Fear-Dark-Festival im LKA Stuttgart

In Holland gibt es ein kleines aber feines Metal-Label namens “Fear Dark“. Dort tummeln sich vielerlei Bands, unter anderem hat Eluveitie ihre ersten Alben dort veröffentlicht. Und dieses kleine Label richtet Jahr für Jahr eine Festival-Tour aus. Und ich war auf der Station im Stuttgarter LKA Longhorn.

Dort war recht wenig los, was aber ganz sicher nicht an den Qualitäten der Bands lag. Vielleicht aber an einer anderen Sache: Die Ideologie hinter diesem Festival ist recht kurios. Etwa 50% der Bands sind dem zuzurechnen, was man eine “christliche Metalszene” nennen kann — wenngleich der Headliner “Endstille” damit wahrlich gar nichts zu tun hat. Und wenn auch der “Jesus”-Counter der dargebotenen Liedtexte nach meinem Wissen bei exakt Null lag, wird alleine schon das Wörtchen “Unblack” auf den Wikipedia-Seiten der Bands dafür gesorgt haben, dass der eine oder andere Metaller aus ideologischen Gründen daheim geblieben ist. Zu unrecht aber. Keine der Bands hat explizit christliche Texte, keiner will missionieren und die gängigen Klischees von braven Jungscharkindern und Pfadfindern passen in die Metal-Szene nicht so ganz rein. Wie dem aber auch sei: Es tummelten sich eine Hand voll Christen-Metaller (schön zu erkennen an entsprechenden Shirts) und zwei Hände voll Endstille-Fans in einem recht übersichtlich gefülltem LKA.

Finsterforst

Früh ging es los. Zu früh, um die erste Band noch zu hören. Schade, denn die Mischung aus Koorpiklaani, Moonsorrow und Windir war eigentlich sehr gut. Gehört hab ich leider nur den letzten Song.

World To Ashes

Das war kein Heavy-Metal! Während die EP schon recht coreig daher kam, war Stageacting und Auftreten gänzlich dem Core zuzuordnen. Und dennoch hat es mir gefallen. Viel Energie, gutes Songwriting und eine ausgewogene Mischung aus Melodie und Härte. Da freut man sich auf eine erste Langspielplatte der Band.

Slechtvalk

Slechtvalk war eine der ersten Black Metal Bands, deren Alben ich hörte. Dementsprechend gut kannte ich die Songs und war sehr überrascht, was dann von der Bühne donnerte: Keine Keyboardteppiche und keine Flötenklänge. Die Folkelemente der Alben wurden komplett gestrichen. Knallharter Blackmetal ohne Wenn und Aber, keifende Vocals selbst in den Ansagen, durchgängige Doublebass und ein donnernder Crunch-Bass. Die Songs des neuen Albums sind deutlich härter ausgefallen als die Songs von “At the Dawn of War” und “The War that Plagues the Land”. Von Keyboard-Leads wie noch auf dem legendären (deutlich und explizit christlichen) Demo “Falconry” ist man wohl gänzlich abgekommen.

Wer sich also an den Synthies der Alben stört, sollte Slechtvalk unbedingt in E-Besetzung live hören. Und das gefällt mir deutlich besser als das Thrash-Geschrubbe von Amarth und Co. Viking Black Metal wie es sein soll. Untergrundig, glaubwürdig und hart.

Schön wäre jetzt noch gewesen, wenn es hübsche T-Shirts der Bands ohne knalligen Allover-Print zu kaufen gäbe.

Thy Majestie

Der Vergleich mit Rhapsody wird dieser Band wohl ewig nachhängen. Und das, obwohl die Italiener mit ihrer Gründung nur ein paar Monate später als ihre Landsleute waren. Doch die Längen des Genres “Epic Symphonic Power Metal” wurden gekonnt vermieden. Statt epischen Intros gab es schnelle Keyboard-Soli, statt Wagner-Pathos gab es eingängige Melodien, statt statischer Epik eine lebendige Bühnenshow. Schön war auch, dass die Band gekonnt jedes Klischee vermeidet. Keine langen dauergewellten Haare und mittelalterliche Gewandung. Dafür eine leger angezogene Band mit einem Sänger in Deutschland-Trikot. Die Songs des neuen Albums “Dawn” (9/08) waren sehr überzeugend, da progressiv und mit deutlich weniger hohem Falsett-Gesang als noch auf “Jeanne D’Arc”.

Eluveitie

Zum vierten Mal gehört und diesmal auch mit tollem Sound. Ein klasse Set, eine vernünftig lange Spielzeit und eine unglaubliche Spielfreude. Dazu noch ein Song aus dem ersten Album/Demo. “Bloodstained Ground” und “Inis Mona” sind wahre Selbstläufer. Da ich dem Soundcheck beiwohnte wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie rasend schnell und virtuos die Flötenstimmen bei den Songs sind — zumal bei Eluveitie alle Klänge echt sind. Da sollten sich die Sample-Bastler anderer Folkbands mal ein wenig abschauen. Nuclear Blast hat mit Eluveitie einen gute Wahl getroffen. Zweifelsohne war das Marketing umfangreich und aufwändig. Ganz gewiss aber nicht, um eine schlecht Band zu pushen, sondern um eine hervorragende unbekannte Band einer breiten Masse vorzustellen.

Und nochmal: Eluveitie ist und war niemals eine christliche Band, auch wenn ihre Alben immer noch in entsprechenden Kreisen feilgeboten werden — wohl weil die Szene-Netzwerker völlig undifferenziert beim Ex-Label Fear Dark einkauften, ohne sich dem säkularen Charakter bewusst zu sein. Wer aber unbedingt Folk-Metal mit christlichen Texten hören möchte, dem sei der “Guide to Christian Folk Metal” empfohlen.

Endstille

4 Antworten auf “Fear-Dark-Festival im LKA Stuttgart”

  1. Tobias meint:

    Heya Markus,
    schöner Bericht aber warum hast du nichts zu Endstille geschrieben?

  2. d135-1r43 meint:

    Tach Tobias!

    Zu Endstille hab ich keine Meinung — ich hatte die zum ersten Mal gehört. Da was Sinnvolles drüber zu schreiben geht bei einmaligem Hören nicht. Außer: Die raubkatzenartigen Bewegungen des Sänger sahen sehr gut aus.

  3. Marco meint:

    Dem Thema christliche Band wäre noch der Vollständigkeit halber hinzuzufügen, dass World to Ashes alle praktizierende Christen sind und das auch in den Texten und deren Artworks unterstützen.

    Netter Bericht trotzdem. Leider werde ich ihn nicht verlinken, da er keinen Inhalt zur Band hat.

    Grüße, Marco - Finsterforst

  4. d135-1r43 meint:

    Stimmt. World To Ashes ist in der Tat textlich recht christlich und Thy Majestie ebenso. Wobei letztere dies aber eher recht konzeptionell angehen. Und Slechtvalk war immerhin mit dem ersten Album ein regelrechter Unblack-Prototyp. Und auch die ersetzen Inevitable End wären recht christlich gewesen.

    Wie auch immer: Ich habe dieses Mal den Konzertbesuch nicht als offiziellen CVJM-Ausflug deklariert — dafür war dann Endstille doch ein wenig zu säkular.

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M. Herhoffer