Noten

Wenn man Musik macht, dann braucht man dazu Noten. Zumindest dann, wenn man zu der ernsteren Gattung der Musiker gehört. Und damit fängt der Spaß auch schon an: Was die großen Verlage einem feilbieten, ist in nahezu allen Fällen eine Zumutung.

In erster Linie sind die Preise zu nennen. Ein Heftchen mit ein paar Seiten gibt es inzwischen nicht mehr unter 20 bis 30 Euro zu kaufen. Die Buchbindequalität ist zumeist hundsmiserabel. Die “Bücher” von Edition Peters fallen nach einigen Wochen des regelmäßigen Gebrauchs komplett auseinander. Die Bücher von anderen Verlagen lassen sich nicht auf dem Notenpult aufklappen, da die Leimbindung zu straff ist. 

Ein anderes leidiges Thema ist das Druckbild: Neuere Sätze machen auch die großen Verlage inzwischen nicht mehr mit Satzsystemen oder gar Drucklettern, sondern mit recht einfachen Computerprogrammen. Das Druckbild wird dadurch sehr lieblos, schwer zu erfassen und die Blätterstellen sind ungeschickt. Und die alten Sätze? Das sind meist ein manueller Satz aus dem vorletzten Jahrhundert. Da hat sich ein Profi noch Gedanken gemacht, hat geschickte Blätterstellen ersonnen, komplexe Stellen im Druckbild entzerrt und liebevoll alle Bögen, Anmerkungen und Abstände angepasst. Warum sollte man dafür aber bezahlen? Diese Sätze sind allgemeingütig und frei. Der Komponist ist länger als 80 Jahre tot und der Satz ist älter als 80 Jahre. Nach deutschem Recht hat darf man diese Noten frei kopieren und verteilen. 

Und genau das macht man nun auch. Nach langen Rechtstreitigkeiten und mehreren Jahren unter “Beschlagnahme” gibt es seit nun seit einem Jahr wieder die Petrucci-Bibliothek. 20.000 Partituren stehen dort zum freien Download. Diese Zahl lässt ahnen, dass man dort alles Wichtige findet. Bach ist komplett, inklusive einer freien Gesamtausgabe des Orgelwerkes. Mozart und Beethoven sind es fast. Und vielerlei Schätze findet man dort auch. 

Nun eine kleine Praxis-Bewertung des Ganzen: Ich finde es äußerst brauchbar — wenn man sich auskennt und weiß, was man möchte. Ein “Die schönsten Kitschlieder für Hochzeiten”-Buch wird man dort nicht finden. Und vereinfachte Arrangements für Anfänger erst recht nicht. Wenn man aber bereit ist, sich auf Schatzsuche zu begeben, wird man belohnt werden. Das interne Bewertungssystem macht es sehr leicht, schlechte Scans und fehlerhafte Ausgaben ohne Laden der PDFs zu erkennen.

Wenn man dann noch die Noten durch den Laserdrucker jagt, mit einer Bindemaschine vom Discounter hübsch zusammenbindet dann stehen die Ausgaben den 30 Euro Teureren aus der Notenhandlung in nichts nach. 

Eine Antwort auf “Noten”

  1. vaddi meint:

    Bei Texten ist Tex und Word genauso grausam. Das eine nimmt einem die ganze layoutka..e ab und schaut auch gedruckt supi aus, word is einfach nur auf billig standarduser ausgelegt (hm, die Notenheft verleger machen es sich da auch lieber sehr einfach und sowas sieht man dem Produkten auch an).
    Ganz abzusehen von den Preisen (die haben schon vor 10 jahren den Preis der Cd/PLatte um das dreifache überstiegen)…

    Vielen dank für den Petrucci Link, geile Sache.
    greetings vaddi

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M. Herhoffer