Produktivitätskiller

Meine Theorie: Die Errungenschaften der Technik unterstützen den Menschen in selbem Maße durch Steigerung der Produktivität wie sie die selbige Mindern durch allerlei Möglichkeiten der virtuellen Zeitverschwendung und -vergeudung. Hier die Ursachen und meine Lösungsansätze, ganz nach dem “GTD“-Trend:

1. Instant Messaging

Mit einem Chatfenster offen bei der Arbeit ist es mit ihr meist schnell erledigt. Instant Messaging heißt so, weil der Chatpartner sofort eine Antwort möchte — auch auf so wichtige Fragen wie “hey was geht?”. Und selbst wenn sich interessante Gespräche entwickeln: Allabendliches Chatten über mehrere Stunden hat in etwa den selben Kommunikationsfaktor wie sich zehn Minuten bei einem Kaffee zu unterhalten. Und bei spätestens drei offenen Chatfenstern sind selbst begabte Schnelltipper bei ihrer Vollauslastung angekommen. Andererseits ist IM perfekt und notwendig für kurze Kommunikation, schnelle Hinweise, Verabredungen und auch zum Geldsparen: IM ist kostenlos, ein Telefonat meistens nicht. Aber dennoch: Ein Mittelweg zwischen Dauerchat und sinnvoller Kommunikation muss her.

Lösung: Statusnachrichten pflegen und konsequent einfordern. Ein “Away” heißt außer Haus zu sein und ein “DND” heißt, dass der Partner auf Smalltalk keine Antwort bekommt oder auf das Stören hingewiesen wird. Im Gegenzug sollte man die Stati der Chatpartner auch selbst respektieren. Mittel- und langfristige Dinge kann man besser in Nicht-Echtzeit durch E-Mail klären. Und ein Treffen mit alten Freunden alle paar Wochen minimiert auch unpassende “Na, wie geht’s denn?”-Fragen. Und ein “Tschüß” loszuwerden ohne danach offline zu gehen darf auch mal vorkommen.

2. Systempflege

Als Gentoo-Nutzer kann man rein theoretisch jede Stunde (erfolgreich!) sein Paket-Verzeichnis auf den neuesten Stand bringen, unendliche Konfigurationsarbeit machen und immer am System frickeln. Ein neuer Kernel? Auch dafür kann man alle zwei Wochen mehrere Stunden investieren. Systempflege braucht Zeit.

Lösung: Ein Update nur einmal pro Woche strikt terminieren, dann gegebenenfalls über Nacht kompilieren lassen. Ein “&& halt” am Ende des Kommandos schickt den Rechner dann auch nach getaner Arbeit in den Schlaf. Ein großes Systemupdate nur dann durchführen, wenn man auf handfeste Probleme gestoßen ist, die sich mit dem Update beheben lassen. Ansonsten tut es auch ein alter Kernel. Und: Den Spieltrieb eindämmen. Man braucht nicht alle Monate einen anderen Window Manager.

3. E-Mails

Mehrere hundert E-Mails pro Tag sind für netzaktive Menschen keine Seltenheit. Das Sortieren und Durchschauen und Lesen braucht Zeit.

Lösung: Alle (wirklich alle) Newsletter kündigen! In Zeiten von RSS braucht das niemand mehr. Einen professionellen, also im Ernstfall kommerziellen, Spamfilter einsetzen! Für Maillinglisten einen Filter anlegen, der die entsprechenden E-Mails in Unterordner verschiebt — für IMAP serverseitig. Und: Alle Korrespondenz im Postfach-Root lassen. Die Suchfunktion moderner Clients ist wesentlich flexibler als das statische und zeitaufwändige Einsortieren in Ordner. Googlemail hat das ganz richtig erkannt.

4. News

Nachrichten gibt es im Internet umsonst, aktuell und für jedes Interessensgebiet. Alle 5 Minuten den Heise-Ticker checken? Mal schauen, was bei Reddit.com steht? Das Bedürfnis an Information steht einer kontinuierlichen Arbeit ein wenig im Weg.

Lösung: Tageszeitung lesen! Ich präferiere die taz. Man wird sich wundern, wie das Leseverhalten durch eine echte Zeitung verändert wird: Man liest die Dinge im Zusammenhang, widmet sich auch mal einer längeren Hintergrundreportage und ist stets umfassend informiert. Die Qualität eines langen Zeitungsartikel steht in keinem Verhältnis zum klassischen kurzen, prägnanten Internettext. Für Themen, die nicht durch eine Tageszeitung abgedeckt werden reicht dann auch, einmal am Abend die Newsaggregatoren abzuklappern.

4 Antworten auf “Produktivitätskiller”

  1. beza1e1 meint:

    Seit ich dauernd auf den Compiler warten muss, ist mir reddit zu selten aktualisiert. :-D

  2. d135-1r43 meint:

    Hehe:

    http://xkcd.com/303/

  3. Danilo meint:

    hehe, an den cartoon hab ich auch grad gedacht.

    das problem mit den statusnachrichten besteht schon lange. einige leute sind immer auf versteckt, wären aber erreichbar, während andere ihren status stundenlang auf online geschaltet haben, währenddem aber gar nicht am (arbeits)platz sind… this world could be a better place. ich merk mir mal dass du darauf achtest und werde dich in zukunft nicht weiter stören wenn du “besetzt” bist ;)

  4. d135-1r43 meint:

    Generell sei gesagt: Alle, die dieses Blog lesen stören mich nie. Für die, die mich stören ist dieser Text zu lang.

Hinterlasse eine Antwort


Creative Commons-Lizenzvertrag
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
M. Herhoffer