Archiv für die Kategorie'Freiheit'

Schäuble in Karlsruhe

am 30. Januar 2009 über Freiheit, Kultur, Politik

Gestern war der Bundes-Innenminister zu Besuch an der Universiät Karlsruhe am KIT. Er referierte auf Einladung des ZAK über “60 Jahre Grundgesetz: Verfassungsanspruch und Wirklichkeit”.

Äußerst amüsant bis nervtötend war die nicht vorhandene und chaotisch geplante Logistik des Besuches. Die obligatorische Abgabe von Jacken und Rucksäcken sorgte für ein unüberschaubares Chaos an den Garderoben und einen Verzug von fast 30 Minuten. Bietet das ZAK nicht explizit Veranstaltungen für Kultur-Management an?

Weiters sehr peinlich war die Rede von Prof. Dr.-Ing. Detlef Löhe, seines Zeichens Prorektor für Forschung. Inhaltlich komplett vorbei am Thema des Abends stelle er der Propaganda des Bundesminister seine Propaganda für das entstehende “KIT” voraus. Dass es sich dabei bis jetzt nur um eine Seifenblase handelt, die ihr Budget im Wesentlichen für PR verbrät, wurde von der Studentenschaft gleich bei Erwähnung mit Pfiffen gewürdigt.

Pfiffe gab es auch beim Herren Schäuble, wenngleich sein Vortrag differenziert, gut vorbereitet und gut vorgetragen war. Angesichts von Aktionen wie “Stasi 2.0″ in ein undifferenziertes Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen, ist darum selbst bei hochgehaltener Hacker-Ethik weder intelligent noch politisch sinnvoll. Schäuble streifte die Geschichte des Grundgesetzes, bettete es ein in den Kontext der Europäischen Gemeinschaft und der Wiedervereinigung, referierte über die Öffnung der Grenzen (was ihm als verantwortlicher ehemaliger Außenminister zumindest ein paar Pluspunkte in der Vita beschert) und drückte sich nicht vor den Themen Sicherheit und “Terror”abwehr.

Obgleich seine Argumentation schlüssig und überraschend praxisnah ausgeführt wurde, waren Buzzwords wie “Terror”, “9/11″, “Selbstmordattentäter” und “Kinderpornografie” eine ganz wesentliche Grundlage. Die wechselseitige Bedingung von Sicherheit und Freiheit interpretierte Schäuble gerne als Sache, die der Staat zur Verfügung stellen muss. Eine Bedrohung von Seiten des Staates dieser Güter sah er nicht — das Grundgesetz böte die nötigen Schutzrechte dies zu verhindern.

Zweifelsohne tut das Grundgesetz dies. Was aber, wenn sich Behörden und insbesondere das Innenministerium nicht an unsere Verfassung unser Grundgesetz halten? Im Kontext von Bundestrojaner, Militäreinsatz bei Demonstrationen, Verwendung der Mautdaten zur Kriminalverfolgung, Steuer-ID und digitalen Ausweisen stellt sich diese Frage in besonderer Weise. Schäuble scheint dafür ein wenig den Fokus verloren zu haben. Wahrlich nicht aus einem diktatorischen Streben, als vielmehr aus dem Bestreben, das maximal Mögliche zur Wahrung seines Sicherheitsverständnisses umzusetzen. Das Problem ist nicht, dass jemand bestrebt ist eine Big-Brother-Gesellschaft aufzubauen. Das Problem sind divergierende Paradigmen im Verständnis von Sicherheit und Freiheit zwischen der Hackerszene und den gewählten Vertretern des Volkes. Die Interpretation im Kontext von der Projektion der Angst schafft den Unterschied. Die Regierung sieht den Feind in jenen die Freiheit durch Verbrechen und Terrorismus verhindern. Und die Hacker sehen ihren Feind in jedem, der ihre Freiheit beraubt. Ganz gleich, ob er Terrorist oder Terroristen-Bekämpfer ist.

Zensur bei YouTube

am 10. August 2008 über Freiheit, Internet, Kritik, Politik

“Don’t do evil”. Das ist das Motto von Google. Und dennoch scheint der Monopolist keine Probleme damit zu haben, sich den chinesischen Zensurvorgaben zu beugen und den einen oder anderen länderspezifischen Filter zu implementieren.

Im freien Europa gibt es sowas nicht, möchte man denken. Sicher?

Nur auf PCs mit deutschen Internetanschluss erscheint das obige YouTube-Video mit dem ladpidaren Hinweis “This Video is no longer available”. Wenn man den Videolink anklickt, ist die Meldung etwas spezieller: “This video is not available in your country.” Menschen aus anderen Ländern bekommen jedoch das Video präsentiert.

Um welche brisanten Inhalte handelt es sich? Es geht um ein Musikvideo der rechtsradkalen Rockband “Landser”. Die Texte sind zweifelsohne rechtsradikal, volksverhetzend, holocaustleugnend, rassistisch und hassverbreitend. Und in Deutschland verboten.

YouTube nimmt dies wohl als Anlass, derartigen Müll auch nur in Deutschland zu zensieren. Über einen schweizer Kontakt (danke an Danilo) bekam ich diesen Screenshot von einer YouTube-Suche nach “Landser”:

Landser

Eine Suche von deutschem PC schaut da anders aus:

Die offiziellen Landser-Videos sind in der Schweiz such- und abspielbar.

YouTube weiß offensichtlich genau, welche Videos volksverhetzend und rechtsradikal sind — schließlich filtert man die für deutsche Besucher munter aus Suchanfragen aus. Aber dennoch werden diese Videos in der Schweiz (und vermutlich in allen anderen Ländern auch) weiterhin dem Internetsurfer angeboten. Das deutsche Gesetz zum Verbot der Rockband Landser (genauer: Beschlagnahme aller Tonträger, da es in Deutschland immer noch die Kunstfreiheit gibt) bekommt unter dieser Perspektive einen ekligen Beigeschmack. Ebenso wie YouTube die Vorgaben der chinesischen Regierung in punkto “Free Tibet” umsetzt ist auch der Anti-Nazi-Paragraph ein weiterer “Filter” für das internationale YouTube.

Darf eine Demokratie antidemokratische Einflüsse zensieren? Und darf man sich dann beschweren und die moralische Keule schwingen, wenn eine sozialistische Diktatur anti-sozialistische und anti-diktatorische Inhalte zensiert?

“Do no evil”.

Wikipedia

am 28. Juli 2007 über Freiheit, Internet, Kritik, Kultur

Wenn man heute etwas nicht weiß, dann schaut man in der Wikipedia nach. Für einen Großteil der Netzbenutzer ist dieses Lexikon, nicht zuletzt auch dank hervorragendem Google Ranking, zur Standardreferenz geworden. Was sich dem gemeinen Wikipedialeser aber nicht immer erschließt, sind die Probleme, die es in der Wikipedia gibt. Und davon gibt es reichtlich.

Seit fast 3 Jahren bin ich als Autor in der Wikipedia unterwegs, etwa 1500 mehr oder minder kleine Beiträge stammen aus meiner digitalen Feder. Ich bin kein Admin (und will das auch niemals werden) und gewiss keiner derer, die Wikipedie unter „Hobbies“ in einen Steckbrief eintragen würden. Dennoch bekommt man mit der Zeit aber einen Durchblick in Sachen Hauptprobleme der Wikipedia:

Herr Müller ist schwul!!!!11

Manche pubertierende Schüler scheinen es für extrem wichtig zu halten, der Welt kundzutun, dass ihr Lehrer respektive der Streber in der Bank vornedran doof respektive schwul ist. Man kann in den Logbüchern der Wikipedia regelrecht erkennen, wann welche Schulklasse mit welchem schwulen Lehrer zu welchem Thema eine Computerrecherche durchführten. In der Wikipedia nennt man diese nicht nur sinnlosen sondern kontraproduktiven Änderunger Vandalismus. Da jeder etwas ändern kann, ist das Grundrauschen in diesem Bereich besonders hoch. Alle diese Änderungen müssen manuell rückgängig gemacht werden, und das nervt kolossal. Für besonders anfällige Artikel wurde daher eine Halbsperrung verhängt, damit unangemeldete Benutzer keine Änderungen durchführen können. Für alle Artikel geht das freilich nicht. Das Vandalismusproblem in den Griff zu bekommen, ist eine ernsthafte Sache. Ich würde behaupten, dass 20-30% aller Zeit von den Autoren aufgewendet wird, um Vandalismus rückgängig zu machen.

Wichtige Infos unter http://beepworld.com/tokiohotelistdiebesteband

Wer auf der Wikipedia mit einem Weblink vertreten ist, kann sich einerseits über ein schönes Google-Ranking, anderseits über viele Besucher freuen. Darum tragen einige Leute ihre eigenen völlig informationsfreien Seiten unter „Weblinks“ in x-beliebige Artikel ein. Entweder ganz offensichtlich naiv als „Fanseite zu Tokio Hotel“ oder subtil und unterschwellig: Sekten verlinken ihre Artikel mit ganz eigener Weltanschauung als theologische Facharbeit, Ärzte tragen ihre Webseite samt prominenter Werbung in Artikeln zur Medizin ein und Verlage verlinken gleich direkt in die passende Fachabteilung – natürlich mit direkter Bestellmöglichkeit.

Für das Volk!

Zugegebener Maßen bin ich als Autor in den Bereichen Metal und Musik nicht gerade auf hochwissenschaftlichem Terrain unterwegs, für eine Literaturrecherche auf wissenschaftlichem Niveau bin ich mir aber dennoch nicht zu schade. Andere sehen das aber anders. Der wissenschaftliche Anspruch der Wikipedia konvergiert in manchen Bereichen gegen Null. Trivia, Pop und Unwichtiges der Gegenwart bekommen mehr Platz als die wichtigsten historischen Personen und Ereignisse. Man vergleiche nur den Umfang der Kategorien Star War und Barocke Literatur. Während sich beim einen hauptsächlich dreizeilige Artikelchen tummeln, häuft sich beim anderen jeglicher intergalaktische Schrott an, der jemals dem Gehirn eines infantilen Science-Fiction-Fans entsprungen ist. Ein anderes Beispiel: Der Artikel zu Johann Pachelbel umfasst lediglich eine kleine Biografie, ein Drittel des Textes nehmen Listen von Popsongs ein, die auf dem Canon in D basieren. (Wohlgemerkt: Die zwei Absätze zur musikalischen Analyse stammen von mir.) Pop regiert die Wikipedia. Was die Leute nicht interessiert, wird nicht geschrieben.

Darum braucht die Wikipedia Wissenschaftler und akademische Mitarbeiter. Ohne ausgebildete Fachautoren wird sich an diesem Zustand nichts ändern. Das heißt: Wissenschaftler müssen angeworben und vom Wikiprinzip überzeugt werden. Ansonsten wird die Nachwelt besser über die „Simpsons“ Bescheid wissen als über die Literatur des 20. Jahrhunderts.

Lobbyarbeit

Mehrere Stunden meiner studentischen Zeit habe ich mit Diskutieren zum Artikel Bibelkritik verbracht. Was die Hauptautoren (ich nenne keine Namen, sie herauszufinden ist aber leicht) dieses Artikels unter der Mitarbeit an einer Enzyklopädie verstehen, ist fatal: Ausschließlich das Darstellen, das Darlegen, das Erklären und Propagieren einer atheistischen Weltanschauung ist das Ziel ihrer Mitarbeit. Kurz: Leute arbeiten bei der Wikipedia mit, nur um ausschließlich ihre persönlichen Interessen zu verfolgen. Das nennt sich Lobbyarbeit – und widerstrebt dem Prinzip der Wikipedia auf ganzer Linie. Man hat die Freiheit nicht neu erfunden, um sie sich wieder nehmen zu lassen. Als alter Anarchist will ich zur Lösung dieses Problems aber keine neuen Regeln. Dafür aber genug kompetente Autoren, die sich von derlei niederträchtiger Arbeit nicht davon abhalten lassen, die freiheitlichen Prinzipien der Wikipedia durchzusetzen.

Und wie kann man diese Probleme ändern? Informieren und selber mitmischen.

Mal ein paar Zeilen vergessen

am 18. Februar 2007 über Freiheit, Glaube

Zensur (censura) ist ein Verfahren eines Staates bzw. einer einflussreichen Organisation oder eines Vertreters davon, um durch Medien vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte Aussagen zu unterdrücken bzw. dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Aussagen in Umlauf kommen.

Wikipedia

In einem evangelischen Gottesdienst werden nach dem ersten gesungen Lied die sg. Psalter gebetet. Meist responsorial, manchmal auch antiphon. Da nicht unbedingt alle immer eine Bibel dabei haben, zudem noch in der selben Übersetzung, werden die Psalmgebete im „Evangelischen Gesangbuch Württemberg“ (EG, Ausg. 1996) aufgeführt. Heute ist der Sonntag „Estomihi“. Der heißt so, weil man eigentlich an diesem Sonntag den Psalm 31 spricht, in dem im lateinischen Text der Vulgata irgendwann die Phrase „esto mihi“ auftaucht. Da sich aber keiner an solche Regeln hält, sprach man heute auch vielerorts den Psalm 92.

Eine kleine Fußnote am Ende des Textes verrät, dass es wohl mehr als kleine Änderungen im Text gegeben hat. Es fehlen offensichtlich einige Verse im Gegensatz zum biblischen Urtext. Was wurde da wohl entfernt? Stilistisch unpassende Passagen? Belanglose Prosa?

Ein Psalmlied auf den Sabbattag.
Das ist ein köstlich Ding, dem HERRN danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster,
des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen,
auf den zehn Saiten und Psalter, mit Spielen auf der Harfe.
Denn, HERR, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Geschäfte deiner Hände.
HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind so sehr tief.
Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr achtet solches nicht.
Die Gottlosen grünen wie das Gras, und die Übeltäter blühen alle, bis sie vertilget werden immer und ewiglich.
Aber du, HERR, bist der Höchste und bleibest ewiglich.
Denn siehe, deine Feinde, HERR, siehe, deine Feinde werden umkommen; und alle Übeltäter müssen zerstreuet werden.
Aber mein Horn wird erhöhet werden wie eines Einhorns, und werde gesalbet mit frischem Öle.
Und mein Auge wird seine Lust sehen an meinen Feinden; und mein Ohr wird seine Lust hören an den Boshaftigen, die sich wider mich setzen.
Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum; er wird wachsen wie eine Zeder auf Libanon.
Die gepflanzt sind in dem Hause des HERRN, werden in den Vorhöfen unsers Gottes grünen.
Und wenn sie gleich alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein, daß sie verkündigen, daß der HERR so fromm ist, mein Hort, und ist kein Unrecht an ihm.Psalm 92 [Luth1545]

Zufall? Von Psalm 143 stehen im EG nur die Verse 1-10. Und was kommt danach?

[...] und verstöre meine Feinde um deiner Güte willen und bringe um alle, die meine Seele ängsten; denn ich bin dein Knecht.Psalm 143:12 [Luth1545]

Psalm 139 spart im Evangelischen Gesangbuch genau 4 Verse aus.

Ach, Gott, daß du tötetest die Gottlosen, und die Blutgierigen von mir weichen müßten!
Denn sie reden von dir lästerlich, und deine Feinde erheben sich ohne Ursache.
Ich hasse ja, HERR, die dich hassen, und verdreußt mich auf sie, daß sie sich wider dich setzen.
Ich hasse sie in rechtem Ernst; darum sind sie mir feind.Psalm 139:19-22 [Luth1545]

Über das immer noch böse DRM

am 11. Februar 2007 über Freiheit, Internet, Kritik, Musik, Politik

Steve Jobs hat in seinem Blog auf der Nachrichtenseite von „Apple“ einen Beitrag über den Unsinn des DRM verfasst. Die grobe Zusammenfassung: Jegliches DRM sei für den Benutzer schlecht. Es schränke seine Rechte ein und sorge für Inkompatibilität zwischen den Produkten aller großen Hersteller. Apple, Microsoft und Sony bastelten jeweils an eigenen unterschiedlichen Lösungen, die letzten Endes in wechselseitige Inkompatibilität münden würden. Man könnte mit erheblichem Aufwand das proprietäre „FairPlay“-System von Apple irgendwie für andere Firmen lizenzieren. Die beste Lösung wäre aber, auf jegliches DRM zu verzichten, so wie es in den Millionen von Audio-CDs schon der Fall sei.

Die Antwort der RIAA kam prompt: „We have no doubt that a technology company as sophisticated and smart as Apple could work with the music community to make that happen.“ Gemeint ist die Lizenzierung von „FairPlay“ für andere Hersteller. Letzten Endes also ein klares Statement, dass DRM und digitale Lizenzierung keinesfalls abgebaut sondern erweitert werden müsse. Apples Kritik am DRM wurde also mit entschiedener Diplomatie zurückgewiesen.

Die Marktmacht der großen Plattenlabel ist also ungebrochen. Sie alleine haben das Recht, über „ihre“ Musik zu bestimmen. Doch wer gibt ihnen diese Rechte? Letzten Endes sind es die Musiker und die Käufer. Der Musiker verkauft alle Rechte an seiner Musik an eine Firma, um dann mit Beträgen im Cent-Bereich entlohnt zu werden. Damit ist der Abzocke Tür und Tor geöffnet. Das Plattenlabel kann tun und lassen was es will, der Käufer muss den geforderten Kaufpreis löhnen und das digitale DRM akzeptieren. Doch während im Direktverkauf noch ein gewisser Wettbewerb herrscht, wird zumindest in Deutschland der Markt für Musiklizenzen mit Mitteln, die enge Parallelen zum GEZ-Faschismus zeigen, von einer einzigen kommerziellen Organisation namens GEMA betrieben. Die Summen, die die GEMA selbst für kleine nicht-kommerzielle Veranstaltungen verlangt, sind exorbitant. Bei der letzten Großveranstaltung, deren Kassenbericht ich einsehen durfte, überstieg die Gebühr für Coverbands und Konservenmusik den Preis für fünf professionelle Security-Mitarbeiter. Und was bekommt letzten Endes der Künstler? Wieder nur den altbekannten Cent-Betrag, der sich natürlich auch gleich an den Verkaufszahlen seiner Platten orientiert. Im Klartext: Wenn eine Punk-Band ein Ärtze-Cover spielt, kassiert Dieter Bohlen.

Auf der kreativen Basis aus Künstlern, Komponisten und Textern fußt eine undurchschaubare, komplexe und hochgradig kommerzielle Maschinerie, die es rigoros auszumerzen gilt. Das erfordert eine direkte Zusammenarbeit von Künstlern und Käufern. Künstler dürfen keine Exklusiv-Verträge mehr eingehen und die Käufer müssen ihr Konsumverhalten verändern. Das heißt, dass die CDs nicht länger von Amazon und WOM kommen, sondern direkt vom Künstler oder von unabhängigen Distributionen. Wer digitale Musik möchte, sollte sie direkt auf der Webseite des Künstlers kaufen. Oder bei fairen digitalen Plattenlabeln wie Magnatune.com. Dort gibt es kein DRM, sondern sogar eine sehr freigiebige Creative Commons Lizenz.

Der erste Schritt in diese Utopie ist der konsequente Boykott kommerzieller Musik. Was mit teurer Werbung und kommerziellen Aktionen beworben wird, sollte für den Käufer tabu sein. Für jede kommerzielle Band gibt es garantiert ein musikalisch ähnliches Projekt, welches selbst dem Mainstream-Hörer besser gefallen wird. Man muss sich nur die Mühe machen, es zu finden.

MP3 vs. OGG

am 25. Januar 2007 über Freiheit, Musik, Software

OGG/VORBISWenn heute eine Band Beispiel-Dateien ihrer Lieder ins Internet stellt, fällt die Wahl des passenden Formats nicht schwer: MP3 ist als Quasi-Standard die erste Wahl (von der Krankheit des proprietären „MySpace-Spielers“ über „Adobe Flash“ mal ganz abgesehen). Mit Crimson Moonlight fand ich zum ersten Mal eine Band, die das Wagnis eingeht, potentielle Käufer ihrer CDs mit dem OGG/Vorbis-Format zu verwirren. Zugegeben - dieses Statement gegen Kommerz und den „Mainstream“ wird in der relevanten Szene besser ankommen als jede noch so gute MP3-Datei. Trotzdem sollten man sich aber ein Exempel daran nehmen!

OGG/Vorbis ist ein quelloffener, patentfreier, kostenloser Audio-Codec, der angesichts seines jungen Alters - ganze 6 Jahre älter als das Fraunhofersche MP3 - auch noch deutlich besser ist als seine patentierten Kollegen. Zum einen schleppt er keinen DRM-Rucksack mit wie WMA und Apple iTunes, zum anderen ist schlichtweg der Algorithmus besser. Nicht nur subjektiv hörbar, sondern auch mathematisch beweisbar oder zumindest messbar. Es ist nahezu unmöglich, akustische Artefakte in einem 128kbps Vorbis-Klang zu erkennen. Bei MP3 ohne VBR dürfte das selbst einem Laien gelingen. Zudem gibt es bei MP3 immer wieder Lizenzansprüche seitens seiner Erfinder. Ob zu Recht oder nicht sei dahingestellt - es nervt einfach, für den kommerziellen Einsatz von MP3-Encodern bezahlen zu müssen. Nur mit juristischen Tricks konnte der freie Encoder LAME noch nicht juristisch angegriffen werden.

Nur durchgesetzt hat er sich nicht. Wahrscheinlich hat die Musik-Lobby was dagegen. Oder die großen Software-Hersteller. Am Benutzer wird es nicht liegen. So schnell sich der Pöbel an WMV und rm gewöhnt hat, würde er auch Vorbis akzeptieren können.

Darum mein bescheidener Aufruf: Vergesst MP3 und wechselt zu Vorbis. Mit Rockbox kann man sogar seinen Hardware-MP3-Spieler entgegen aller Marktmacht seines Herstellers mit Vorbis nachrüsten.

CDDB

am 5. Oktober 2006 über Freiheit, Internet, Musik

SchallplatteEine der wenigen freien CDDB-Datenbanken, die funtioniert haben, war freedb.org. Seit dieser Woche wird die Datenbank nun kommerziell von der Firma Magix AG geführt, die das Projekt aufgekauft hat. Laut eigenere Info soll die Seite weiterhin frei nutzbar sein und die API sowie alles andere unter der GPL bleiben. Das wird lang und breit erklärt und versichert.

Wie dem auch sei: eine Sache muss man als Benutzer trotzdem beachten. Die URL zum Abfragen der Datenbank über http hat sich geändert und muss in allen Programmen neu eingegeben werden. Sie heißt jetzt freedb.freedb.org/~cddb/cddb.cgi.


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M. Herhoffer