Moderne Religionskultur
am 11. Juli 2007 über Glaube, InternetSind die Zeiten der untrennbaren Verbindung von Religion und Kultur denn tatsächlich vorbei? Moderne Christen behaupten oft, im Zuge des Traumas der Aufklärung zumindest jenen Sieg errungen zu haben, der die Religion von allerlei Anhang an politischer und kultureller Verknüpfung trennt. Doch das stimmt nicht. Egal auf welchem Level – der gemeine Christ bündelt den Glauben an eine bestimmte Form der Lebensausführung.
Fangen wir bei denen an, die das Christentum im Namen haben: Die konservativen Bürgerliche, organisiert unter einem schwarzen respektiven blauen Banner namens CDU respektive CSU. Kann da einer noch einen einzigen Rest von dem Erkennen, was das Christentum ausmacht? „Eines fehlt dir! Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach.� So steht es in Markus 10:21, aber keiner der Konservativen würde diesen Satz zu seinem politischen oder gar persönlichem Weg erklären. Wo haben Aussagen wie diese bei den konservativen Werte-Christen Platz? Ehrgeiz, Fleiß, Wohlstand und Tugend kann man in der Bibel nicht finden – sehr wohl aber im Werteverständis der Chrstlichen Demokratischen Union. Ziel verfehlt, würde ich behaupten – und darum nie mein Kreuzchen an eine Partei mit C vornedran verschenken.
Ein weiteres Manko ist das Hervorheben von Familie, Sicherheit und Wohlfühl-Umgebung. Einerseits eifert der Pietismus, Jesus als Vorbild zu betrachten. Anderseits ist das gutbürgerliche Familienverständnis mit klassischer Rollenverteilung das scheinbar christliche Motiv. Wenn man den Jesus von Nazareth nun primär als Vorbild nimmt: Wo bitteschön findet man in der überlieferten Biografie die Familie, das gutbürgerliche Leben und die gesicherten Umstände? Wäre “What Would Jesus Do?” tatsächlich ein Leitspruch, der so konsequent umgesetzt werden würde, wie jener den Spruch auf T-Shirts und Bändchen tragender Christ von sich behauptet, dann gäbe es nur noch Punks, Wandersleute, Camper und Tagelöhner. “Darum sage ich euch: Sorget nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um eueren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?” steht in der Bergpredigt. Mit schicken Anzügen für den sonntäglichen Gottesdienst hat das nichts zu tun. Jesus von Nazareth als Vorbild ist radikal, weniger radikal wäre die mystische Rolle als Jesus Christus. Eine ausgewählte Mischung aus beidem herrscht bei vielen Frommen vor, eine radikale Position für beide Elemente nur ganz selten. Die Jesusfreaks leben das eine, die Theologiestudenten das andere.
Ganz schlimm wird es, wenn man den Blick Richtung “God’s Own Country”, den USA, richtet. Der Müll, den man alleine auf der Internetseite GodTube in filmischer Form zu sehen bekommt, reicht aus, um sich unter diesen Christen wahrlich nicht wohl zu fühlen: Eine Banane als Gottesbeweis, zudem allerhand nationalistische und militaristische Propaganda.




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Nur damit der Rest der Welt einmal eine Ahnung bekommt, mit welchen Auswüchsen non-urbanem provinzialischem Schwachsinn sich der gemeine Landorganist ärgern darf: Das Bild ist eigenhändig mit meiner Telefonkamera aufgenommen und zeigt die 