiver nicht in professionelle Geschäftsbriefe und Protokolle. Und dennoch verwendet jeder, der die Schriftart in Word verstellen kann, die Comic Sans als Brotschrift. Man kann sie nicht lesen, sie ist absolut unoriginell und man wird als Leser das Gefühl nicht los, nicht ernst genommen zu werden. Da hilft nur eines: Microsoft sollte die Comic Sans aus Windows rauswerfen und sie für immense Summen separat verkaufen.
GESCHREI!!
Immer wieder kommt es vor, dass gewisse Elemente in Texten herausgehoben oder betont werden müssen. Hierfür sieht der Experte einen dezenten Wechsel im Schriftschnitt vor. So mancher kommt auf abenteuerliche Ideen: Alles groß schreiben—oder noch besser: ganz viele Ausrufezeichen.
Ganze Wörter in Versalien sind in der Typografie nur als plakativer Titel (etwa Produktname, Logo, Firma) oder zur besseren Lesbarkeit auf Hinweisen („STOP!“) verbreitet. Als Auszeichnung in geschlossenem Text ist das Großschreiben nicht üblich. Es stört den Lesefluss und betont unverhältnismäßig stark. Ein Wort in Großbuchstaben fällt extrem auf—mehr als gewollt.
Noch unverhältnismäßiger fällt das Auszeichnen mit Ausrufezeichen aus. Ein Ausrufezeichen wird in der deutschen Sprache offiziell nur als Satzzeichen eines Imperativsatzes verwendet; oftmals auch, um in einer direkten Rede die Intention des Sprechers als etwas energischer zu kennzeichnen; zudem als volle Interpunktion nach einer Anrede, wenn ein Komma zu schwach ist. In der Schriftsprache kommt das Ausrufezeichen sonst nicht vor. Schon gar nicht doppelt. Wirklich wichtige Dinge wie Termine für Fristen oder die Aufforderung zur Rückantwort werden in der Regel fett geschrieben. Ausrufezeichen sind in Geschäftsbriefen im Zusammenhang mit einer Aufforderung unhöflich. Und nicht nur da: Übermäßige Ausrufezeichen, vor allem doppelt und dreifache, unterstellen dem Leser eine gewisse Dummheit, das Wichtige eines Textes nicht selbst zu erkennen. Das ist stillos und der Intention des Schreibers überhaupt nicht förderlich.
Und weiter?
Typografie und gutes Gestalten sollte auch für Laien kein Problem sein. Weniger ist oft mehr—und wer ein paar ganz wenige typografische Regeln kennt, kann sich den professionellen Grafiker sparen. Ein Büchlein erklärt diese Regeln. „Erfreuliche Drucksachen durch gute Typografie. Eine Fibel für jedermann“ von Jan Tschichold ist ein Standardwerk. Wegen seines betagten Alters und seiner Radikalität ist es umstritten. Veraltet ist es aber auf keinen Fall. Denn wegen Word und CorelDraw hat sich nur das Anwenderspektrum verschoben—nicht aber Ästhetik und Stil.


16. Januar 2008 um 18:37
jaaaaaaaaa so gehts richtig! :DDD
sehr geiler artikel
17. Januar 2008 um 13:46
Sehr guter Artikel, ich hasse sowohl Comic Sans als auch die vielen Ausrufezeichen!!!!111einseinseinself
1. Februar 2008 um 0:50
aLsO ICH mag COMIK sanS MS!!!11one!
Comic Sans MS ist schon nur wegen dem Zeichenabstand für Texte unbrauchbar…
3. Februar 2008 um 15:33
mannomann, ich habe selten eine so schlechte web-site wie diese gesehen.
und das bei diesem thema…
es kommt einem vor, als wenn ein blinder über farbe redet.
absolut gruselig
3. Februar 2008 um 16:05
Es gibt auch eine Ästhetik jenseits von bunt und poppig.
11. September 2008 um 20:40
Also den Artikel finde ich ebenfalls gut und richtig. Aber der Kritik an diesen Webauftritt muss ich mich ebenso anschließen - gruselig.
Auch Webseiten sollten typographischen und ästhetischen Mindestansprüchen genügen.
11. September 2008 um 23:03
Diese Seite hatte nie den Anspruch einem Menschen mit durchschnittlichem Ästhetikempfinden zu gefallen. Im Gegenteil: Solche sollen abgeschreckt werden.
12. März 2009 um 1:47
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