Archiv für April 2009

Mehr organisieren

am 27. April 2009 über Musik

[Trigami-Review]
Und wieder ist eine Trigami-Review in mein Postfach geflattert, die mir gerade sehr passt. Denn nichts nervt mich so sehr wie unkoordinierte Termin- und Entscheidungsfindung über chaotischen E-Mailverkehr oder wirre Diskussionen in irgendwelchen Foren. Bis dato war doodle.com immer meine erste Wahl für derlei Absprachen. Nun will aber moreganize.com die Welt erobern.

Wie auch Doodle bietet Moreganize ein Werkzeug zum Finden von einem Termin und zum Treffen einer Wahl. Zusätzlich gibt es noch anonyme Umfragen und Todolisten.

Aber erstmal eines nach dem anderen:

Übersichtlich schaut alles aus, die Farben schreien nicht und das Logo hat weder einen “Wet-Floor” noch prangt ein glitzerndes “Beta” in irgendeiner Ecke. Dem Webzweipunktnull-Kitsch ist die Seite nicht verfallen. Und auch anmelden muss man sich nicht. Die Plattform generiert Links mit sicheren(?) Hashcode-URLs, die man an die Teilnehmer weitergibt oder mit denen man die Umfrage editieren kann. Alle Werkzeuge funktionieren also auch ohne Login. Die Pflege über Links, die man im schlimmsten Falle aus dem Spamfilter ziehen muss, ist aber etwas unbequem. Besser ist da der klassische Login. Netterweise kann man auch sein Adressbuch importieren, mit meinem von Mobile.me hat das jedenfalls gut geklappt.

Termine

Termine klären funktioniert schlicht und effizient: Mehrere Verschläge kann man den Teilnehmern anbieten, die Software zeigt dann an welcher am besten passt. Das funktioniert einwandfrei und sogar noch recht übersichtlich.

“When shall we three meet again? In thunder, lightnigh or in rain?” Diese Frage bleibt bei Moreganize leider ungelöst — die Termine bei Moreganzie fordern nämlich eine genaue Zeitangabe. Sehr gut bei Doodle ist, dass man völlig frei ist, wie man Termine definiert. Da können Zeiten, Zeitintervalle, Raumnummern oder “morgens,  mittags, abends” stehen. Der Software ist das egal. Moreganize kann das nicht. Da sollte man mal nachbessern. Weil in den seltensten Fällen ist nur ein Zeitintervall zu klären. Im echten Leben gibt es belegte Seminarräume, verschiedene Kinos und unterschiedliche Bahnhöfe bei gemeinsamen Zugfahrten.

Wählen

Das Treffen einer Wahl funktioniert so gut wie bei Doodle. Moreganize hat ein etwas übersichtlicheres Layout, bei dem auch lange Textzeilen die Spalten nicht verzerren. Ansonsten gibt es ganz toll und webzwopunktnull eine sehr übersichtliche GUI, dezentes Ajax und eine einfache Bedienung.

Und nun weiß zumindest jeder, der den geheimen Link hat, welche Bands wir zum Blast Of Eternity 2009 buchen werden (denn im zweiten Leben bin ich an der Veranstaltung diverser Evens beteiligt). Alle anderen müssen sich mit einer vergaußten zensierten Version zufrieden geben:

Aufgaben

Sehr interessant finde ich die Todo-Liste. Schon lange suche ich nach einer bequemen Möglichkeit, Aufgaben an andere im Team zu delegieren, ohne eine fette Projektverwaltung nutzen zu müssen. Und genau das kann die Todo leider nicht. Denn den Zustand “ich mache die Aufgabe” kennt die Software nicht, nur “erledigt” oder “offen”. Dafür benötigt es keine Intenetanwendung, dafür reicht ein Notizzettel. Dringends Feature-Request: Anzeigen, wer die Aufgabe erledigt bzw. den Status “in Arbeit” einfügen. Erst dann taugt die Todo-Liste (wie auch die anderen Tools) für die Arbeit bzw. Absprache im Team. Dann wäre das Werkzeug ideal und prefekt. Nicht zuletzt auch wegen seiner Exportmöglichkeiten in PDF oder XLS.

Umfragen

Als viertes Werkzeug kann die Plattform noch eine anonyme Umfrage anbieten. Während ich die anderen Werkzeuge direkt aus der Praxis getestet habe, möchte mir für eine anonyme Umfrage partout kein Eintrag einfallen. Außer: Soll ich diesem meinen Blog mal ein Redesign gönnen, um vor allem Lesbarkeit und Übersicht zu erhöhen?

Fazit: Ganz brauchbar und (fast) perfekt, wenn man projektbezogen mehrere Werkzeuge benötigt, die alle auf einer Plattform liegen sollen. Schön wären aber noch ein paar zusätzliche Features für die Profis unter den Nutzern. Dann leidet zwar ein wenig die Benutzerbarkeit, wer aber seinen sozialen Alltag im Intenet verwaltet wird auch mit einer etwas komplexeren Bedienung zuerecht kommen. Ansonsten können sich zumindest meine kinogehenden Freunde von nun an auf die Nutzung von Moreganize einstellen.

F/OSS-Anwendungen sind allesamt schlecht

am 11. April 2009 über Linux, Review, Software

Jahrelang war ich treuer Anhänger von freier Software und habe diese konsequent eingesetzt und mich geduldig mit allen Macken auseinandergesetzt. Letztes Jahr kaufte ich mir dann einen kleinen aber feinen Mac mini und begann, nach und nach kommerzielle Software einzusetzen. Und das Ergebnis war ernüchternd: In allen Bereichen der klassischen Anwendungsfelder hinkt die freie Software (im Sinne von “Anwendung”) den kommerziellen Äquivalenten um Jahre hinterher! Wo und woran das liegt versuche ich mal zu erklären.

Print- und Webdesign

Für die Pixelschubserei gibt es GIMP, für alles Vektorbasierte Inkscape, Scribus maßt sich an für das Layouten geeignet zu sein.

Wer mal schnell einen Flyer mit GIMP machen will, kann schonmal folgenden Satz üben: “Ja liebe Druckerei, es ist Absicht, dass die Datei in RGB ist. Ich kann kein CMYK und nehme zur Kenntnis, dass Sie keine Farbechtheit garantieren können.” Nach 10 Jahren ist es immer noch nicht möglich, in GIMP nativ mit CMYK umzugehen. Das ist dringend nötig, da die Räume RGB und CMYK nicht deckungsgleich (der Mathematiker weiß: homomorph) sind. Es gibt also praktisch keine Möglichkeit, einen sinnvollen Konverter zu programmieren, insbesondere beim stets kritischen Umgang mit der Farbe Schwarz. Schon mehrmals musste ich böse Überraschungen erleben, wie Flyer “made with GIMP” von der Druckerei kommen: Grau statt Schwarz, kantige Verläufe ins Schwarz, Firmenlogos nicht farbecht. Alleine die fehlende Unterstützung für CMYK macht GIMP also unbrauchbar für das Printdesign.

Inkscape kann ebenfalls kein CMYK. Und wenn man eine Pixelgrafik exportiert darf man sich auf hässliche Alias-Effekte und sehr harte Pixelübergänge beim Umgang mit Transparenz einstellen. Das ist für hochauflösenden Print nicht schlimm, für das Web aber schon. Schon mehrmals musste ich komplexe Vektorelemente in GIMP komplett überarbeiten, weil der PNG-Export von Inkscape selbst niedrigsten Anforderungen nicht genügt. Der PDF-Export ist nicht Adobe-kompatibel und ganz sicher wird es zu Fehlern kommen wenn man die Datei zur Druckerei gibt. Und: GIMP und Inkscape arbeiten nicht gut zusammen. Beim Austausch gehen auf jeden Fall alle Layer verloren und was mit der Transparanz passiert ist reine Glückssache.

Und was kann die kommerzielle Software, im Speziellen Adobe CS 4? Alles perfekt! CMYK geht nativ, über Pantone kann man jedes Corporate Design einfach spezifizieren, der Austausch zwischen den Anwendungen geht mit direkter Verknüpfung. Zudem ist Illustrator wesentlich mächtiger als Inkscape, alleine die Erosionswerkzeuge lassen Inkscape erblassen. Von den mächtigen Undo-Funktionen und der guten Performance (Inkscape startet bei mir 55 Sekunden lang wegen rund 200 installierten OTFs) ganz abgesehen.

Schon mal ein Magazin oder eine Broschüre mit Open Source gemacht? Alles, was nicht mit LaTeX geht, sollte man gar nicht erst anfangen. Etwas, das man eine Alternative zu InDesign nennen könnte, gibt es nicht. Scribus halte ich für unbenutzbar, wenn man auch nur ganz kleine Ansprüche stellt.

Ergo: Nie wieder Grafik mit Open Source! Meine Zeit ist mir zu schade.

Textverarbeitung

Warum startet OpenOffice 3 40 Sekunden lang? Um die hässliche Oberfläche aufzubauen? OpenOffice ist seit 5 Jahren ein fetter Dinosaurier mit einem fetten Relikt von StarOffice als Backend. Unbrauchbar wird OpenOffice, wenn man mehr als 3 Bilder im Dokument hat. Selbst das Scrollen wird dann zu träge, das Layouten gar unmöglich. Einzig die Tabellenkalkulation ist halbwegs brauchbar. “Impress” wiederum nicht, weil der essentielle Umgang mit Boxen, Pfeilen und sonstigen Grafiken zu einem sich indeterministisch verhaltenden Geduldsspiel wird.

Microsoft Office kenne ich nicht, iWorks von Apple kann aber in der erst dritten Generation deutlich mehr. Vor allem schaut es besser aus — sowohl in der Oberfläche als auch im Ergebnis. Alleine schon ein paar wenige sehr gute Vorlagen beschleunigen die Arbeit ungemein. Zudem ist die Software bei gleicher Rechenleistung performanter und wesentlich einfacher zu bedienen.

Musik

Ardour ist ein sehr gutes Beispiel, wie gut freie Software sein kann. Es konkurriert direkt mit ProTools und ist eine ernste Gefahr für kommerzielle Software. Aber: Ardour kann kein MIDI. 90% aller Anwender machen Musik mit dem Computer und verwenden die Kiste nicht nur zum Schnippeln und Mischen. Jeder Popsong, jeder Rocksong und jede noch so billige Produktion braucht virtuelle Instrumente. Die gibt es unter Linux zwar, aber nicht in Ardour. Es gibt praktisch keinen brauchbaren Host für all die Synths, die als LV2 angeboten werden. Rosegarden wiederum kann viel zu wenig. Und: Kein einziger Sampleplayer ist verfügbar. “Das läuft doch alles mit Wine” ist der Tenor. Richtig. Schlecht und träge läuft es mit Wine. Warum sollte man kommerzielle VSTs unter Linux hinfrickeln und in einen schlechten Host stecken, wenn Cubase alles besser und schneller kann?

Pinnwand im Web 2.0

am 1. April 2009 über Internet, Kritik, Review

[Trigami-Review]

“Mist, war das schon letzte Woche?” In diesem Jahr hab ich schon zweimal tolle Konzerte verpasst, weil zwischen Ankündigung im Netz und Termin viel zu viel Zeit liegt, in der man beides wieder vergisst. Für solche und zig andere Fälle gibt es jetzt eine neue Web-2.0-Seite, die jedem Benutzer eine virtuelle Pinnwand für Veranstaltungen, Konzerte, Kneipen, Bars, Restaurants und Co. bereit stellt. Zooners.com heißt die Plattform und ich durfte bereits vor dem heutigen Start als Betatester die Seite testen.

Schön ist: Zooners versucht gar nicht erst, eine neue Community zu gründen auf der man Freundesfreunde findet oder die Grinsefotos vom Wochenende anschauen kann. Ganz kompakt und direkt kann man sich auf mehreren privaten Pinnwänden s.g. “Zooncards” anordnen. Eine Zooncard trägt alle relevanten Infos zu einem Event oder einer Location, in Zeiten von Web 2.0 natürlich mit Google Maps und allem möglichen Ajax-Schnickschnack. Fotos kann man auch anheften, die Struktur ist sehr flexibel. Egal ob das Event einmalig, regelmäßig oder dauerhaft ist — alles ist abgedeckt.

Auf meiner Pinnwand gibt es derzeit zwei Kärtchen:

Meine Pinnwand

Einmal das Metalkonzert von Miseration in Neckarsulm und der sicher geniale Humppa-Gig von Eläkeläiset im Karlsruher Substage. Freilich hab ich wegen dem noch recht mauen Bestand an Daten die Karten selbst angelegt. Das ging aber recht einfach — und liegt natürlich auch in meinem Interesse wenn ich an der Veranstaltung beteiligt bin. Besonders und gerade für Veranstalter ist Zooners darum sicher eine recht brauchbare Plattform. Da es derzeit auch keine Möglichkeit zur Bewertung oder Benutzer-Kritik gibt ist die Eigenwerbung sicher sogar willkommen.

Was bringt es? Als persönliche Merkliste taugt die Plattform sehr. Ein bisschen stöbern, Interessantes vormerken und selber Karten erstellen macht Spaß und ist effektiver als zig Tourtermine und Location-Kalender durchzugehen. Was ich ein wenig vermisse ist die Möglichkeit, seine Pinnwand öffentlich zu machen. Klar würde das wieder in Richtung Community-Building gehen, seinen Freunden aber kurz und übersichtlich mitzuteilen wann man wo welches Event besucht ist sicher eine praktische Sache. Bereits implementiert ist die Vernetzung mit anderen Diensten: Recht geschickt und schnell kann man ein Event twittern oder ins Facebook stellen. Ein Export in den eigenen Terminkalender ist wohl geplant. Einzig ein wenig simpel kommt das Design daher. Das ist in Zeiten von shiny funky GUIs aber auch mal etwas erfrischend Anderes. Funktional ist die Oberfläche nämlich allemal.


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M. Herhoffer