Wenn er doch endlich tot wäre…
am 16. Mai 2007 über Kultur, WebdesignIch meine den Holzmichl. Diese Ausgeburt des anti-kulturellen Bierzeltbesäufnisses ist ein guter Stellvertreter für die „Kultur“, die mich hier im ländlichen weil südlichen Deutschland umgibt. Und ich bin mir sicher, dass das woanders – auch in Großstädten – nicht besser ausschaut. Die Sozialisation vieler (wenn nicht gar mit vernachlässigbarer Abweichung aller) Deutschen ist im Wesentlichen von kultureller Gleichgültigkeit geprägt. Es geht hier nicht um das übliche Gezeter mit „Geht ins Theater!“ oder „Besucht ein Sinfoniekonzert!“. Das wäre engstirnig und höchstgradig konservativ.
Es ist noch schlimmer: Die Leute interessieren sich nicht einmal für Kultur und Subkultur, wenn sie innerhalb ihrer „Peergroup“ und innerhalb ihres direkten lokalen und sozialen Umfeldes stattfindet. Eine „Böhse-Onkelz-Party“, wie sie wöchentlich auf Werbezetteln unter meines Autos Scheibenwischer beworben wird, zieht um ein Vielfaches mehr Besucher als die beste Rockband im gemütlichen (und günstigen) Rockclub. Coverbands, die sich mit Wolfgang Petry’schem Geblöke und MIDI-Gekleister vom Band in einem Bierzelt profilieren, bekommen nachweislich um den Faktor Zehn mehr Gage als eine Jazzband mit studierten Musikern und eigenen Songs. Künstler, die keine Musik machen, dürfen bei der derzeitigen Kulturlandschaft erst gar nicht ihr Haus verlassen.
Was ist also zu tun?
Man muss die Leute erziehen. Behutsam und nachhaltig. Man muss ihnen sagen, dass die Onkelz, ganz gleich welchen dementierenden Stuss sie jemals von sich gaben, eine primitive Nazi-Combo waren. Man muss den Leuten klarmachen, dass es Musik gibt, die man sich nicht schöntrinken muss. Man muss zeigen, dass auch Künstler, die sich nicht für die Medien prostituieren, gute Musik machen. Man muss die lokale Szene auch lokal an den Mann bringen. Und man muss das nicht nur fordern, sondern auch tun.
Daher gibt es seit letzter Woche den Verein „Kulturwerk Orange e.V.“. Ich bin Gründungsmitglied und zweiter Vorsitzender. Geführt und getragen wird dieser gemeinnützige Verein von Leuten, die genau so denken wie ich. Das Konzept ist einfach: Wir organisieren Kultur. Wir fördern die regionale Szene, und wenn es keine gibt, dann bauen wir eine auf.
Im Laufe der nächsten Tage werde ich die Internetseite http://kulturwerk-orange.de ans Netz nehmen. Hier gibt es keine Kompromisse. Svoe (Danke schon jetzt!) macht das Artwork, die Technik mache ich. Mit Web2.0, Verknüpfungen zu MySpace (das muss wohl sein), YouTube und FlickR, mit allerlei Spielereien mit RSS und XML und mit einer ziemlichen Portion Verrücktheit wollen wir versuchen, Kultur auch im Netz zu stiften.
Nachweislich gibt es hier Leser, die im Einzugsbereich von „Kulturwerk Orange“ leben: Werdet Mitglied!

- Kulturwerk Orange e.V. kommt und (sub)kultiviert. Jung und dynamisch, vielfältig und offen möchte „Kulturwerk Orange e.V.“ Kultur und Subkultur in Schwaigern schaffen und gestalten.


