“Sind die christlich?”
am 17. Juli 2009 über Glaube, Kultur, MusikAuch Christen hören Musik. Und ganz besonders gern hören sie christliche Musik. Warum das so ist, hat verschiedene Gründe, auf alle Fälle aber hat sich in nahezu allen Genres so etwas wie eine christliche Subkultur gebildet, die nahezu völlig autark zum Rest der Szene arbeitet. Da fällt eine christliche Band ein riesige Halle — und der uninformierte Nichtchrist wundert sich, warum da mehr Leute kommen als beim säkularen Headliner letzte Woche. Fakt ist: Christliche Musik hat Erfolg.
Warum aber?
Zum einen ist sicher der christliche Hang zu Seilschaften zu nennen. Ein Christ möchte mit dem CD-Kauf Christen unterstützen, ein christlicher Booker bucht christliche Bands, ein christliches Versandhaus bietet nur christliche CDs an. Der gemeine Christ scheint sich besonders wohl zu fühlen, wenn die rein geschäftlichen Beziehungen auch einen Christen an der anderen Seite haben.
Ein weit wichtigerer Punkt ist aber: “Das ist mein Thema!” Sei es aus tatsächlicher Überzeugung oder aus Schönrederei: Ein Christ fühlt sich wohler, wenn ihm die Inhalte seiner Glaubenswelt auch im Konzert begegnen. Der Bescuh christlicher Konzerte wird zu einem Akt der Selbstdefinition. Während der Nachbar mit “Rock am Ring”-Bändchen am Arm für das dort aufgedruckte Bier Werbung läuft, trägt der Christ seine Bändchen vom “Teenager Missions Treffen” oder “Legends Of Rock” fast schon mit provozierender Haltung.
Kommerziell erfolgreicher?
Nein, die christliche Musikszene ist nicht kommerziell erfolgreicher als die säkulare, aber sie kann mit weniger Aufwand kommerziell erfolgreich sein. Die Zielgruppe ist überschaubar, es gibt nur wenige Medien in der Szene die man bedienen muss, die Vertriebswege sind klar und bekannt. Eine kleine Ausnahme bildet aber sicher die USA. Wer sich dort zum christlichen Glauben bekennt, kann auf den “Mama erlaubt mir es, die Musik zu hören”-Effekt vertrauen. Während Metallica und Co. gerne aus Kinderzimmern verbannt werden, erlauben konservative Eltern P.O.D. oder Demonhunter (wohingegen letztere deutlich zweifelhaftere pro-militaristische Texte haben als Metallica je hatte).
Bessere Musik?
Jein. Im Mainstream der christlichen Musik gibt es den selben Mist wie in der säkularen Szene auch. Es gibt quietschigen Teen-Pop (sehr beliebt und sehr erfolgreich), poppigen Core und pseudo-bösen Nu-Metal. Aber es gibt neben dem Mainstream in der christlichen Szene mehr als anderswo die Möglichkeit, musikalisch experimentell zu arbeiten. Bands wie Saviour Machine, Extol oder Kekal haben stilistisch Maßstäbe gesetzt und sind bis heute einzigartig.
Was bleibt ist die strikte Trennung zwischen säkularer und christlicher Musik. Und das auf allen Bereichen. Warum ist mir selbst ein Rätsel. Bis auf P.O.D. hat es keine christliche Bands “der Szene” je geschafft, eine säkulare Festivalbühne zu entern (wobei Saviour Machine schon auf Wacken gespieltt hat, vor Cradle of Filth). Schuld sind aber nicht nur die säkularen Veranstalter, sondern auch die christlichen. Darum sollte man in den eigenen Reihen anfangen: Mehr säkulare Bands in von Christen organisierten Konzerten!

