Archiv für die Kategorie'Development'

vim für mehr oder weniger

am 3. November 2007 über Development, Linux, Software

Möchte man in der Konsole mal schnell einen Codeschnipsel oder eine Textdatei anschauen, ist more oder less die erste Wahl. Die beiden kleinen Werkzeuge können im Wesentlichen nur eines: Zeichen darstellen und eine Schnittstelle mit Scrollbalken hinbasteln. Wegen diesem Minimalismus sind sie auch recht populär.

Beim Anschauen von Code ist Syntax-Highlighting jedoch ein recht praktisches Mittel, um den Durchblick zu bekommen oder zu behalten. Less und more können Derartiges nur mit wildem Gepachte und Umkonfigurieren. Warum also nicht gleich vim als Ersatz für less verwenden? Dazu muss man die Killer-Anwendung vim jedoch erst einmal umfangreich kastrieren.
Seit Vim in der Version 6 liefert der Editor gleich ein dafür passendes Bash-Script mit, welches Vim als reinen Textbetrachter startet. Sogar die wenigen Shortcuts von less sind liebevoll umgesetzt. (So beendet etwa q anstatt :q[Enter] das Programm). Das Script befindet sich unter

/usr/share/vim/vim??/macros/less.sh

Nun muss nur noch ein Alias auf less oder more erzeugt werden und man freut sich beim Anzeigen von beliebigen Text an vielen bunten Farben.

„So nicht!“

am 20. Dezember 2006 über Development, Kritik

Ich durfte heute erleben, wie eine ältere Dame mit einer gewissen Unsicherheit, aber dennoch in stoischer Gelassenheit gleich mehrere Münzen in einen Fahrkartenautomaten warf. Leider aber nicht in den Münzschlitz, sondern in jenen für die „Geldkarte“. Als ich die Dame freundlich über die von ihr eben getätigte Dummheit in Kenntnis setzte, war es für einen beträchtlichen Teil ihres Geldes bereits zu spät. Nur noch ein paar Zehncent-Stücke ließen sich mit dem fachmännischen Einsatz eines allzeit bereiten Schweizer Messers retten, der Rest war hoffnungslos im Nirvana des Automaten verschwunden beziehungsweise verklemmt. Energische Versuche der älteren Dame, den Automaten durch Druck der Taste „C“ zum Wiederausgeben des Geldes zu bewegen blieben erwartungsgemäß erfolglos. Nur durch intensive psychologische Betreuung einer weiteren Dame, die herbeigeeilt war, konnte die um ihr Geld betrogene Dame besänftigt werden.

Was lernen wir daraus:

  1. Man sollte unwichtige Dinge wie einen Schlitz für die „Geldkarte“ nicht feuerrot und unbeschriftet in das optische Zentrum des Bedienfeldes rücken.
  2. Man sollte wichtige Dinge wie den Schlitz für herkömmliches Geld nicht dezent, schwarz und unauffällig am oberen Rand des Automaten platzieren.
  3. Man sollte im wahrsten Sinne des Wortes einen „Fallback“ einbauen, der versehentlich in irgendwelche Öffnungen gesteckte Gegenstände durchfallen lässt und im Wechselgeldbehälter wieder zu Tage fördert.
  4. Man sollte immer vom „Worst Case“ ausgehen.

Wenigstens hat jetzt ein Techniker wieder was tun, indem er den Kartenschlitz von verkanteten Münzen befreien darf und der Schwarzfahrer hat eine Ausrede, dass er an einem defekten Automaten mit seiner „Geldkarte“ kein Ticket beziehen konnte.

Kiko

am 19. August 2006 über Development, Internet

Bei dem ganzen Theater, das Kiko derzeit verursacht muss die Idee von einem Web2.0 Terminkalender ja gar nicht mal so schlecht sein. Was mich aber stört: Ein Terminkalender auf dem Schreibtisch respektive Notebook ist die unpraktischste aller Möglichkeiten. Darum habe ich auch einen MDA. Doch es gibt bisher keine Lösung, nicht einmal einen Ansatz, die Daten irgendeines MDAs, egal mit welchem Betriebssystem, in einen dieser Web2.0-Kalender einpflegen zu können. Die Büro-Monster Outlook und auf Linux-Seite Evolution sind bisher die einzigen, die sich mit den kleinen Geräten verstehen. Und das auch nur über umständliche Schnittstellen wie ActiveSync oder SynCE.

Doch woran liegt das Problem? Jedes Handy und jeder MDA/PDA kann Java oder .NET. Für die Windows PPC eigene Terminverwaltung gibt es fertige APIs für beide Konzepte. Ein kleines Programm für die Clientseite wäre in 10min zusammengehackt. Und trotzdem bekommt das nicht mal der Gigant Google auf die Reihe, dieses Feature in seinen Kalender einzubauen. Das ach so tolle Web2.0 scheint dann doch ziemliche Angst vor der mobilen Anwendung zu haben.

Audio User Interface

am 13. Februar 2006 über Development, Musik

Ich frage mich ständig, warum jegliche Information die ein Computer für mitteilungswürdig hält immer grafischer Natur sein muss. Bei Windoze poppen nervige gelbe Blasen aus der Statusleiste auf und bei MacOSX hüpft das ICQ-Logo fast über den ganzen Bildschirm. Besonders aber Analyseprogramme und -monitore haben aber eine ganz besondere Vorliebe für überladene Grafikausgaben. Der Mensch kann aber sinnigerweise mehr als nur sehen - nämlich vor allem hören. Viele Informationen werden ganz intuitiv über das Gehör gewonnen. Jahrtausende lang lief nahezu jegliche Kommunikation über Klang (nämlich in Form von Sprache). Warum müssen dann heutige leistungsstarke Systeme dem Benutzer kryptische Grafiken zumuten?
Das äußerste das dem User zugemutet wird ist die Information, dass ein Ereignis eingetroffen ist. Für verschiedene Ereignisse gibt es verschiedene Klänge: Eine neue eMail, eine neue Nachricht in ICQ und der erfolgreiche Start des OS. Klang ist aber vieldimensional. Es gibt mehr Zustände als nur “da” oder “nicht da”. Lautstärke, Tonhöhe und Klangfarbe können Informationen tragen, die viel intuitiver als grafische Abstraktionen sind.
Als ich mein WLAN eingerichtet habe tat ich das fast ausschließlich über die Audioausgabe von NetStumbler. Einzige Information die mich interessiert ist die Signalstärke an dem Ort an dem ich mich gerade befinde. NetStumbler kann diese Information als MIDI-Signal ausgeben. Tiefer Ton bedeutet schlechtes Signal, hoher Ton bedeutet gutes Signal. Mit zugeklapptem Notebook kann man dann völlig intuitiv die Reichweite des WLANs erwandern, ohne dabei tausend Statusbalken im Blick zu haben.
An diesem Ansatz arbeitet auch das Projekt iSic, kurz für “information music”. ISic wandelt Informationen aus einem komplexem System wie Firmen-Netzwerk oder Rechenzentrum in Musik um. Der verwendete Algorithmus generiert Klang, den man genremäßig wohl unter Easy Listening führen würde. Trotzdem trägt die Musik komplexe Information: Der Traffic ist die Geschwindigkeit des Beats, das Instrument gibt die Paketart an, Lautstärke und Dynamik sind weitere Parameter. Die Klangbeispiele sind viel versprechend - selbst ein Laie kann daraus die wichtigsten Informationen nachvollziehen. Und das Beste ist: Während man mehr oder weniger unterbewusst auf das AUI hört hat man umso mehr Zeit, sich über schlechte GUIs aufzuregen.


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M. Herhoffer