Ardour2 ist fertig!
am 2. Mai 2007 über Linux-AudioLinux war lange Zeit nicht besonders bekannt für tolle Programme im kreativen Bereich. Erst allmählich konnten Projekte wie Gimp und Inkscape auch im professionellen Bereich Fuß fassen. Der gesamte Audio-Sektor war in besonderem Maße böse vernachlässigt. Das war nicht immer so: Schon ganz früh hatten die ersten Unix-Enthusiasten mit cSound (übrigens am renommierten MIT entwickelt) gebastelt. Und knapp 20 Jahre war dieses avagardistische „Programmieren“ von Musik das einzige, was einen dazu treib unter einem Unix-System Musik zu machen.
Die Ansprüche änderten sich aber. Das hat die Gemeinschaft der freien Software aber zu spät gemerkt. Viel zu zäh war die Entwicklung von ALSA, der endgültige Abschied von OSS und das Entwickeln freier modularer Systeme wie Jack, DSSI, LADSPA und insbesondere LV2. Der Musiker von heute braucht flexible und skalierbare Systeme für das Harddisk-Recording, einen flexiblen Plugin-Standard und ein hohes Qualitätsniveau.
Und das alles soll er seit vorgestern nun in Ardour2 bekommen. Ardour ist ein Harddisk-Recorder für den gehobenen Anspruch. Mit dem Soundserver Jack kann er sich an die Hardware und an andere Software anschließen. Mit den Plugin-Standards LADSPA/LV2 und – neu in Version 2 – VST kann man auf eine Vielzahl freier, kostenloser und proprietärer Effekte zurückgreifen. Automation aller Parameter, einfaches Bearbeiten, Envelopes und flexibles Routing machen Ardour im Prinzip fit für eine professionelle CD-Produktion.
Einzig am MIDI-Sequenzing fehlt es noch. Will man MIDI-Daten verarbeiten, egal ob zur Klangsynthese oder zur Steuerung, ist man weiterhin auf Rosegarden angewiesen. Zwei Sequencer simultan laufen zu lassen ist zwar dank der globalen Transportfunktion von Jack nicht unmöglich, jedoch recht unkomfortabel. Schon seit Jahren steht dieser Punkt auf der Roadmap, auch der Google „Summer of Code“ 2006 konnte das Ziel nicht verwirklichen. Dieses Jahr haben sich aber zwei Bewerber gefunden. Der eine wird MIDI implementieren. Und der andere bastelt an einem weiteren wichtigen Feature: Raumklangmodellierung über Multispeaker Panning, samt GUI zum Konfigurieren (und hoffentlich automatisieren).
Was beim neuen Ardour aber deutlich ins Auge sticht ist die neue Bedienoberfläche. Die GUI in GTK2 ist zwar nicht wirklich übersichtlicher, aber ziemlich „fancy“. So „fancy“, dass ich die gtkrc von Ardour zu meinem globalen Theme gemacht habe. Und weil Ardour unter der GPL steht, darf ich diese Datei hier anbieten. In einer normalen Linux-Installation muss sie einfach in den Ordner /usr/share/themes/Ardour/gtk-2.0/ kopiert werden:


Wer braucht schon eine hässliche GUI um Musik abzuspielen? Ich nicht. Darum läuft meine Musik in aller Regel mit mplayer - und zwar in der Kommandozeile. Einzig die Steuerung gestaltet sich manchmal etwas umständlich. Während sich Amarok und Co. gerne in Form kleiner Symbole auf allen Arbeitsplätzen schnell bedienen lassen, muss man zur Interaktion mit Mplayer stets in das passende Shell-Fenster wechseln. Doch Linux wäre nicht Linux, wenn sich dieses Problem nicht elegant hacken ließe.



