Archiv für Juni 2008

Go For Tumble : Reloaded

am 12. Juni 2008 über Internet, Kultur

A tumblelog is a quick and dirty stream of consciousness, a bit like a remaindered links style linklog but with more than just links. They remind me of an older style of blogging, back when people did sites by hand, before Movable Type made post titles all but mandatory, blog entries turned into short magazine articles, and posts belonged to a conversation distributed throughout the entire blogosphere. Robot Wisdom and Bifurcated Rivets are two older style weblogs that feel very much like these tumblelogs with minimal commentary, little cross-blog chatter, the barest whiff of a finished published work, almost pure editing…really just a way to quickly publish the “stuff� that you run across every day on the web.

Zum zigsten Male bemühe ich nun dieses Zitat um zu erklären, was sich da so rechts in der Navigation dieser Seite versteckt. Seit nun fast 3 Jahren zeigt dieses Blog in der Rubrik “Tumble” 10 Beiträge an, die ich und oder Freunde von mir per Jabber an einen Bot geschickt haben. Das sind meistens interessante Links, lustige Bilder, Zitate — manchmal auch Nonsense, Insiderwissen und illegale Primzahlen.

Das hat nun ein Ende. Denn aus dem Dunstkreis des Web 2.0 ist ein Projekt entstanden, bei dem sich jeder ein tolles und schickes Tumblelog zulegen kann. Ganz ohne Wartungsarbeit am Bot und intuitiv mit einer komfortablen Software. Tumblr.com heißt diese Seite — mit ganz und gar klischeehaftem Namen. Von nun an befindet sich mein Tumble-Log also dort. Vorerst werden hier in diesem Blog nur meine Beiträge angezeigt, nicht wie bisher die Beiträge der gesamten Karlsruher Info-Blogger-Szene. Einen Feed nach altem Konzept gibt es aber schon.

Nundenn: Viel Spaß mit meiner täglich aktualisierten Müllhalde.

Fear-Dark-Festival im LKA Stuttgart

am 2. Juni 2008 über Musik

In Holland gibt es ein kleines aber feines Metal-Label namens “Fear Dark“. Dort tummeln sich vielerlei Bands, unter anderem hat Eluveitie ihre ersten Alben dort veröffentlicht. Und dieses kleine Label richtet Jahr für Jahr eine Festival-Tour aus. Und ich war auf der Station im Stuttgarter LKA Longhorn.

Dort war recht wenig los, was aber ganz sicher nicht an den Qualitäten der Bands lag. Vielleicht aber an einer anderen Sache: Die Ideologie hinter diesem Festival ist recht kurios. Etwa 50% der Bands sind dem zuzurechnen, was man eine “christliche Metalszene” nennen kann — wenngleich der Headliner “Endstille” damit wahrlich gar nichts zu tun hat. Und wenn auch der “Jesus”-Counter der dargebotenen Liedtexte nach meinem Wissen bei exakt Null lag, wird alleine schon das Wörtchen “Unblack” auf den Wikipedia-Seiten der Bands dafür gesorgt haben, dass der eine oder andere Metaller aus ideologischen Gründen daheim geblieben ist. Zu unrecht aber. Keine der Bands hat explizit christliche Texte, keiner will missionieren und die gängigen Klischees von braven Jungscharkindern und Pfadfindern passen in die Metal-Szene nicht so ganz rein. Wie dem aber auch sei: Es tummelten sich eine Hand voll Christen-Metaller (schön zu erkennen an entsprechenden Shirts) und zwei Hände voll Endstille-Fans in einem recht übersichtlich gefülltem LKA.

Finsterforst

Früh ging es los. Zu früh, um die erste Band noch zu hören. Schade, denn die Mischung aus Koorpiklaani, Moonsorrow und Windir war eigentlich sehr gut. Gehört hab ich leider nur den letzten Song.

World To Ashes

Das war kein Heavy-Metal! Während die EP schon recht coreig daher kam, war Stageacting und Auftreten gänzlich dem Core zuzuordnen. Und dennoch hat es mir gefallen. Viel Energie, gutes Songwriting und eine ausgewogene Mischung aus Melodie und Härte. Da freut man sich auf eine erste Langspielplatte der Band.

Slechtvalk

Slechtvalk war eine der ersten Black Metal Bands, deren Alben ich hörte. Dementsprechend gut kannte ich die Songs und war sehr überrascht, was dann von der Bühne donnerte: Keine Keyboardteppiche und keine Flötenklänge. Die Folkelemente der Alben wurden komplett gestrichen. Knallharter Blackmetal ohne Wenn und Aber, keifende Vocals selbst in den Ansagen, durchgängige Doublebass und ein donnernder Crunch-Bass. Die Songs des neuen Albums sind deutlich härter ausgefallen als die Songs von “At the Dawn of War” und “The War that Plagues the Land”. Von Keyboard-Leads wie noch auf dem legendären (deutlich und explizit christlichen) Demo “Falconry” ist man wohl gänzlich abgekommen.

Wer sich also an den Synthies der Alben stört, sollte Slechtvalk unbedingt in E-Besetzung live hören. Und das gefällt mir deutlich besser als das Thrash-Geschrubbe von Amarth und Co. Viking Black Metal wie es sein soll. Untergrundig, glaubwürdig und hart.

Schön wäre jetzt noch gewesen, wenn es hübsche T-Shirts der Bands ohne knalligen Allover-Print zu kaufen gäbe.

Thy Majestie

Der Vergleich mit Rhapsody wird dieser Band wohl ewig nachhängen. Und das, obwohl die Italiener mit ihrer Gründung nur ein paar Monate später als ihre Landsleute waren. Doch die Längen des Genres “Epic Symphonic Power Metal” wurden gekonnt vermieden. Statt epischen Intros gab es schnelle Keyboard-Soli, statt Wagner-Pathos gab es eingängige Melodien, statt statischer Epik eine lebendige Bühnenshow. Schön war auch, dass die Band gekonnt jedes Klischee vermeidet. Keine langen dauergewellten Haare und mittelalterliche Gewandung. Dafür eine leger angezogene Band mit einem Sänger in Deutschland-Trikot. Die Songs des neuen Albums “Dawn” (9/08) waren sehr überzeugend, da progressiv und mit deutlich weniger hohem Falsett-Gesang als noch auf “Jeanne D’Arc”.

Eluveitie

Zum vierten Mal gehört und diesmal auch mit tollem Sound. Ein klasse Set, eine vernünftig lange Spielzeit und eine unglaubliche Spielfreude. Dazu noch ein Song aus dem ersten Album/Demo. “Bloodstained Ground” und “Inis Mona” sind wahre Selbstläufer. Da ich dem Soundcheck beiwohnte wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie rasend schnell und virtuos die Flötenstimmen bei den Songs sind — zumal bei Eluveitie alle Klänge echt sind. Da sollten sich die Sample-Bastler anderer Folkbands mal ein wenig abschauen. Nuclear Blast hat mit Eluveitie einen gute Wahl getroffen. Zweifelsohne war das Marketing umfangreich und aufwändig. Ganz gewiss aber nicht, um eine schlecht Band zu pushen, sondern um eine hervorragende unbekannte Band einer breiten Masse vorzustellen.

Und nochmal: Eluveitie ist und war niemals eine christliche Band, auch wenn ihre Alben immer noch in entsprechenden Kreisen feilgeboten werden — wohl weil die Szene-Netzwerker völlig undifferenziert beim Ex-Label Fear Dark einkauften, ohne sich dem säkularen Charakter bewusst zu sein. Wer aber unbedingt Folk-Metal mit christlichen Texten hören möchte, dem sei der “Guide to Christian Folk Metal” empfohlen.

Endstille


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M. Herhoffer