Fußball
am 21. Februar 2009 über MusikVor schon längerer Zeit war ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem Fußballstadion. Nein, nicht für ein Konzert, tatsächlich für ein echtes Fußballspiel.
Das eigentliche Spiel (der Hausverein meiner Unistadt und eine C-Mannschaft der zweiten Liga) hat mich nicht im Geringsten interessiert. Viel interessanter fand ich die Kultur, die der Fußball um sich herum aufgebaut hat.
An allen Ecken und Enden fühlte ich mich an an die Metal-Szene erinnert. Darum hier nun eine kleine Gegenüberstellung der beiden martialisch maskulinen Männer-Verbünden.
Die Menschen. Im Fußball geht der Mob von 5 bis 99. Jede Altersgruppe ist vertreten. Dennoch dominiert das männliche Geschlecht erheblich — und die älteren stören sich an den jüngeren oder belächeln sie zumindest. 14jährige beim Pogo im Fanblock? Das kann der Metal auch. Sogar inklusive Bierduschen, wenn mal ein Becher unfreiwillig in Bewegung gerät. Das Alter im Metal ist jedoch etwas enger: Jünger als 14 ist kaum einer, älter als 30 auch nicht.
Die Kleidung. Im Fußball ist das wichtigste Erkennungsmerkmal die Kleidung in den Mannschaftsfarben. Trikots und vor allem Schals zeigen die Gesinnung. Auch im Metal gilt ein strikter Codex, auch hier trägt man T-Shirts mit Bandlogos. Aber: Im Fußball sind keine anderen Farben denn der spielenden Mannschaft zu sehen. Beim Metal wäre das ein Faux Pas: Es gilt als “Fanboy” oder engstirnig, wenn man auf ein Konzert das Fanshirt der spielenden Band spazieren trägt. Und: Merchandise von Metalbands ist erheblich billiger als das des Fußballs.
Die Extremen. In beiden Szenen gibt es radikale Gruppierungen. Im Fußball die “Ultras”, im Metal den Black Metal. Beide zeichnen sich durch nahezu identische Ästhetik aus: Schwarz und neutral. Beide legen eine erhebliche Arroganz an den Tag. Beide betrachten sich als die Elite und das einzig Wahre und Wahrhaftige.
Der Alkohol. Der Fußballfan trinkt. Sehr viel sogar. Und recht undifferenziert. Der Metalfan macht das auch, wenngleich der Anteil an Veganer und Antialkoholiker im Metal wie in allen Subkulturen der Harten Musik recht hoch ist. In beiden Fällen aber: Alkohol begünstigt die gute Stimmung.
Das Aggressionspotential. Undenkbar, dass es auf einem Metalkonzert eine Schlägerei gibt. Große Metalfestivals kommen trotz tausender Besucher mit einer Hand voll Ordner und Polizisten aus. Nicht so beim Fußball. Allein bei dem Spiel, dem ich beiwohnte, wurde ich Zeuge einer Festnahme. Aus der Zeitung erfuhr ich von einem Schwerverletzten und einem Mob, der die KSC-Geschäftsstelle stürmen wollte. Demnach: Metal ist friedlicher.
Der Kommerz. Wohin man auch hinschaut: Im Stadion gibt es mehr Werbung als Fußball. Auf den Trikots, an den Banden, auf den Bildschirmen. Beim Metal undenkbar. Mehr als eine Anzeige auf einem Flyer würde Fans und Bands erheblich verärgern. Antikommerzialität ist ein wesentlicher Faktor der Glaubwürdigkeit.
Der Blick von Außen. Kurios bis fremd erschien mir die Fußballwelt. Und das wird so ziemlich auch das Gefühl sein, das ein Außenstehender bei seinem ersten Besuch auf einem Metalkonzert haben wird.

