Paganfest in Ludwigsburg
Nun ist das rechtsextreme Paganfest also vorbei. Zumindest das in der RoFa Ludwigsburg, welches ich diese Woche besuchte. Gleich das Wichtigste vorneweg: Rechts war da wie zu erwarten gar nichts. Keine Anti-Frisuren im Publikum, keine dubiosen Merchandise-Händler mit einschlägiger Ware und schon gar keine rechtsradikalen Musiker. Genau einmal las ich den Namen “Burzum“, und das in Form eines Patches auf der Emo-Tasche eines offensichtlich wohl minder intelligenten Mädchens. Wenn man diesen kleinen Faux-Pas mit den Hunderten an Varg-Vikernes-Shirts auf dem Party.San vergleicht, sollte man vielleicht bei letzterem anfangen, eine braune Unterwanderung festzustellen.
Nun also zur ganz sicher nicht rechten Musik.
Týr
Beträchtlich lange glaube ich, einer lokaler Vorband zuzuhören — bis mich dann die englischen Ansagen eines Besseren belehrten. Týr waren zweifelsohne die Exoten des Festivals. Sie kommen von den Färöer und singen in ihrer Mischung aus langsamem Heavy-Metal und färöischen Skalden auch über weite Strecken in der føroyskt Landessprache. Auf eine Angleichung der mittelalterlichen Weisen an die heutige Zeit hat man verzichtet. Der Rhythmus war so teilweise recht quer und synkopisch, der Gesang sehr klar und hymnisch, durchsetzt mit genretypischem Metal-Gesang. Für die Metal-Party völlig untauglich, aber als Eröffnung gewiss ganz nett.
Eluveitie
Schon mehrmals durfte ich die Schweizer Folk-Metaller live erleben, und noch nie war der Sound so schlecht. Gewiss ist es schwer, zig Mannen und Frauen mit recht leisen akustischen Instrumenten wie Drehleiher, Mandola, Whistle und Dudelsäcken mit rückwärtig gerichteten Bordon-Pfeiffen abzunehmen. Eine Entschuldigung für permanente Rückkopplungen und komplett ausgefallene Flöten- und Dudelsack-Soli ist das aber wahrlich nicht.
Musikalisch war alles einwandfrei. Die Lieder der neuen Scheibe funktionieren offensichtlich auch live äußerst gut. Die Bühnendarbietung machte ob der großen Menge an Musikern sehr Spaß und das Publikum dankte mit langen Ovationen.
Schön war auch das ganz und gar unpagane Drottnar-Shirt des Gitarristen beim Soundcheck.
Moonsorrow
Die Alben von Moonsorrow sind äußerst komplex, langatmig, episch und dicht. Das auf die Bühne zu bringen ist schwer. Schade, dass man es erst gar nicht versucht hat. Die Band konzentrierte sich aufs Kürzen, zusammenstreichen und auf die kurzen Stücke alter Alben. Die dominanten Keyboards und Chöre wurden nicht umgesetzt, wohl um sich Samples und Clicktrack zu sparen. Wer die Dichte der Alben im Livekonzext erleben wollte, wurde sicherlich enttäuscht. Wer aber ohnehin gerne epische Intros und Doom-Passagen überspringt, bekam eine nettes Potpourri aus dem Moonsorrow-Fundus geboten.
Korpiklaani
Kindergeburtstag mit pogenden Kiddies und einige Folk hörende Eltern am Rande des Geschehens. Korpiklaani war lustig, abwechslungsreich und kurzweilig. Der Sound war gut, die Performance etwas statisch. Schön war auch, dass Akkorden und Violine echt waren — was andere folkige Metaller nicht immer so umsetzen.
Ensiferum
Als Headliner des Abends bekam Ensiferum eine deutlich längere Spielzeit, die man abwechslungsreich aus dem Stoff von dreieinhalb Alben füllte. Wie zu erwarten war gab es wenig aus der Mäenpää-Ära zu hören, dafür aber alle Hits der neueren Scheiben. Die Gitarren waren ein wenig breiig, dass ihre Spieler aber technisch einwandfrei waren war dennoch zu erkennen. Eine gute Show, ein dankbares Publikum und viele (ein wenig chaotische) Zugaben. Was will man mehr?

