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F/OSS-Anwendungen sind allesamt schlecht

am 11. April 2009 über Linux, Review, Software

Jahrelang war ich treuer Anhänger von freier Software und habe diese konsequent eingesetzt und mich geduldig mit allen Macken auseinandergesetzt. Letztes Jahr kaufte ich mir dann einen kleinen aber feinen Mac mini und begann, nach und nach kommerzielle Software einzusetzen. Und das Ergebnis war ernüchternd: In allen Bereichen der klassischen Anwendungsfelder hinkt die freie Software (im Sinne von “Anwendung”) den kommerziellen Äquivalenten um Jahre hinterher! Wo und woran das liegt versuche ich mal zu erklären.

Print- und Webdesign

Für die Pixelschubserei gibt es GIMP, für alles Vektorbasierte Inkscape, Scribus maßt sich an für das Layouten geeignet zu sein.

Wer mal schnell einen Flyer mit GIMP machen will, kann schonmal folgenden Satz üben: “Ja liebe Druckerei, es ist Absicht, dass die Datei in RGB ist. Ich kann kein CMYK und nehme zur Kenntnis, dass Sie keine Farbechtheit garantieren können.” Nach 10 Jahren ist es immer noch nicht möglich, in GIMP nativ mit CMYK umzugehen. Das ist dringend nötig, da die Räume RGB und CMYK nicht deckungsgleich (der Mathematiker weiß: homomorph) sind. Es gibt also praktisch keine Möglichkeit, einen sinnvollen Konverter zu programmieren, insbesondere beim stets kritischen Umgang mit der Farbe Schwarz. Schon mehrmals musste ich böse Überraschungen erleben, wie Flyer “made with GIMP” von der Druckerei kommen: Grau statt Schwarz, kantige Verläufe ins Schwarz, Firmenlogos nicht farbecht. Alleine die fehlende Unterstützung für CMYK macht GIMP also unbrauchbar für das Printdesign.

Inkscape kann ebenfalls kein CMYK. Und wenn man eine Pixelgrafik exportiert darf man sich auf hässliche Alias-Effekte und sehr harte Pixelübergänge beim Umgang mit Transparenz einstellen. Das ist für hochauflösenden Print nicht schlimm, für das Web aber schon. Schon mehrmals musste ich komplexe Vektorelemente in GIMP komplett überarbeiten, weil der PNG-Export von Inkscape selbst niedrigsten Anforderungen nicht genügt. Der PDF-Export ist nicht Adobe-kompatibel und ganz sicher wird es zu Fehlern kommen wenn man die Datei zur Druckerei gibt. Und: GIMP und Inkscape arbeiten nicht gut zusammen. Beim Austausch gehen auf jeden Fall alle Layer verloren und was mit der Transparanz passiert ist reine Glückssache.

Und was kann die kommerzielle Software, im Speziellen Adobe CS 4? Alles perfekt! CMYK geht nativ, über Pantone kann man jedes Corporate Design einfach spezifizieren, der Austausch zwischen den Anwendungen geht mit direkter Verknüpfung. Zudem ist Illustrator wesentlich mächtiger als Inkscape, alleine die Erosionswerkzeuge lassen Inkscape erblassen. Von den mächtigen Undo-Funktionen und der guten Performance (Inkscape startet bei mir 55 Sekunden lang wegen rund 200 installierten OTFs) ganz abgesehen.

Schon mal ein Magazin oder eine Broschüre mit Open Source gemacht? Alles, was nicht mit LaTeX geht, sollte man gar nicht erst anfangen. Etwas, das man eine Alternative zu InDesign nennen könnte, gibt es nicht. Scribus halte ich für unbenutzbar, wenn man auch nur ganz kleine Ansprüche stellt.

Ergo: Nie wieder Grafik mit Open Source! Meine Zeit ist mir zu schade.

Textverarbeitung

Warum startet OpenOffice 3 40 Sekunden lang? Um die hässliche Oberfläche aufzubauen? OpenOffice ist seit 5 Jahren ein fetter Dinosaurier mit einem fetten Relikt von StarOffice als Backend. Unbrauchbar wird OpenOffice, wenn man mehr als 3 Bilder im Dokument hat. Selbst das Scrollen wird dann zu träge, das Layouten gar unmöglich. Einzig die Tabellenkalkulation ist halbwegs brauchbar. “Impress” wiederum nicht, weil der essentielle Umgang mit Boxen, Pfeilen und sonstigen Grafiken zu einem sich indeterministisch verhaltenden Geduldsspiel wird.

Microsoft Office kenne ich nicht, iWorks von Apple kann aber in der erst dritten Generation deutlich mehr. Vor allem schaut es besser aus — sowohl in der Oberfläche als auch im Ergebnis. Alleine schon ein paar wenige sehr gute Vorlagen beschleunigen die Arbeit ungemein. Zudem ist die Software bei gleicher Rechenleistung performanter und wesentlich einfacher zu bedienen.

Musik

Ardour ist ein sehr gutes Beispiel, wie gut freie Software sein kann. Es konkurriert direkt mit ProTools und ist eine ernste Gefahr für kommerzielle Software. Aber: Ardour kann kein MIDI. 90% aller Anwender machen Musik mit dem Computer und verwenden die Kiste nicht nur zum Schnippeln und Mischen. Jeder Popsong, jeder Rocksong und jede noch so billige Produktion braucht virtuelle Instrumente. Die gibt es unter Linux zwar, aber nicht in Ardour. Es gibt praktisch keinen brauchbaren Host für all die Synths, die als LV2 angeboten werden. Rosegarden wiederum kann viel zu wenig. Und: Kein einziger Sampleplayer ist verfügbar. “Das läuft doch alles mit Wine” ist der Tenor. Richtig. Schlecht und träge läuft es mit Wine. Warum sollte man kommerzielle VSTs unter Linux hinfrickeln und in einen schlechten Host stecken, wenn Cubase alles besser und schneller kann?

vim für mehr oder weniger

am 3. November 2007 über Development, Linux, Software

Möchte man in der Konsole mal schnell einen Codeschnipsel oder eine Textdatei anschauen, ist more oder less die erste Wahl. Die beiden kleinen Werkzeuge können im Wesentlichen nur eines: Zeichen darstellen und eine Schnittstelle mit Scrollbalken hinbasteln. Wegen diesem Minimalismus sind sie auch recht populär.

Beim Anschauen von Code ist Syntax-Highlighting jedoch ein recht praktisches Mittel, um den Durchblick zu bekommen oder zu behalten. Less und more können Derartiges nur mit wildem Gepachte und Umkonfigurieren. Warum also nicht gleich vim als Ersatz für less verwenden? Dazu muss man die Killer-Anwendung vim jedoch erst einmal umfangreich kastrieren.
Seit Vim in der Version 6 liefert der Editor gleich ein dafür passendes Bash-Script mit, welches Vim als reinen Textbetrachter startet. Sogar die wenigen Shortcuts von less sind liebevoll umgesetzt. (So beendet etwa q anstatt :q[Enter] das Programm). Das Script befindet sich unter

/usr/share/vim/vim??/macros/less.sh

Nun muss nur noch ein Alias auf less oder more erzeugt werden und man freut sich beim Anzeigen von beliebigen Text an vielen bunten Farben.

Dann mach ich halt wenigstens deinen MBR kaputt

am 27. Januar 2007 über Linux, Software

Professionelle Software braucht manchmal unprofessionelle Betriebssysteme. Um meine Ideen, die sich in Form von mit Bleistift geschriebenen Noten auf Papier schon zu lange stapeln, in ein akustisches Kleid zu betten, kaufte(!) ich mir mein eigenes privates Sinfonieorchester in Form von Motu Symphonic Instruments. Mein Notebook, das ausschließlich für die mobile Klangerzeugung und -verarbeitung ausgelegt ist, beherbergt sowohl Windows XP als auch ein Gentoo Linux mit den RT-Kernelquellen des „pro-audio“ Overlays. Dort läuft die Software unter Windows eher schlecht als recht. Die Latenz ist zwar im Bereich des Erträglichen, mit mehr als drei Kanälen gleichzeitig hält das System aber nicht mit. Zum live spielen mit maximal zwei Händen à fünf Finger also ausreichend, für ein Arrangement mit Sequenzer aber nicht. Darum muss nun Windows auf meinen PC, der in Personalunion auch gleichzeitig mein Heimstudio ist und bisher ausschließlich mit Gentoo Linux läuft.
Also legte ich die Windows-XP-CD ein, wartete recht lange auf das Erkennen der Hardware, akzeptierte widerwillig die EULA und widmete mich dann der Formatierung meiner Platte. Das ging aber nicht. Windows XP kann wohl keine ext2-Partition in NTFS umwandeln. Es kann sie nicht einmal löschen. Genaugenommen kann der Setup gar nichts außer eine leere Partition mit NFTS verseuchen.

Nun galt es also das Setup abzubrechen, um mit geeignetem Programm den Ansprüche von Microsoft genüge zu werden. Wäre recht einfach gewesen, hätte der Setup nicht zu diesem Zeitpunkt schon den MBR überschrieben. Dieses Konzept erschließt sich mir leider nicht ganz: Warum wird der MBR überschrieben, bevor überhaupt nur ein einziges Byte auf die Platte kopiert wurde? Baut Microsoft zuerst den Wegweiser und dann die Stadt?

Wie dem auch sei: Reparieren war angesagt. Im Ermangeln einer Boot-Diskette oder Boot-CD musste ich wohl einen chroot ausführen. Hier nun eine kleine Liste für alle, die einmal Ähnliches tun müssen:

  1. LiveCD booten
  2. die Root-Partition der Festplatte mounten, etwa nach /mnt/root
  3. die Boot-Partition, sofern vorhanden, mounten; nach Konvention nach /mnt/root/boot
  4. das Proc-System mounten bzw. erstellen; das geht mit mount -t proc none /mnt/root/proc
  5. das Dev-System mounten bzw. verbinden; das geht mit mount -o bind /dev /mnt/gentoo/dev
  6. mit chroot /mnt/root die neue Umgebung betreten
  7. so ziemlich alles an Umgebungsvariablen aktualisieren; Gentoo macht da etc-update und source /etc/profile
  8. Dem neuen System sagen, was alles gemountet ist. Das geht mit /proc/mounts > /etc/mtab. Nachträglich alle Mountpoints der Live-CD aus /etc/mtab löschen
  9. grub-install /dev/hdx installiert Grub wieder dorthin wo es hingehört.

Ich hätte meine kostenlose Support-Anfrage, die ich vor Jahren zusammen mit der schicken Windows-XP-CD erworben habe, nutzen sollen. Alleine schon die 20 Minuten vergeudete Arbeitszeit eines Support-Sklaven hätte ich Microsoft gegönnt.

MP3 vs. OGG

am 25. Januar 2007 über Freiheit, Musik, Software

OGG/VORBISWenn heute eine Band Beispiel-Dateien ihrer Lieder ins Internet stellt, fällt die Wahl des passenden Formats nicht schwer: MP3 ist als Quasi-Standard die erste Wahl (von der Krankheit des proprietären „MySpace-Spielers“ über „Adobe Flash“ mal ganz abgesehen). Mit Crimson Moonlight fand ich zum ersten Mal eine Band, die das Wagnis eingeht, potentielle Käufer ihrer CDs mit dem OGG/Vorbis-Format zu verwirren. Zugegeben - dieses Statement gegen Kommerz und den „Mainstream“ wird in der relevanten Szene besser ankommen als jede noch so gute MP3-Datei. Trotzdem sollten man sich aber ein Exempel daran nehmen!

OGG/Vorbis ist ein quelloffener, patentfreier, kostenloser Audio-Codec, der angesichts seines jungen Alters - ganze 6 Jahre älter als das Fraunhofersche MP3 - auch noch deutlich besser ist als seine patentierten Kollegen. Zum einen schleppt er keinen DRM-Rucksack mit wie WMA und Apple iTunes, zum anderen ist schlichtweg der Algorithmus besser. Nicht nur subjektiv hörbar, sondern auch mathematisch beweisbar oder zumindest messbar. Es ist nahezu unmöglich, akustische Artefakte in einem 128kbps Vorbis-Klang zu erkennen. Bei MP3 ohne VBR dürfte das selbst einem Laien gelingen. Zudem gibt es bei MP3 immer wieder Lizenzansprüche seitens seiner Erfinder. Ob zu Recht oder nicht sei dahingestellt - es nervt einfach, für den kommerziellen Einsatz von MP3-Encodern bezahlen zu müssen. Nur mit juristischen Tricks konnte der freie Encoder LAME noch nicht juristisch angegriffen werden.

Nur durchgesetzt hat er sich nicht. Wahrscheinlich hat die Musik-Lobby was dagegen. Oder die großen Software-Hersteller. Am Benutzer wird es nicht liegen. So schnell sich der Pöbel an WMV und rm gewöhnt hat, würde er auch Vorbis akzeptieren können.

Darum mein bescheidener Aufruf: Vergesst MP3 und wechselt zu Vorbis. Mit Rockbox kann man sogar seinen Hardware-MP3-Spieler entgegen aller Marktmacht seines Herstellers mit Vorbis nachrüsten.

Beryl produktiv

am 17. Januar 2007 über Linux, Software

Seit nunmehr fast 4 Monaten verwende ich Beryl/Emerald auf meinem mobilen Rechner. Jenseits von technischen Problemen (die leider immer noch recht dominant sind) möchte ich mich aber hier mit der generellen Idee eines 3D-Schreibtisch befassen. Bringt das Konzept wirkliche Vorteile? Erhöht es die Produktivität oder ist es nichts weiter als Süßigkeiten fürs Auge (konsequent Anglizismen zu vermeiden ist verdammt schwierig).

Brauchbare Ansätze

Mehrere Arbeitsoberflächen sind ein wesentlicher Vorteil der Linux-Desktops. Allerdings ist die Identifikation über Zahlen oder durch ein „endloses“ Band ein recht un-intuitives Konzept. Darum neigt der Benutzer dazu, immer gleiche Applikationen auf der immer gleichen Arbeitsoberfläche zu laden. Dank dieser Strategie findet man seine Anwendungen zwar recht schnell, man beschneidet sich aber in der Freiheit. Mit den 4 Seiten eines 3D-Würfels ist dies unnötig geworden. Dank der geometrischen, wenig abstrakten Anordnung im dreidimensionalen Raum findet man sich besser zurecht als im Zahlen-Wirrwarr von Fluxbox und Co. Die Drehbewegung ist geschmeidig und in der Geschwindigkeit variabel. Damit ist der Nervfaktor bedeutend reduziert.

Ein weiteres Plus ist das angeblich von Mac OS X geklaute „Exposé“. Diese Funktion verkleinert bei Tastendruck alle Fenster, um sie dann übersichtlich und geordnet auf einer Oberfläche zu präsentieren. Ein Klick auf eines der Fenster aktiviert dieses und holt es in den Vordergrund. Auch wenn es kompliziert und umständlich klingt - dieses Konzept ist deutlich schneller und besser als die antiquierte Taskleiste. Während bei einer Taskleiste die Identifikation über das Icon oder gar nur über den Fensternamen erfolgen muss, kann die Exposé-Funktion das Fenster so darstellen, wie es ist. Besonders bei Anwendungen wie GIMP oder Ardour, die schon beim Starten zig Fenster öffnen, stellt diese Funktion eine unglaubliche Steigerung der Produktivtät dar. Während man sonst verloren und hilflos die Fenster durchklickt, findet man dank dem Exposé-Klon alles innerhalb von Millisekunden. Zudem bietet Beryl die Profifunktion, nur Fenster der aktiven Anwendung, der aktiven Oberfläche oder aller Oberflächen in die Exposé-Darstellung einzubeziehen. Mac OS X kann das nicht.

Sinnlos, unbrauchbar, fehlerhaft

Doch bei Weitem nicht alles hat seine Daseinsberechtigung im Umfeld produktiver Arbeit. Wer braucht eine dreisekündige Animation beim Minimieren eines Fensters? Ein Flirren und Zappeln beim Vergrößern eines Fensters? Oder brennende Fenster beim Schließen? Wassertropfen auf dem Bildschirm? Manchmal würde man sich wünschen, es wären weniger Spielkinder und mehr Ergonomie-Experten unter den Linux-Entwicklern. Oder wenigstens solche, die gute Dokus schreiben. Denn angesichts der Modularität von Beryl sollte es wohl nicht allzu schwer sein, sich selbst kleine Module zu schreiben - wenn denn nur die Doku vorhanden wäre. Und über deren Sinnhaftigkeit kann man dann selbst bestimmen.

Passwort zum Heil

am 1. November 2006 über Glaube, Software, Webdesign

Derzeit bastel ich an einer Homepage mit Typo3 herum. Stutzig gemacht hat mich das Standardpasswort, das entgegen anderer Software nicht einen so phantasievollen Namen wie “password”, “pwd” oder “admin” trägt. Bei Typo3 ist das erste Passwort “joh316″. Und wer ab und an mal ein spezielles Buch ließt, der weiß auch, was damit gemeint ist:

Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Johannes 3, 16

Tatataaaaa!

am 24. August 2006 über Linux, Linux-Audio, Musik, Software

Als ich die standardmäßigen Systemsounds von Gnome aktiviert habe, war das eine glatte Beleidigung an meine Ohren. Während selbst Microsoft so langsam auf den Trichter gekommen ist, meinen die Gnome-Entwickler den Benutzer beim Starten des Systems mit schmetternden Midi-Trompeten begrüßen zu müssen. Ein guter Login- und Logout-Sound muss in erster Linie kurz, einfach, schön und vor allem dezent sein. Da ich in den Weiten des Internets nichts gefunden habe, was diese Kriterien nur annährend erfüllt, hab ich selbst was aufgenommen.

Das Soundtheme “Gentle Rhodes” besteht bis jetzt in der Version 1.0 nur aus einem Startup- und einem Shutdown-Sound. Wie der Name sagt ist ein Rhodes Mk. II aus meinem Clavia Nordstage dominant. Vielleicht gefällt es dem einen oder anderen:

GentleRhodes

Gentle Rhodes Version 1.0

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M. Herhoffer