Archiv für die Kategorie'Kultur'

Go For Tumble : Reloaded

am 12. Juni 2008 über Internet, Kultur

A tumblelog is a quick and dirty stream of consciousness, a bit like a remaindered links style linklog but with more than just links. They remind me of an older style of blogging, back when people did sites by hand, before Movable Type made post titles all but mandatory, blog entries turned into short magazine articles, and posts belonged to a conversation distributed throughout the entire blogosphere. Robot Wisdom and Bifurcated Rivets are two older style weblogs that feel very much like these tumblelogs with minimal commentary, little cross-blog chatter, the barest whiff of a finished published work, almost pure editing…really just a way to quickly publish the “stuff� that you run across every day on the web.

Zum zigsten Male bemühe ich nun dieses Zitat um zu erklären, was sich da so rechts in der Navigation dieser Seite versteckt. Seit nun fast 3 Jahren zeigt dieses Blog in der Rubrik “Tumble” 10 Beiträge an, die ich und oder Freunde von mir per Jabber an einen Bot geschickt haben. Das sind meistens interessante Links, lustige Bilder, Zitate — manchmal auch Nonsense, Insiderwissen und illegale Primzahlen.

Das hat nun ein Ende. Denn aus dem Dunstkreis des Web 2.0 ist ein Projekt entstanden, bei dem sich jeder ein tolles und schickes Tumblelog zulegen kann. Ganz ohne Wartungsarbeit am Bot und intuitiv mit einer komfortablen Software. Tumblr.com heißt diese Seite — mit ganz und gar klischeehaftem Namen. Von nun an befindet sich mein Tumble-Log also dort. Vorerst werden hier in diesem Blog nur meine Beiträge angezeigt, nicht wie bisher die Beiträge der gesamten Karlsruher Info-Blogger-Szene. Einen Feed nach altem Konzept gibt es aber schon.

Nundenn: Viel Spaß mit meiner täglich aktualisierten Müllhalde.

MySpace ist Politik

am 24. März 2008 über Internet, Kritik, Kultur, Musik

MySpace Logo

Kaum vorstellbar: Jenes Konglomerat aus blinkenden Bildchen, Flash-Videos, brüllenden Medienspielern und lustigen Fotos namens MySpace ist inzwischen zu einem der wichtigsten Kanäle für die Musikszene geworden. Kaum eine Band kann es sich mehr leisten, nicht mitzumachen. Warum aber ist diese Mordor des Internets so mächtig geworden?

MySpace ist alles andere als komfortabel und ansehnlich. Das Layout ist in Sachen Hässlichkeit und Unbenutzbarkeit kaum mehr zu überbieten. Während die Konkurrenz mit tollen Web2.0-Effekten aufwartet, bleibt MySpace den statischen HTML-Tabellen treu. Kästchen für Kästchen wird das optische Chaos komplettiert. Und wer als Außenstehender glaubt, die unterschiedlichen MySpace-Designs seien ein besonderes Feature, der irrt: Alles muss der Benutzer über unschöne und kaum zu durchschauende Hacks selber basteln. MySpace filtert CSS-Daten in den Inhaltsfeldern nicht heraus. Jegliche Anpassung des Layouts erfolgt also durch Überschreiben des ursprünglichen CSS. Identifizierer wie table table td.text table td.text span.btext sind da noch von der harmlosen Sorte.

Was macht MySpace aber so erfolgreich?

Wie MySpace zum Status Quo gekommen ist, kann wohl so keiner wirklich verstehen — was man dort aber vorfindet, ist von immensem kommerziellen Belang. Man findet für jede nur erdenkliche Zielgruppe zwischen 12 und 30 Jahren ein passendes Netzwerk (Clique nennt der Graphentheoretiker so etwas), welches mehr oder minder automatisiert gezielt beworben werden kann. Mittel des Zwecks sind hierbei Freundesanfragen um schlicht auf sich aufmerksam zu machen oder Kommentare, die mit Bildern versehen alles Erdenkliche bewerben können. MySpace erschließt den Bands, und vor allem jenen jenseits des Mainstreams, ein großes und exakt passendes Publikum. Dass sich Bands, Labels und neuerdings auch Filme also ein solches Profil zulegen ist ergo von rein kommerziellen Zielstrebungen getrieben.

Und der Internetnutzer in pubertären Jahren meldet sich ohnehin überall an, wo man seine Langeweile loswerden kann. Und wenn man dann noch direkt und unmittelbar virtuelle Freundschaft mit seinen Idolen schließen darf, dann wird MySpace erst recht zur ersten Wahl. Insbesondere jene kaum zu durchschauende Gattung der Emo-Core-Hörern (oder Emo-Stil-Nacheiferern) hat in MySpace wohl die ideale Plattform gefunden, sich selbst ohne die schützenden vier Wände zu verlassen stilecht, narzisstisch und selbstmystifizierend präsentieren zu können. MySpace wird zum virtuellen Catwalk all jener, die in der realen Welt nicht jene Beachtung finden, die sie suchen.

Der musikinteressierte Nutzer wird vor allem Gefallen an den Medienplayern finden. Wer ein Klangbeispiel einer Band braucht, wird auf der MySpace-Seite fündig. Schnell und unkompliziert tönt sofort das wichtigste qualitätsdefinierende Merkmal einer Band aus den Boxen: Ihre Musik. Das geht nirgends so gut wie auf MySpace. Was drumherum an *HDL* und *lol* ansteht, interessiert dann überhaupt nicht.

Und auch zum Geschäfte machen taugt MySpace. Wie kommt man leichter in Kontakt zu einer Band oder zu einem Veranstalter als über ein schlichtes „Nachricht senden“? Als Mitmacher von Kulturwerk Orange sehe ich, dass 90% aller Bewerbungen von Bands über MySpace eingehen. MySpace ist der erste Schritt für eine Geschäftsbeziehung — wenngleich eine rasch kopierte MySpace-Nachricht jedoch wahrlich nicht die klassische Promo-Mappe ersetzen kann.

Ob diese Vorteile aber alle vom MySpace-Gründer Tom Anderson (ja, genau der, der 229.861.630 „Freunde“ hat) so intendiert waren, wage ich zu bezweifeln. Angesichts der 580 Mio. Dollar die er von Rupert Murdoch aber bekommen hat, wird ihm das ziemlich egal sein.

Hosen-in-den-Socken-Träger

am 18. Februar 2008 über Kritik, Kultur, erlebt

Modern scheint derzeit zu sein: Seine Hose in (zumeist weiße) Socken zu stopfen. Die mir völlig fremde Subkultur der hippen Hopper scheint mit diesem neuen Trend Maßstäbe setzen zu wollen. Schon immer habe ich mich gefragt, wie die oftmals recht weiten Hosen denn in diesen feinen und filigranen Socken von Aldi stecken bleiben.

Heute in der S-Bahn setzte sich ein stilecht gekleideter Vertreter der Hip-Hop-Szene mir gegenüber. Alsgleich wurde mir das Geheimnis offenbart: Der gemeine Hosen-in-den-Socken-Träger fixiert seine “Baggypants” in den Tennissocken mit roten Gummbibändern aus Mamas Küchenschublade! Diese werden so kaschiert, dass sie nur äußerst schwer zu erkennen sind. Eine geniale Idee.

Als der Schaffner kam, musste der Hosen-in-den-Socken-Träger 60 Euro bezahlen. Leider nicht wegen seinen stilistischen Verfehlungen. Er hatte keinen gültigen Fahrausweis.

Erst links, dann rechts abbiegen

am 2. Februar 2008 über Kritik, Kultur, Politik

In meinem Briefkasten lag heute eine Ausgabe eines Magazins namens „Unabhängige Nachrichten“. Die Artikel könnten nach oberflächlicher Betrachtung direkt aus der Datenschleuder, der Konkret oder der Jungle World stammen: Ein Artikel gegen Schäuble und seine Überwachungs-Visionen. Ein anderer über die Online-Durchsuchungen mittels des Bundestrojaner. Schön polemisch, eine radikale Anti-Haltung, alles in alter Rechtschreibung und mit viel roter Farbe. Eine linke Intiative, die was zu sagen hat.

Sicher?

Der dritte Artikel beginnt merkwürdig zu werden. Es geht um Russlands Präsident Putin und seine Haltung zur Aufrüstung der USA. Ein interessantes Thema—man druckt seine Rede in vollem Wortlaut ab. In einer Box ein Kommentar. Dort ist zu lesen: „Gleichgeschaltete Medien“, die deutschen Medien „beschränken sich auf die von oben vorgegebene Meinungsmache“.

Der Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen weiß mehr über das politische Profil der Zeitung:

Tatsächlich befassen sich die UN jedoch schwerpunktmäßig mit Artikeln, welche die Kriegsschuld Deutschlands leugnen, die Verunglimpfung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung beinhalten und die angeblich fortdauernde ‚Umerziehung‘ der Deutschen durch die alliierten Siegermächte anprangern. Einzelne veröffentlichte Artikel stammen aus der Feder bekannter oder ehemals aktiver Neonazis.Verfassungsschutz NRW

Fast hätte die linke Tarnung funktioniert. Die Strategie der neuen Rechte ist eindeutig: Die alten traditionellen Themen werden mehr und mehr durch einen pseudo-linken Anstrich reingewaschen, die alte strikte Trennung der beiden Lager verschwimmt. Die rechte Szene rekrutiert ungeniert im linksextremen Milieu. Selbst lange Haare, traditionelle linke Kleidung mit Kapu und Che Guevara ist in rechten Kreisen salonfähig. Die rechte Szene unterwandert traditionell linke Bereiche: Punkbands mit rechten Liedtexten, Pagan-Metal-Bands mit rassistischen Meinungen und Hare-Krishna-Hippies mit rechter Esoterik.

Wenn die rechte Szene die Schubladen abschafft, dann muss die Demokratie umdenken. Vielleicht ist das aber auch gut und gesund. Dann muss man sich nämlich zwangsläufig mit den Inhalten befassen—und merkt dann jenseits von Nazi-Ästhetik und Springerstiefeln, welch geistige Diarrhö die Rechten produzieren.

Böse Wikipedia

am 7. Dezember 2007 über Internet, Kritik, Kultur, Politik

Wie die taz und diverse andere in erster Linie linke Medien berichten, wurde die Wikipedia von der Vizevorsitzenden der Linkspartei angezeigt. Die lexikalischen Artikel („Lemmata“ nennt der Fachmann solche) zu Themen des Dritten Reiches und Nationalsozialismus gingen, so die Vizelinke Schubert „weit über das rechtlich geschützte Maß an Aufklärung hinaus“. Als Beispiel dient das Lemma Hitler Jugend.

Screenshot des Wikipediaartikels zur Hitler Juugend
Wenn es nach der Linkspartei ginge, dann dürfte dieser Artikel nicht existieren.

Dort prangt oben rechts das Logo der HJ. Und das soll nach Meinung der linken Zensorin weg. Wo, wenn nicht in einem Lexikon, soll man das Emblem dieser Organisation wissenschaftlich rezipieren? Muss derjenige, der in Opas Nachlass eine schicke Uniform findet, für immer nicht wissen dürfen, für was dieses Emblem da am Ärmel steht?

Ich war gestern zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Anzeige im IRC-Kanal der Wikipedia. Mehr als virtuelles Kopfschütteln gab es da nicht. Wer der Wikipedia eine tendentiell rechte Färbung unterstellt, der sieht wohl auch in der CDU eine verfassungsfeindliche Organisation. Die Wikipedia reagiert in hohem Maße allergisch auf jede rechte Meinungsäußerung. Selbst in Randbereichen wie den Artikeln zur rechten Musik und Szene wird jede Aussage zur Ideologie akribisch in den Konjunktiv gesetzt, Unbelegtes wird sofort gelöscht. Die Wikipedia ist mit Absätzen zu „Kritik“ und „Kritik der Kritik“ ein Medium, welches die Meinungen besser neutralisiert als so manche vielgelesene Tageszeitung.

Das Schlimme ist: Einen zweiten Tron-Skandal will sich die Community wohl sparen. Darum wurden seit gestern rund zwei Drittel des Artikels zur HJ gelöscht. Ein erbärmliches Zeugnis für das meinungsfreie Deutschland.

Um mit einem passenden Zitat zu schließen:

„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei - mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen der »Gerechtigkeit«, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die »Freiheit« zum Privilegium wird.“ Rosa Luxemburg

Christlicher Metal

am 24. Oktober 2007 über Glaube, Kultur, Musik

„Häh? Du bist Christ und hörst Metal? Das geht doch gar nicht!“. Sehr oft darf ich mir diesen Satz anhören. Ich glaube zwar nicht, dass jene meist alkoholisierten Menschen, die mir diese Frage auf einschlägigen Konzerten stellen, die folgenden Zeilen lesen werden; für alle anderen folgt nun aber ein knackiger Überblick über die Geschichte des Christlichen Metals.

The Yellow Attack

To Hell With the DevilWährend in den 70ern Rock und Hardrock die Hitparade dominierten, war Anfang der 80er der große kommerzielle Durchbruch des Metals. Christliche Hardrocker gab es vereinzelt, kommerziell erfolgreich war keiner. Die Geschichte des christlichen Metal beginnt jedoch gleich mit einem Paukenschlag: Die 1981 gegründete Band Stryper spielte als einzige christliche Metalband aller Zeiten eine bedeutende Rolle im sekulären Geschäft. Ihr Glam-Metal-Stil, der Verzicht auf brachiale Härte und nicht zuletzt die Verwurzelung in der evangelikalen Szene verschaffte Stryper Gold- und Platin-Status. Aus heutiger Sicht sind Auftreten und Stilistik altbacken bis peinlich – damals war das so Mode. Legendär sind Szenen, in denen Stryper bergeweise Bibeln ins Publikum werfen, umstritten sind ihre radikalen Positionen zum Gebrauch von Schusswaffen und gegenüber Homosexualität. Ihre Musik war und ist jedoch zu 100% einem gelebten christlichen Glauben verschrieben, wenngleich oftmals etwas platt und zwangsoptimistisch. Die Bezeichnung „White Metal“ für Musik im Stil von Stryper wurde erst Jahre später nachträglich erfunden. Stryper hätten anno 1986 damit sicher nichts anfangen können. Dazu musste erst die erste Welle des satanischen „Black Metal“ ausbrechen.

Der australische Untergrund

Während kommerzielle Bands ein Weichspühlprogramm in Sachen musikalischer Härte und Aggression durchzogen, war die Revolution aus dem Untergrund nicht mehr aufzuhalten. Der sekuläre Metal wurde – ausgehend vom Thrash (für ganz Unterinfomierte: to thrash für dreschen, nicht Trash wie Müll) in Amerika – stetig härter und aggressiver. Auch in Australien gab es diese Entwicklung. An vorderster Front spielte dort 1990 eine Band namens „Mortification“ einen neuen Stil des Metals. Steve Rowe war Basser und Sänger, Jason Sherlock der Drummer. Sherlock wird später noch herausragende Bedeutung erlangen. Mortification war zweifelsohne die erste wirklich harte Underground-Band der christlichen Szene. Und nebenbei waren sie auch in Vorreiter in Sachen Death Metal. Ihr Album „Scrolls of the Megilloth“ wurde zum Klassiker.

Später erkrankt Sänger Steve Rowe an Leukämie und schien zeitweise den Kampf verloren zu haben. „Triumph of Mercy“ bezeugt eindrucksvoll seine Heilung.

Brennende Kirchen und mordende Satanisten

Stabkriche Fantoft, nach Brandstiftung vollständig niedergebrannt

Auf der anderen Seite der Erde lief die Metalszene derweil Amok. Eine Gruppe norwegischer Jugendlicher – nichts anderes war dieser legendäre „Inner Cirlce“ – entwickelter eine auf Satanismus, Rassismus und Misanthropie aufbauende Ideologie und verband dies mit einer neuen, äußerst rauen und brachialen Stilistik des Metals. Der „Black Metal“ war geboren. Verbindendes Merkmal aller Bands war ein ausgeprägter Hass auf das Christentum, der sich bis heute in Form absonderlicher Liedtexte auszeichnet. Mitte der 1990er Jahre waren Hasstiraden und lustige Gesichtsbemalung aber nicht genug: Eine Gruppe um Varg (geb. Kristian) Vikernes setzte in Norwegen die letzten verbliebenen Stabkirchen in Brand, darunter die berühmte Stabkirche Fantoft. Der Sänger der Band “Mayhem” mit bezeichnendem Pseudonym “Dead” begeht Selbstmord [Warnung: fotografisch explizite Darstellung], ein Jahr später wird sein Bandkollege “Euronymous” von Vikernes erstochen. Auch in Deutschland schaut es nicht besser aus: Mitglieder der Band Absurd ermorden in Gemeinschaftstat einen «Homosexuellen», den 15jährigen Sandro Beyer.

In diesem ganz und gar antichristlichen Kontext wurde 1994 dezent und unauffällig ein Album veröffentlicht. Die Band nannte sich “Horde”, das Album “Hellig Usvart”. Nuclear Blast, damals noch völliger Underground, brachte die Scheibe auf den Markt. Der Aufschrei in der Szene war recht groß, fühlten sich die satanischen Eliten doch reichlich provoziert: “Hellig Usvart” offenbarte sich als Album mit durch und durch anti-satanischen, christlichen Texten. Mit den Mitteln der Blasphemie, die der Black Metal gegen das Christentum verwandte, wendet sich “Hellig Usvart” nun gegen den Satanismus. Titel wie «Invert The Inverted Cross» oder «Blasphemous Abnomination Of The Satanic Pentagram» invertierten die komplette Ideologie des Black Metal. Die Seitenhiebe auf die satanische Szene waren offensichtlich: „Hellig Usvart“ ist norwegisch für „Heilig Unschwarz“, eine Anspielung auf den „Unholy Black Metal“ von Darkthrone. Das einzige Mitglied der Band nannte sich “Anonymous”, eine direkte Anspielung auf den kurz zuvor erschossenen Euronymous von “Mayhem”. Bis heute halten sich Gerüchte, dass Markus Staiger, Chef von Nuclear Blast, Morddrohungen aus der satanistischen Szene erhalten habe.

Erst Jahre später wurde das Geheimnis um Horde gelüftet: Kein Norweger war der Autor, sondern der Australier Jason Sherlock. Er war einst Schlagzeuger von Mortification und spielt heute bei Paramæcum.

Kurz darauf traten einige Bands Hordes Erbe an. Manche davon sind gut, viele sind grottenschlecht. Besonders in den vom Christentum dominierten Teilen Südamerikas gibt es eine ausgeprägte und vielseitige christliche Black-Metal-Szene, die seit 10 Jahren auf einem recht niedrigen musikalischen Niveau hängen geblieben ist. Eine Vielzahl an Bands publiziert im Stundentakt Alben und MySpace-Seiten. Dieser Teil der Szene wird in Europa nahezu ignoriert.

Großes Ansehen genießen jedoch jene skandinavischen Bands, die ebenso wie die säkulären Kollegen den Black-Metal kreativ ausbauten und in der so genannten „zweiten Welle“ mit atmosphärischen und progressiven Elementen verbanden. Zu nennen sind Antestor, damit verbunden Vaakevandring, Crimson Moonlight, Vardøger und Admonish. Insbesondere Antestor belegt eine Schlüsselposition. Als christliche Doom-Metal-Band ist ihre Geschichte älter als die von Horde. Noch unter dem Namen Crush Evil sagte Euronymous über sie:

When it comes to bands like Crush Evil, we must take serious action. It`s bad enough to have a couple of society bands, but a CHRISTIAN band is too much. But don’t worry, we have plans. They will not continue for a very long time. Euronymous

Seine Drohungen verliefen im Sande, ein halbes Jahr nach dieser Aussage wurde er von Varg Vikernes erschossen. 2004 spielte sein Bandkollege „Hellhammer“ als Session-Musiker Schlagzeug bei Antestor.

Quellen: Wikipedia; Unheilige Allianzen. Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus; „Black Metal Primer Redux“, Heaven’s Metal #67 2-3/07

Nachtrag: Erasmus von Son-of-Man-Records führte einst mal ein recht untergrundiges Interview mit Anonymous von Horde. Da SoM derzeit nicht mehr aktiv ist und keine Internetseite mehr betreibt (soweit ich weiß ist der alleinige Labelchef als Soldat im Irak), biete ich ganz frech eine Sicherungskopie des Interviews an. Anonymous äußert sich dort noch über eine weitere Anspielung: Der Produzent mit den Pseudonym «Unblack Mark» ist nicht existent, sondern eine Referenz auf das Label «Black Mark» von Bathory. Damit bekommt auch noch die letzte wichtige Band der Szene eine Anspielung gewidmet. Anonymous behauptet aber immer noch, dass Horde niemals ein Parodie oder gar ein Spaßprojekt war. Horde ist todernster Unblack Metal.

Inzwischen gab es auch einen Liveauftritt. Die DVD ist gerade auf dem Weg von Australien zu meinem Briefkasten.

Festivals

am 21. August 2007 über Kritik, Kultur, Musik, Review

Was macht der gemeine Metaller, wenn es sich alle anderen Leute mit Cocktails am Karibikstrand gutgehen lassen? Richtig: Er steht auf matschigem Grund bei strömendem Regen zusammen mit tausenden Gleichgesinnten vor einer Bühne. Das nennt sich dann “Festival”. Ich war dieses Jahr auf zweien: Dem Party.San und dem Summer Breeze.

Reviews zu den Bands gibt es im Netz genug. Darum widme ich mich an dieser Stelle dem Drumherum: den Dixie-Klos, der Infrastruktur und der Organisation. Ich selbst genoss die Tage vollkommen Straight Edge. Darum ist mein Urteil ungetrübt.

Party.San

Ein verbindendes Wort ist sicherlich “Matsch”. Beim Party.San hat es ohne Unterlass geregnet, kaum eine Band war ohne unbarmherzige Regengüsse der härtesten Sorte zu genießen. Dementsprechend ungenießbar waren die äußeren Umstände: Man versank trotz Springerstiefel knietief im Matsch, Sturzbäche flossen durch unsere Zelte. Der Regen machte ein Befahren der Campingfläche nahezu unmöglich, weswegen auch der überlebenswichtige Dixieklo-Entleerer nicht mehr sein Ziel erreichen konnte. Welch undelikate Ausmaße dies annahm darf man sich selbst ausmalen. Letzen Endes war das Krisenmanagement jedoch hervorragend. An den letzten Tagen fuhr die lokale Landjugend mit PS-starken Minitreckern den Campingplatz ab, um festgefahrene Autos (die es reichlich gab) wieder auf festen Boden zu ziehen. Der ausgelegte Stroh sorgte nicht nur für ein paar Quadratmeter festen Stand, sondern auch für lustige Strohschlachten unter angetrunkenen Festivalbesuchern. Sehr angenehm waren die dezenten Ordner und Sicherheitskräfte. Nur beim Einlass in das Festivalgelände waren Leibesvisitationen angesagt. Niemand wollte mein Auto durchsuchen, keiner verbot das Benutzen der allgegenwärtigen Naturtoilette und trotzdem gab es keinerlei Probleme. Mir ist keine einzige Rangelei, kein Verletzter und kein schon gar keine Schlägerei aufgefallen. Das Party.San war offensichtlich nicht ausverkauft. Schön für die freie Sicht auf die Bühne, aber wohl schlecht für den Veranstalter. Darum: Nächstes Jahr hinfahren! Wenn das Wetter gut ist, ist das Party.San eine tolle Sache.

Summer Breeze

Das Summer Breeze ist ein Kaliber größer als das kleine Party.San. Der Anspruch ist ein Tick kommerzieller, das Publikum ist bunter (ja, man findet auf dem Summer Breeze auch Menschen mit partieller Bekleidung in unschwarz) und mehr Bands gibt es auch. Mit 60 Euro Eintritt ist das Loch im Geldbeutel aber auch deutlich größer. Das Wetter war perfekt, die Organisation nicht. Ein Wartestau von knapp 400 Metern benötigte dank Autodurchsuchungen auf höchster Terrorstufe eine knapp vierstündige Wartezeit. Viel zu wenige Sicherheitsmitarbeiter durchsuchten viel zu penibel viel zu gemütlich alle Autos. Das ist meiner Meinung nach nicht nur unnötig, sondern auch illegal. Doch nicht nur die Privatfaschisten machten ihre Arbeit, auch Jene in Grün nahmen es mit Alkohol- und Drogenkontrollen auf hochgradig unverschämten Ton sehr genau. Wildpinkler wurden selbst am Waldesrand auf unfreundliche Art belehrt, die Sicherheitsschleuse am Festivaleingang war langwierig, aber wenigstens freundlich. Zudem scheinen die Veranstalter das Wörtchen “ausverkauft” nicht zu kennen. Unser Zeltplatz war eigentlich als Parkplatz geplant. Ganz offensichtlich waren viel zu viele Besucher eingelassen worden, bevor der Laden dicht gemacht wurde. Sowohl für die Securities als auch für die Besucher sollte gelten: Weniger ist mehr.

Ein weiteres Manko: Betrat man das Festivalgelände, waren beide Bühnen zur linken Hand. Sehr ungeschickt, denn so ist das Prinzip “first come, first served” nur recht suboptimal umsetzbar. Alles drängte sich zur linken Seite, während rechts noch viel Platz war. Zudem war die kleinere Bühne genau im Weg zwischen großer Bühne und Ausgang. Während der ersten zehn Minuten im Set einer Band hatte man ersthafte Probleme, nicht vom Mob der Mainstage hinweggefegt zu werden. Die Anordnung der Bühnen muss definitiv überarbeitet werden.

Der Sound war okay, wenngleich nicht optimal. Ein wenig mehr Bass, ein wenig transparentere Höhen wären schön gewesen. Zudem trug der Wind recht viel Klang weg vom Publikum, was den Sound im Endeffekt zu leise machte.

Um aber dennoch ein Lob an das Summer Breeze loszuwerden: Jede noch so kleine Pfütze wurde sofort mit Schüttgut ausgetrocknet, sodass Partysan’sche Zustände sich erst gar nicht einschleichen konnten. Die Bandauswahl war perfekt, sogar die Aufteilung auf die verschiedenen Tage machte Sinn. Vielen Dank, dass die Metalcore-Bands am Ende des Festivals spielten. Das ermöglichte mir eine frühe und bequeme Heimreise.


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M. Herhoffer