Archiv für September 2008

Produktivitätskiller

am 24. September 2008 über Musik

Meine Theorie: Die Errungenschaften der Technik unterstützen den Menschen in selbem Maße durch Steigerung der Produktivität wie sie die selbige Mindern durch allerlei Möglichkeiten der virtuellen Zeitverschwendung und -vergeudung. Hier die Ursachen und meine Lösungsansätze, ganz nach dem “GTD“-Trend:

1. Instant Messaging

Mit einem Chatfenster offen bei der Arbeit ist es mit ihr meist schnell erledigt. Instant Messaging heißt so, weil der Chatpartner sofort eine Antwort möchte — auch auf so wichtige Fragen wie “hey was geht?”. Und selbst wenn sich interessante Gespräche entwickeln: Allabendliches Chatten über mehrere Stunden hat in etwa den selben Kommunikationsfaktor wie sich zehn Minuten bei einem Kaffee zu unterhalten. Und bei spätestens drei offenen Chatfenstern sind selbst begabte Schnelltipper bei ihrer Vollauslastung angekommen. Andererseits ist IM perfekt und notwendig für kurze Kommunikation, schnelle Hinweise, Verabredungen und auch zum Geldsparen: IM ist kostenlos, ein Telefonat meistens nicht. Aber dennoch: Ein Mittelweg zwischen Dauerchat und sinnvoller Kommunikation muss her.

Lösung: Statusnachrichten pflegen und konsequent einfordern. Ein “Away” heißt außer Haus zu sein und ein “DND” heißt, dass der Partner auf Smalltalk keine Antwort bekommt oder auf das Stören hingewiesen wird. Im Gegenzug sollte man die Stati der Chatpartner auch selbst respektieren. Mittel- und langfristige Dinge kann man besser in Nicht-Echtzeit durch E-Mail klären. Und ein Treffen mit alten Freunden alle paar Wochen minimiert auch unpassende “Na, wie geht’s denn?”-Fragen. Und ein “Tschüß” loszuwerden ohne danach offline zu gehen darf auch mal vorkommen.

2. Systempflege

Als Gentoo-Nutzer kann man rein theoretisch jede Stunde (erfolgreich!) sein Paket-Verzeichnis auf den neuesten Stand bringen, unendliche Konfigurationsarbeit machen und immer am System frickeln. Ein neuer Kernel? Auch dafür kann man alle zwei Wochen mehrere Stunden investieren. Systempflege braucht Zeit.

Lösung: Ein Update nur einmal pro Woche strikt terminieren, dann gegebenenfalls über Nacht kompilieren lassen. Ein “&& halt” am Ende des Kommandos schickt den Rechner dann auch nach getaner Arbeit in den Schlaf. Ein großes Systemupdate nur dann durchführen, wenn man auf handfeste Probleme gestoßen ist, die sich mit dem Update beheben lassen. Ansonsten tut es auch ein alter Kernel. Und: Den Spieltrieb eindämmen. Man braucht nicht alle Monate einen anderen Window Manager.

3. E-Mails

Mehrere hundert E-Mails pro Tag sind für netzaktive Menschen keine Seltenheit. Das Sortieren und Durchschauen und Lesen braucht Zeit.

Lösung: Alle (wirklich alle) Newsletter kündigen! In Zeiten von RSS braucht das niemand mehr. Einen professionellen, also im Ernstfall kommerziellen, Spamfilter einsetzen! Für Maillinglisten einen Filter anlegen, der die entsprechenden E-Mails in Unterordner verschiebt — für IMAP serverseitig. Und: Alle Korrespondenz im Postfach-Root lassen. Die Suchfunktion moderner Clients ist wesentlich flexibler als das statische und zeitaufwändige Einsortieren in Ordner. Googlemail hat das ganz richtig erkannt.

4. News

Nachrichten gibt es im Internet umsonst, aktuell und für jedes Interessensgebiet. Alle 5 Minuten den Heise-Ticker checken? Mal schauen, was bei Reddit.com steht? Das Bedürfnis an Information steht einer kontinuierlichen Arbeit ein wenig im Weg.

Lösung: Tageszeitung lesen! Ich präferiere die taz. Man wird sich wundern, wie das Leseverhalten durch eine echte Zeitung verändert wird: Man liest die Dinge im Zusammenhang, widmet sich auch mal einer längeren Hintergrundreportage und ist stets umfassend informiert. Die Qualität eines langen Zeitungsartikel steht in keinem Verhältnis zum klassischen kurzen, prägnanten Internettext. Für Themen, die nicht durch eine Tageszeitung abgedeckt werden reicht dann auch, einmal am Abend die Newsaggregatoren abzuklappern.

Nazis in die Kinderzimmer!

am 20. September 2008 über Kritik, Kultur, Politik

Nazi-SchlumpIch bin im Grunde kein großer Freund von diesen Verschwörungstheorien, die vor allem unter Informatikern gern ein heiß diskutiertes Thema sind. Doch was bringt’s, sich Hirngespinste um so unwichtige Themen wie 9/11, die Bilderberg-Konferenz oder die New World Order zu machen, wenn neonazistisches Gedankengut per Kinderkanal in die Köpfe antiautoritär erzogener Kinder gehämmert wird? Ja, die Schlüpfe sind unterschwellige Propaganda!

Frappierend ist die Ähnlichkeit der Schlumpfmütze mit der Huttracht des Ku-Klux-Klan. Wie auch die des rassistischen Vorbildes ist die Mütze weiß und spitz. Und auch die Riten des KKK weiß das Schlumpfdorf zu schätzen: Dort tanzt man gerne bei Nacht um ein Feuer. 

Das Schlumpfdorf wird von einem patriarchaischem Diktator namens “Papa Schlumpf” geleitet, der an einer roten Mütze zu erkennen ist und dem das Schlumpf-Volk hörig folgt. Darüber steht der Alt-Diktator “Opa Schlumpf” mit einer gelben Mütze. Alle Moral und alles Reglement kommt vom Diktator, der Diktator wird heroisiert und ist in vielen Fällen der Retter aus einer auswegslosen Situation. 

Zudem ist das Schlumpfvolk durchweg männlich — gemäß dem nationalsozialistischen Ideal. Jeder Schlumpf fügt sich mit seinem Beruf in die Gemeinschaft ein. Die einzige Frau im Dorf (Schlumpfine) gewinnt nur marginale Bedeutung als naive Blondine, die sich um die Hausarbeit kümmert. 

Der Erzfeind Gargamel samt Katze Azrael tragen einen hebräischen Namen und bieten all jene Eigenschaften, die dem bolschewistischen Juden zugeschrieben werden: Lange Nase, große Ohren, buckliger Gang. Und: Er möchte, wie es für einen geldgierigen Juden gehört, die Schlümpfe in Gold verwandeln!

When Facism Comes As An Angel Of Light

am 11. September 2008 über Musik

Heute jährt sich also zum sechsten Male das alljährliche Gedenken an die Geschehnisse des 11. Septembers 2001. Das Ereignis vor sieben Jahren stellt zweifelsohne einen wichtigen Wendepunkt in der Nachkriegszeit dar und war als Beginn des „Kampfes gegen den Terror“ der Anlass (nicht die Ursache) für viele Kriege die seither geführt wurden.

Eines fällt aber auf. Früher berichteten alle Medien brav die selbe Geschichte: Die Attentäter Mohammed Atta und Ziad Jarrah steuerten zwei entführte Flugzeuge in die Twintowers, worauf diese zum Einsturz kamen. Bewiesen wurde das mit den Ausweisen dieser Täter, die man wenige Tage später in dem kilotonnen schweren Schutthaufen fand — gänzlich unversehrt, nicht einmal angekokelt. Dies alles geschah im Plan einer muslimischen Verschwörung gegen den braven Westen. Als Angriff auf die Zivilisation, auf das beste System der Welt, als Angriff auf die heeren Werte des Abendlandes.

Nun fällt aber auf: Diese offizielle Geschichte wird nun Jahr für Jahr mehr hinterfragt. Und zwar nicht in den zahlreichen Verschörungstheorien, wie es sie zu jedem Ereignis der Weltgeschichte gibt. Auch in den Massenmedien zeichnet sich eine Entwicklung zur kritischen Aufarbeitung an. Während seriöse Journalisten in den zurückliegenden Jahren eher Schlampigkeit bei den Nachuntersuchungen anprangerten, kommen nun auch ganz andere Meinungen zu Wort. Zum Beispiel in der ZDF-Reportage „Das Geheimnis des Dritten Turmes“.Oder in der Dokumentation „9/11 Mysteries“ auf dem Sender VOX (welche man sich auch mehr oder minder offiziell im Internet anschauen kann). Die alternative Darstellung des 9/11 — oder zumindest eine distanzierte — ist wohl nicht mehr länger ein Metier der linken Presse. Die Kritik an der offiziellen Darstellung des 11.9.2001 hat nun auch die breite Masse erreicht. Ob die sich dafür aber offen zeigt?


Saviour Machine, American Babylon. Veröffentlicht 1998.

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M. Herhoffer